Im August 1615 besuchte das kunstliebende und -fördernde Statthalterpaar der Spanischen Niederlande, Erzherzog Albrecht VII. nebst Gattin Isabella, die berühmte Wunderkammer des reichen Gewürzhändlers Cornelis van der Geest in Antwerpen. Dreizehn Jahre später hielt Maler Willem van Haecht, der auch die Position des Kurators der van der Geest’schen Kunstsammlung innehatte, das denkwürdige Ereignis in einem 99 x 129,5 cm großen Gemälde fest, wobei er eines der Prunkstücke der Sammlung, Quentin Massys’ Madonna mit den Kirschen, prominent platzierte: In der vorderen linken Bildecke ist zu sehen, wie Cornelis van der Geest dem Statthalterpaar das Meisterwerk präsentiert.
Lesen Sie auch: Stille Zaungäste: Gemälde in anderen Gemälden
Gemalt hatte Quentin Massys (der Nachname u.a. auch als Metsys überliefert) seine Madonna mit den Kirschen in den 1520er Jahren. Es gilt als ein Hauptwerk aus seiner Reifezeit, das seinen Ruhm mitbegründete und mehrfach wiederholt und kopiert wurde.
Die bedeutende Version von Massys’ Hand, die Cornelis van der Geest sein Eigen nannte, ging nach seinem Tod nacheinander in den Besitz seines Neffen Cornelis de Licht und des Antwerpener Sammlers Peter Stevens über. Nach Stevens’ Tod im Jahr 1668 verlor sich die Spur des Gemäldes, das erst 1920 bei einer Auktion in Paris wieder auftauchte – jedoch ohne erkannt zu werden. Grund dafür waren die weitreichenden Veränderungen, die das Gemälde seit seinem Verschwinden erfahren hatte, allen voran der von unbekannter Hand hinzugefügte grüne Vorhang, der die Fensteröffnung im Hintergrund verdeckte. Die im Laufe der Jahrhunderte entstandene Firnis tat ein übriges.
Lesen Sie auch: Vermeers „Briefleserin“ wieder im Originalzustand
Und so hielt man das Gemälde allseits für eine von einem Mitarbeiter Massys’ ausgeführte Variante, als es 2015 bei Christie’s in London mit einem Schätzpreis von 60.000-80.000 GBP angeboten wurde. Verkauft wurde es schließlich für 254.500 GBP.

Anschließend erfolgte eine umfangreiche Restaurierung, die die wahre Bedeutung des Gemäldes inklusive seiner hochinteressanten Provenienz ans Licht brachte. Am 2. Juli kommt Madonna mit den Kirschen im Zuge der Auktion „Old Masters Part I“ erneut bei Christie’s in London unter den Hammer. Der Schätzpreis liegt nun bei 8.000.000 - 12.000.000 GBP.
„Wir sind sehr erfreut, dieses Werk von Quentin Metsys anbieten zu dürfen, das erst kürzlich als die beste Version seines berühmten späten Meisterwerks – Madonna mit den Kirschen –, welches dazu beitrug, seinen Ruf als Begründer der Antwerpener Malschule zu festigen, anerkannt wurde“, sagt Henry Pettifer, Stellvertretender Vorsitzender international der Abteilung für Gemälde Alter Meister bei Christie’s.
Quentin Massys' Madonna mit den Kirschen wird vom 28. Juni bis 2. Juli bei Christie's in London ausgestellt.
Entdecken Sie weitere Neuigkeiten vom Auktionsmarkt im Barnebys Magazin!




