Am 6. Februar 1918 beendeten die Folgen eines Schlaganfalls und einer Lungenentzündung das Leben Gustav Klimts nach 55 Jahren. Nach dem Tod des gefeierten Künstlers der Wiener Seccession fand man in seinem Atelier nur zwei Gemälde. Eines davon war Dame mit Fächer, das noch immer auf der Staffelei stand. Jetzt wird dieses letzte Meisterwerk Klimts am 27. Juni im Zuge von Sotheby's Modern & Contemporary Evening Auction in London versteigert.
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Während Klimts Ruhm und Wohlstand vor allem auf den Porträtaufträgen durch prominente Familien wie die Bloch-Bauers beruhte, hatte er dieses letzte Bildnis zu seinem eigenen Vergnügen gemalt. Wer darauf zu sehen ist, ist nicht völlig geklärt. Möglicherweise war es Johanna Staude, eine Witwe, die wiederholt für ihn und Egon Schiele Modell saß.
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Im Mittelpunkt des Gemäldes befindet sich eine statuengleiche Dame mit Fächer, deren heruntergerutschter Kimono eine ihrer Schultern entblößt. Den Hintergrund nimmt ein chinesischer Wandschirm mit Darstellungen von Phönixen und Lotosblumen ein. Klimt war fasziniert von der asiatischen Kunst und sammelte Masken, Holzschnitte, Keramik und weitere Dinge aus China und Japan. Während seine Arbeiten des frühen 20. Jahrhunderts von der byzantinischen Kunst inspiriert und üppig mit Blattgold verziert waren, zeigen seine späteren Werke Einflüsse der japanischen Kunst, mit abgeflachten Perspektiven und gemusterten Hintergründen. Die Dame mit Fächer erinnert an jene japanische Kurtisane, die ein beliebtes Holzschnittmotiv der Edo-Zeit war.
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"Die Schönheit und Sinnlichkeit des Porträts liegt im Detail: die blauen und rosa Tupfen, die die Haut des Modells beleben, die zarten Linien ihrer Wimpern und die geschürzten Lippen verleihen ihrem Gesicht Charakter", sagt Thomas Boyd Bowman, Leiter der Impressionist and Modern Art Evening Sales bei Sotheby's London. "Klimt gab sich hier selbst die völlige Freiheit, eine umwerfend schöne Frau auf die Leinwand zu bannen. Ihre provokativ entblößte Schulter, ihre Anmut und Selbstsicherheit ergeben einen atemberaubenden Effekt."
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Nach Klimts Tod kam das Gemälde in den Besitz des Wiener Industriellen Erwin Böhler und dann des Kunstsammlers Rudolf Leopold, dem Gründer des Leopold Museums in Wien. 1994 wurde es vom aktuellen Besitzer bei Sotheby's für 11,6 Millionen US-Dollar ersteigert. Am 27. Juni erwartet man bei Sotheby's in London eine Summe in Höhe von 65 Millionen GBP (ca. 76 Millionen Euro), was dem höchsten Schätzpreis entspricht, der jemals in der europäischen Auktionsgeschichte veranschlagt wurde. Das aktuell teuerste Gemälde, das bislang in Europa versteigert wurde, ist Claude Monets Le basin aux nymphéas, das 2008 bei Christie's 40,9 Millionen GBP (ca. 52 Millionen Euro) erzielte.
Gustav Klimts aktueller Auktionsrekord liegt bei 104,6 Millionen US-Dollar (105,6 Millionen Euro), der im November letzten Jahres mit dem Gemälde Birkenwald (1903) aufgestellt wurde, das im Zuge der Versteigerungen der Paul G. Allen Collection verkauft worden war. Zudem haben auch einige Klimt-Gemälde bei Privatverkäufen dreistellige Millionensummen erzielt.
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