Der Manierismus entstand um 1520 als Reaktion auf die Hochrenaissance und endete im frühen 17. Jahrhundert. Seine Ursprünge lagen vor allem in der politischen und religiösen Instabilität der damaligen Zeit begründet, wie sie besonders durch die Plünderung Roms 1527 durch die Truppen Karls V. ("Sacco di Roma") hervorgerufen worden war. Die manieristische Kunst war daher eine Reflexion der Unsicherheit dieser Epoche, indem sie überraschende und manchmal auch verstörende Bilder und Kompositionen schuf. Bisweilen erscheint der Manierismus wie ein Spiel, in dem jeder Künstler versuchte, sich neu zu erfinden und andere zu überflügeln, indem er Regeln, Farben und Formen manipulierte.
Zu den Hauptmerkmalen des Manierismus zählen folgende: ein undefinierter Raum, die Verzerrung und Drehung sich bewegender Körper (charakterisiert durch den Einsatz von "Schlangenlinien" [figura serpentinata]), die Verwendung leuchtender Farben sowie die Verwendung von Symbolen.
Behalten Sie dies alles im Hinterkopf, wenn Sie nun fünf Beispiele für die Kunst des Manierismus entdecken:
Parmigianino, Selbstporträt im konvexen Spiegel

Girolamo Francesco Maria Mazzola, gemeinhin als Parmigianino bekannt, war ein italienischer Maler und Radierer des Manierismus, der in Rom, Bologna und seiner Heimatstadt Parma arbeitete. Seine künstlerische Produktion ist von einer gewissen Sinnlichkeit und der Tendenz zu verlängerten Formen geprägt.
Dieses Selbstporträt zeigt den Künstler im Alter von 21 Jahren. Er sitzt in der Mitte eines Raums und ist aufgrund der Verwendung eines konvexen Spiegels und der Anamorphosetechnik verzerrt wiedergegeben. Die Hand im Vordergrund erscheint durch den Effekt des Spiegels signifikant verlängert und verändert. Das Werk wurde auf einer konvexen Tafel ausgeführt, die speziell dafür hergestellt worden war, die Krümmung des Spiegels zu reproduzieren.
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1524 ging Parmigianino nach Rom. Im Gepäck hatte er einige Gemälde, darunter auch dieses Selbstporträt, sowie die Hoffnung, die Gunst des Papstes zu erlangen. Bei seiner Ankunft wurde er gefeiert und sogar mit Raffael verglichen, der 1520 in Rom gestorben war. Obwohl er (wie Raffael) bereits im Alter von 37 Jahren starb, wurde Parmigianino zu einem der wichtigsten Künstler des Manierismus, dessen Einfluss sich auch auf die Radierung erstreckte.
Jacopo Pontormo, Kreuzabnahme Christi

Dieses Altarbild Pontormos zeigt die biblische Szene der Kreuzabnahme Christi. Die manieristischen Charakteristika sind durch die starke Drehung der bewegten Figuren nur allzu deutlich, vor allem der zentrale Körper Christi weist emblematisch die Schlangenlinie auf. Die leuchtenden Farben, allen voran Rosa und Weiß, heben diese markanten Merkmale hervor, die Pontormo zu einem bedeutenden Vertreter des Manierismus machen.
Die faszinierende Besonderheit des Gemäldes liegt in dem Eindruck der Zeitlupe, die der offensichtlichen Bewegung der Figuren entgegensteht. Beinahe alle Gesichter (mit Ausnahme jener beiden im Hintergrund, die Maria ansehen) sind dem Betrachter zugewandt, wodurch eine Atmosphäre der Unbeweglichkeit und Isolation in Resonanz auf das Gesicht Christi entsteht.
Pontormo hob bestimmte anatomische Verzerrungen hervor, die er sich beim Meister Michelangelo abgeschaut hatte: beispielsweise der proportional unstimmige Hals der Maria sowie die verlängerten Torsos der beiden Männer, die den Körper Christi tragen.
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Mit seiner ungewöhnlichen Farbpalette, den verlängerten Figuren in verdrehten Posen und der Schaffung eines unrealistischen und vollkommen dekontextualisierten Raum markiert das Werk die Ankunft des manieristischen Stils. Sogar das Kreuz, das eigentlich ein fester Bestandteil in Kreuzabnahmeszenen ist, ist verschwunden. Maria, die im oberen rechten Bildteil zu sehen ist, scheint es gewissermaßen zu ersetzen, während die Figuren im Hintergrund die Gesetze der Schwerkraft überwunden zu haben scheinen. Die vom Wind bewegten Tücher erzeugen einen Eindruck eines freien Schwebens.
Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals

Mit seiner reichen Symbolik könnte dieses Werk als das vollendetste Beispiel für den italienischen Manierismus bezeichnet werden. Parmigianino legte den Fokus auf die Figur der Mutter Gottes, die von der Verlängerung ihres Halses und ihrer Finger charakterisiert wird, was ihr wiederholt den Vergleich mit einem anmutigen Schwan eingebracht hat. Die Positionen von Heiliger Jungfrau und Christusknaben folgen der Schlangenlinie mit ihren gleichgültigen, geschmeidigen und losgelösten Bewegungen. Der müde und instabile Körper Jesu verleitet zum Vergleich mit einer Kreuzabnahme oder Pieta und wirkt wie eine Vorahnung des Schicksals dieses Kindes.
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Auf der linken Seite, besteht die für manieristische Szenen typische Menschenmenge aus Engeln, die, neugierigen Kindern gleich, einen Blick auf Jesus erhaschen wollen. Das architektonische Rahmenwerk wirkt zwar "klassisch", bleibt jedoch weitgehend undefiniert und wirkt sogar bedrohlich, wodurch eine beunruhigende Mehrdeutigkeit entsteht. Rechts neben der Säule ist als kleinformatige Figur der Heilige Hieronymus zu sehen, der eine Schriftrolle hochhält, während er über die Schulter zurückblickt.
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1534 für die Begräbniskapelle des Francescon Tagliaferri in Parma in Auftrag gegeben, blieb das Werk bis 1540, das Todesjahr Parmigianinos, unvollendet. Wohl kein anderes Werk veranschaulicht den manieristischen Ansatz so deutlich wie das vorliegende Parmigianinos, der darin mit den künstlerischen Konventionen der Renaissance bricht. Anstatt seine Figuren symmetrisch auf beiden Seiten der Jungfrau zu verteilen, stört er den Raum bewusst, indem er das Missverhältnis bevorzugt, wobei auf der einen Seite die Engel mit menschlichen Proportionen gruppiert sind, während auf der anderen Seite die einzelne, schlanke Figur des Heiligen Hieronymus zu sehen ist, der durch seine reduzierte Größe kaum bis zum Knie der Jungfrau reicht.
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Paolo Veronese, Die Bekehrung der Maria Magdalena

Paolo Veronese ist besonders berühmt für seine Fresken und Ölgemälde mit Trompe-l’œil-Technik. Er verwendete leuchtende Farben für seine akribisch detaillierten Szenen mit Figuren, die sich deutlich vom Hintergrund abheben. Seine hervorgehobenen Kontraste, theatralischen Architekturen und wohldefinierte Rhythmik machen ihn zu einem essenziellen Meister der Malerei des 16. Jahrhunderts.
Bezüglich des Motivs des vorliegenden Gemäldes gehen die Meinungen auseinander: im Allgemeinen wird es für eine Darstellung der Bekehrung Maria Magdalenas gehalten. Die Szene zeigt sie in Kleidung, die für ein Kirchengebäude unpassend ist, wodurch auf ihr bisheriges Leben angespielt wird.
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Alle Charakteristika des Manierismus sind hier vereint. Die beiden Hauptfiguren, Jesus und Maria Magdalena, sind umgeben, ja geradezu überwältigt, von weiteren Personen. Der Hintergrund, ein religiöses Gebäude, ist kaum wahrnehmbar. Die bewegten Körper nehmen komplexe Positionen ein, wodurch alle Elemente zusammen eine beinahe architektonische Form bilden. Die Farbpalette ist sehr markant mit leuchtendem Apfelgrün, Orange, Rosa und Blau, die mit weißen Faltenwürfen kontrastieren.
Giambologna, Raub der Sabinerinnen

Diese Skulptur stellt ein mythologisches Ereignis der Geschichte Roms dar: Nachdem sich die Römer in Italien niedergelassen hatten, versuchten sie, Frauen des Stammes der Sabiner zu heiraten. Nachdem sie auf Ablehnung gestoßen waren, beschlossen sie, die Frauen während eines Festmahls zu entführen.
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Die Darstellung der Gewalt der drei Figuren (ein Römer, dessen betonte Muskulatur von seiner Stärke zeugt, eine entblößte Frau, die von ihm ergriffen wird und versucht, seinem Griff zu entkommen, sowie ein älterer Mann, der in Furcht unterhalb des Römers kniet) zeugt von technischem Können und einem innovativem Geist. Tatsächlich ist es Giambologna gelungen, drei Figuren auf einer Basis zu platzieren und ihre Körper mithilfe der figura serpentinata so zu arrangieren, dass an keiner Stelle eine Steifheit oder Verkrampfung aufkommt.
Die Figuren erzeugen einen Strudel und offerieren somit sich verändernde Perspektiven für den Betrachter, der das Werk in Augenschein nimmt. Die Vielfalt der Blickpunkte gehört zu den von den manieristischen Bildhauern angestrebten Effekten.



