Im Zuge der noch bis zum 10. Juli andauernden Classic Week von Christie’s in London fand am vergangenen Dienstag die Auktion „Old Masters Part I“ statt, die 24 exquisite Lose umfasste. Bis auf vier wurden alle verkauft und erzielten ein Gesamtergebnis von 43.594.800 GBP (ca. 51,5 Millionen Euro, inkl. Aufgeld). Mehr als die Hälfte dieser beachtlichen Summe entfiel dabei auf die beiden Top-Lose der Auktion, die jeweils einen neuen Rekord für ihren Schöpfer aufstellen konnten.
Mit Spannung erwartet und ausgestattet mit einem Schätzpreis in Höhe von 10-15 Millionen GBP sowie einer Third party guarantee kam an achter Position der Offerte Tizians frühes Meisterwerk Ruhe auf der Flucht nach Ägypten zum Aufruf. Hier ist nicht nur das Motiv Zeugnis einer bewegten Reise, sondern auch das Gemälde an sich, das im Laufe seiner Existenz Station in Venedig, London, Brüssel, Wien, Paris und schließlich Longleat House in Wiltshire machte. Ab dem 17. Jahrhundert befand es sich im Besitz der Habsburger Erzherzöge und Kaiser, bis 1809 ein weiterer Kaiser ins Spiel kam: Napoleon nahm Tizians Ruhe auf der Flucht nach Ägypten 1809 mit nach Paris, doch nur sechs Jahre später kehrte es nach Wien zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte es schließlich in die Sammlung von John Alexander Thynne, 4th Marquess of Bath auf Longleat House im englischen Wiltshire, wo es bis zur Einlieferung zur Auktion verblieb – mit zwischenzeitlicher Unterbrechung, denn 1995 wurde es ein zweites Mal gestohlen. Erst sieben Jahre später konnte es der hinzugezogene Privatdetektiv Charles Hill an einer Bushaltestelle in London sicherstellen.
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Die nun erzielten 17.560.000 GBP (ca. 20,7 Millionen Euro, inkl. Aufgeld) bedeuten einen neuen Auktionsrekord für Tizian, dessen bisheriger Spitzenpreis bei 12.611.228 Euro gelegen hatte, als A Sacra Conversazione: Madonna mit Kind und den Heiligen Lukas und Katharina von Alexandrien 2011 bei Sotheby’s New York den Besitzer wechselte.
Einen neuen Auktionsrekord gab es auch für den flämischen Meister Quentin Massys, für dessen Spätwerk Madonna mit den Kirschen 8-12 Millionen GBP erwartet wurden. Am Ende waren es 10.660.000 GBP (ca. 12,6 Millionen Euro, inkl. Aufgeld), die vom Getty Museum in Los Angeles gezahlt wurden, wo das Gemälde bereits in den nächsten Wochen ausgestellt wird. Das Ergebnis stellt einen enormen Preisanstieg im Vergleich zum bisherigen Auktionsrekord für ein Werk Massys’ dar, der im Dezember 2020 bei Lempertz in Köln erzielt worden war: 1,58 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) für Betende Maria.
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Das mit einem Schätzpreis in Höhe von 7-10 Millionen GBP ebenfalls hochbewertete Gemälde Mares and Foals in an extensive landscape des bedeutenden britischen Pferdemalers George Stubbs blieb hingegen unverkauft.
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