Kein anderes Genre hat die japansische Kunst so stark beeinflusst wie das ukiyo-e, ein Begriff, der übersetzt soviel wie "Bilder der fließenden Welt" bedeutet. Diese Gemälde und Holzschnitte stellen detailliert Szenen aus dem Leben in Japan dar, von Geishas und Sumo-Ringern in der Stadt bis hin zu Bildern vom Lande oder von der Küste. Der Stil fällt mit der zunehmenden Urbanisierung von Edo (heute Tokio) unter der Herrschaft der Tokugawa-Shogune zusammen.

Die Tokugawa-Shogune kamen 1603 an die Macht und ordneten die japanische Gesellschaft in vier Teile. Auf der obersten Stufe standen die Krieger (samurai), während die Händler (machishu) ganz unten angesiedelt waren. Die Herrschaft der Tokugawa war charakterisiert durch eine Politik der Isolation, militärische Ordnung und einer starken Wirtschaft. Jede der vier gesellschaftlichen Klassen wohnte in einer eigenen Nachbarschaft in Edo und in jener, die den Händlern vorbehalten war, begannen Bordelle, Theater, Teehäuser und Sumo-Arenen zu florieren.

"Fließende Welt" (ukiyo) war der Begriff, mit dem man diese neue Gesellschaft des frühen 17. Jahrhunderts mit ihrer wachsenden Kunstszene, sündigen Vergnügen und städtischem Lebensgefühl bezeichnete. Auch wenn die Händler mit der untersten Stufe der vom Konfuzianismus geprägten Gesellschaft vorliebnehmen mussten, waren sie doch sehr reich und strebten danach, ihren finanziellen Erfolg durch den Erwerb von Kunst und den Besuch von Theatern und Teehäusern zu feiern. Frühe ukiyo-e-Werke stellten jene Elemente vor, die dieses Genre definierten: scharf umrissene Formen, bemalte Schriftrollen, ausgesuchte Farben und Darstellungen des zeitgenössischen Stadtlebens, vor allem schöne Kurtisanen.
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Im frühen 18. Jahrhundert verhalf der frühe ukiyo-e-Meister Okumura Masanobu den Farbdrucken zu größerer Popularität. Zu seinen bevorzugten Motiven zählten schöne Geishas, mutige Krieger und kabuki-Schauspieler. Das dramatische kabuki-Theater entstand ebenfalls im frühen 17. Jahrhundert und zeichnet sich durch übertriebenes Make-up, aufwendige Kostüme und eine oft bizarre Handlung aus. Im späten 18. Jahrhundert führte der Drucker Suzuki Harunobu die beliebte Kunstform des nishiki-e ("Brokat-Bilder") ein, bei denen es sich um vielfarbige Holzschnitte handelt, die auf dickes Papier gedruckt wurden und die für ihren dicken Farbauftrag gekannt waren.

Einer der erfolgreichsten Nachfolger von Haronobu war Utagawa Toyoharu, der Gründer der Utagawa Schule, der bedeutendsten Schule des ukiyo-e im 19. Jahrhundert. Der Fokus dieser Schule lag auf bjin-we (Bilder von Geishas und Kurtisanen) und uki-e (ukiyo-e-Bilder mit westlichem Einschlag). Die meisten heute erhaltenen ukiyo-e-Arbeiten stammen von der Schülern dieser Schule. Utagawa Toyoharu selbst konzentrierte sich vor allem auf die Darstellung von beleibten Touristenzielen und Landschaften, mit Einfluss der europäischen und der chinesischen Kunst. Sein Frühlingskonzert von ca. 1790 ist einer der teuersten ukiyo-e-Werke, die jemals versteigert wurden: 1991 erzielte es bei Sotheby's 178.277 Euro.

Im 19. Jahrhundert musste das ukiyo-e jedoch auf die Tenpo-Reformen von ca. 1830 reagieren, die gegen Ausschweifungen und Luxus gerichtet waren, und Darstellungen von Flora und Fauna wurden beliebt. In diesen Zeitraum fällt auch Hokusais Große Welle vor Kanagawa (ca. 1829-33), das bekannteste seiner Serie 36 Ansichten des Berges Fuji. Katsushika Hokusai war einer der besten ukiyo-e-Künstler, dessen Werk den Übergang von Darstellungen des lockeren Lebenswandels der Oberschicht zu Bildern des bäuerlichen Alltags und der Natur markierte.
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Zusammen mit Hiroshige, der für seine Landschafts- und Reiseserien gefeiert wurde, war Hokusai einer der großen Meister des ukiyo-e. Beide waren Schüler der Utagawa Schule. Während Hokusai realistischer vorging und mit scharfen Linien und reichen Farben arbeitete, konzentrierte sich Hiroshige darauf, sanfte, traumhafte Atmosphären mit einer weniger gesättigten Farbpalette zu schaffen.
Nach dem Tod der beiden ukiyo-e-Meister, veränderte sich die Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dramatisch und durch die Meiji-Reform kam es zu einer schnellen Verwestlichung und Industrialisierung des Landes. Um 1900 galt ukiyo-e als veraltet.

Kaum war das ukiyo-e in Japan auf dem Rückzug, wurde es auf internationaler Ebene populär. 1854 endete das seit 200 Jahren existierende Handelsmonopol mit den Niederlanden und Japan öffnete sich dem Rest der Welt. Der "Japonismus" verbreitete sich rasant und ukiyo-e wurde von Künstlern wie Vincent van Gogh, der Werke von Hiroshige kopierte, Claude Monet, James McNeill Whistler und Mary Cassatt gesammelt. Oft übernahmen diese Künstler Elemente dieses Stil für ihre eigenen Arbeiten: flache Formen, hervorgehobene Umrisse, weiche Farben, detaillierte Szenen und japanische Kalligrafie.
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Trotz des Rückgangs des ukiyo-e in Japan ist der Einfluss dieses Genre bis heute spürbar und macht sich vor allem in den Manga-Comicbüchern bemerkbar. Weltweit werden Werke des ukiyo-e in den bedeutendsten Museen ausgestellt, wodurch die Bedeutung dieser einflussreichen japanischen Kunstform gewürdigt wird.
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