Vom 5. bis 10. November widmet das Wiener Dorotheum seine volle Aufmerksamkeit der Classic Week und damit Antiquitäten, Gemälden des 19. Jahrhunderts und Alten Meistern.
Letztere kommen am 10. November ab 16 Uhr zum Aufruf. Hier sei zunächst auf ein Cassone-Bild hingewiesen, das ein Vertreter der Florentiner Schule des 15. Jahrhunderts ausgeführt hat. Als Cassone wurden die Aussteuertruhen bezeichnet, die eine Braut im Italien der Renaissance mit in die Ehe brachte. Dabei spiegelte der Inhalt aber auch die Verzierung dieser Truhen den sozialen und finanziellen Status der Braut und ihrer Familie wider.

Nach Ende dieser Tradition wurden die Gemälde, mit denen die Truhen verziert waren, nicht selten aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und als einzelne Bilder verwendet. Das vorliegende Exemplar, das sich lange im Besitz der Earls of Ashburnham befand, zeigt eine damals populäre Episode aus dem Leben des römischen Kaisers Trajan, in der passenderweise ein Hochzeitszug samt Cassone abgebildet sind.

Vielfältig vertreten ist die niederländische und flämische Malerei. Vom Barockmaler Jan Steen kommt das Werk Christus im Haus von Martha und Maria zum Aufruf. Steen widmete sich neben der Genre- auch der Historienmalerei. Häufig fügte er in seine Szenen, wie auch im vorliegenden Fall, kleine Stillleben ein.

Der Landschaftsmalerei widmeten sich Abel Grimmer und Steens Zeitgenosse Jacob van Ruisdael bei diesen beiden Gemälden: Ruisdaels Flusslandschaft mit Windmühle und Stadt in der Ferne entstammt vermutlich dem Frühwerk des Künstlers, bevor dieser von Haarlem nach Amsterdam ging.

Der flämische Renaissancemaler Abel Grimmer war von seinem Vater Jacob Grimmer ausgebildet worden, der seine Werke häufig an die von Pieter Breughel d. Ä. anlehnte. Das vorliegende Ölgemälde Winterlandschaft mit Eisläufern von Abel Grimmer deutet ebenfalls auf diese Inspirationsquelle hin.

Im Flandern der Renaissance waren moralisierende Narrenbilder in gehobenen Kreisen beliebt und oft wurden sie als Konversationsstücke in den Esszimmern aufgehängt. De wereld voedt vele zotten („Die Welt ernährt viele Narren“) eines niederländischen Malers des 16. Jahrhunderts passt in diesem Zusammenhang natürlich perfekt.

Mit dem Porträt eines unbekannten, aber sicherlich hochstehenden Herrn in Schwarz nebst treuem Hund kehren wir nach Italien zurück. Das in den 1550er Jahren von Bernardino Campi ausgeführte Werk, reiht sich in die Liste der besten Porträts des Künstlers ein.
Mit dem Porträt des Edelmannes in Schwarz verabschieden wir uns nun von den Alten Meistern und wenden uns den Gemälden des 19. Jahrhunderts zu, die am 9. November um 16 Uhr zum Aufruf kommen.

In dieser Offerte werden wir von einer Dame in Schwarz begrüßt und haben es dabei wie bei dem Cassone mit einem Hochzeitsgeschenk zu tun. Bei der Dargestellten handelt es sich um Maria Lebreton, Tochter des Großindustriellen Andrea Antonini. Dieser hatte Maler Eugen von Blaas mit dem Porträt beauftragt, das Maria anlässlich ihrer Hochzeit überreicht bekam.

Im Paris der Belle Époque zählte Giovanni Boldini zu den beliebtesten Porträtisten. Vor allem für seine Frauendarstellungen war er berühmt. In den 1870er Jahren führte er eine reihe kleinformatiger Kabinettstücke aus, die elegante Damen beim Lesen, Sticken oder, wie hier, beim Musizieren zeigen.

Nachdem er 1884 nach Venedig gezogen war, erkundete Giuseppe Miti Zanetti mit dem Boot jeden Winkel seiner Wahlheimat. Auf diesem Weg gelangte er auch nach Chioggia im Süden der Lagune. Die kleine, ebenfalls auf Holzpfählen erbaute Stadt, wird auch "Klein-Venedig" genannt.

Während Zanetti 1884 nach Venedig umzog, malte Ivan Konstantinovich Aivazovsky in Wien das hier angebotene Blick auf den Bosporus mit der Hagia Sophia und dem Jungfrauenturm im Mondlicht. Wie ein Brief des Künstlers belegt, hatte er es für einen alten Bekannten aus Konstantinopel gemalt, der in der Donaumetropole unter starkem Heimweh litt.

So einfühlsam wie Aivazovskys Geste sind die Genrebilder von Ferdinand Georg Waldmüller, von denen zwei in der Auktion zum Aufruf kommen. Vorbereitung zum Weinlesefest, das besonders durch seine außergewöhnliche Lichtregie besticht, stammt aus dem Jahr 1860.

Der ungewöhnliche Bildausschnitt, mit dem Olga Wisinger-Florian diesen Bauerngarten festhielt, ist typisch für die österreichische Malerin. Ihre Motive fand sie oft draußen in der Natur. Und sie malte sie so, wie sie vorfand, ohne sich um eine künstlerische Komposition Gedanken zu machen. Im Bauerngarten war bis 1912 Teil der Sammlung des bayerischen Prinzregenten Luitpold und ging nach dessen Tod in den Besitz seiner Erben über.
Abschließend sei noch auf die Antiquitäten-Auktion hingewiesen, die am 5. November um 14 Uhr die Classic Week eröffnet. Alle drei Auktionen finden im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt, wo auch die Ausstellungen zu den Auktionen besucht werden können.



