Als am 3. Juli 2012 John Constables Gemälde The Lock bei Christie’s in London für 22.441.250 GBP verkauft wurde, bedeutete das einen neuen Rekord für den beliebten britischen Maler.
John Constable hatte The Lock im April 1824 zur Akademie-Ausstellung in London eingereicht, und obwohl er selbst in seiner Heimat bislang nur wenig Anerkennung fand, fand The Lock bereits am ersten Tag der Ausstellung einen Käufer. Ein schöner Erfolg, doch sollte sich der Pariser Salon, der im August desselben Jahres stattfand, als weitaus folgenschwerer erweisen – dank einiger weiterer Gemälde Constables, die dort ausgestellt wurden.

John Constable wurde am 11. Juni 1776 als viertes von sechs Kindern des Getreidehändlers Golding Constable und dessen Frau Ann im Dörfchen East Bergholt in Suffolk geboren. Wie sehr ihn die dortige am Fluss Stour gelegene idyllische Landschaft prägte, beschrieb er später so: „Ich sollte meine eigenen Orte am besten malen – Malen ist nichts als ein anderes Wort für Fühlen. Ich verbinde meine ‚sorglose Knabenzeit‘ mit all dem, was an den Ufern des Stour liegt. Sie machten mich zum Maler und ich bin dankbar dafür“.

Eigentlich dazu auserkoren, später die Geschäfte seines Vaters zu übernehmen, zog es John Constable vor, durch die Landschaft zu ziehen und diese in Skizzen festzuhalten. Großen Einfluss auf den jungen Mann hatte die Bekanntschaft mit dem Kunstfreund Sir George Beaumont, einem frühen Förderer der National Gallery, der ihm erlaubte, die Gemälde seiner Sammlung zu studieren. 1799 konnte er seinen Vater endlich davon überzeugen, dass für ihn nur eine Künstlerkarriere in Frage kam und der wurde Schüler an den Royal Academy Schools. Beeinflusst wurde er von Alten Meistern wie Peter Paul Rubens, Claude Lorrain, Annibale Carracci und Jacob van Ruisdal, aber auch von seinem 1788 verstorbenen Landsmann Thomas Gainsborough.
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In Constable reifte der Wunsch, sich als Landschaftsmaler zu etablieren. Er bereiste verschiedene Regionen Englands, darunter den Lake District und die Gegend um Salisbury, doch war es vor allem seine Heimat, die ihn immer wieder anzog. Mit der Zeit wurde es für ihn zur Routine, die Sommer in East Bergholt und die Winter in London zu verbringen, wo er ab 1803 Werke zu den Akademie-Ausstellungen einreichte.
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John Constable war bestrebt, die Natur wahrheitsgemäß und nicht als konstruierte Ideallandschaft darzustellen. Am liebsten malte er direkt vor Ort. Doch teilte kaum einer seiner Zeitgenossen seine Auffassung, sodass er sich gezwungen sah, sich mit Porträtaufträgen etwas dazuzuverdienen. Dies wurde umso notwendiger, nachdem er im Oktober 1816 Maria Elizabeth Bicknell geheiratet hatte, die wie er aus East Bergholt stammte und mit der er insgesamt sieben Kinder bekam. Doch die Porträtmalerei langweilte ihn. Etwas mehr Freude dürften ihm die Aufträge für Ansichten von Landhäusern bereitet haben (siehe Titelbild).

Um die Aufmerksamkeit der Kritiker und des Publikums bei den Ausstellungen der Royal Academy verstärkt auf seine Arbeit zu lenken, beschloss Constable 1817, großformatigere Werke einzureichen. Es war der Beginn seiner „Six-Footers“ genannten Gemälde, die seine berühmtesten Arbeiten umfassen, darunter The Hay Wain (1821) und The White Horse (1819) sowie das eingangs genannte Rekordwerk The Lock (1824). The White Horse war dann auch sein erstes bedeutendes Gemälde, das er verkaufen konnte.

Als der französische Maler Théodore Géricault 1824 die Akademie-Ausstellung in London besuchte, war er von The Hay Wain höchst angetan. Das Gemälde wurde zusammen mit View on the Stour near Dedham (1822), von einem britisch-französischen Kunsthändler erworben, der sie im Pariser Salon ausstellte, wobei The Hay Wain mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Allgemein erfreuten sich Constables Gemälde in Frankreich weit höherer Beliebtheit und Anerkennung als in England; auch verkauften sie sich dort wesentlich besser. Doch ein Umzug ins Ausland war für den heimatverbundenen Constable, auch aus finanziellen Gründen, niemals eine Option.

John Constable hatte erheblichen Einfluss auf Frankreichs nächste Künstlergeneration. Maler wie Théodore Rousseau, Jean-Baptiste Camille Corot und Charles-François Daubigny orientierten sich an seinem realistischen, naturgetreuen Stil und malten wie er direkt unter freiem Himmel. 1830 ging aus dieser Bewegung die Schule von Barbizon hervor. Tatsächlich pflegen Barbizon und Constables Heimatort East Bergholt heute eine städtepartnerschaftliche Beziehung.
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1824 war aber auch im Privatleben John Constables ein einschneidendes Jahr, erkrankte seine Frau Maria doch an Tuberkulose, woraufhin die Familie, der guten Seeluft willen, nach Brighton zog. Der Maler, der die Umgebung von Brighton nur wenig inspirierend fand, pendelte nun zwischen dem Seebad und London. Doch es half nichts: die von der Krankheit geschwächte Maria starb Ende 1828 kurz nach der Geburt des siebten Kindes und ließ einen untröstlichen John Constable zurück, dessen Gemälde in der Folgezeit einen düstereren Charakter annahmen. Seit 1829 Mitglied der Royal Academy of Arts, hielt er in seinen späteren Jahren Vorträge zum Thema Landschaftsmalerei an der Royal Institution. John Constable starb in der Nacht zum 31. März 1837 an Herzversagen in London.
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