Eugène Delacroix (1798-1863) stellte sich mit beispielloser Energie und für seine Zeit außergewöhnlichen Themen der Kritik, ohne jemals seine Stilideale zu ändern. Dennoch schaffte er es, in 40 Jahren einen Ruf zu etablieren, der so solide war, dass er Aufträge vom französischen Staat erhielt. Delacroix ist von allem für sein ikonisches Werk Die Freiheit führt das Volk, das im Louvre ausgestellt wird, bekannt und hat die Kunstgeschichte in vielerlei Hinsicht geprägt.
1. Géricault hatte großen Einfluss auf seine Kunst
Delacroix traf Théodore Géricault um 1815 das erste Mal, als er beim klassizistischen Maler Pierre-Narcisse Guérin studierte. Der um sieben Jahre ältere Géricauld beeindruckte ihn stark und hatte großen Einfluss auf seinen frühen Stil. Delacroix übernahm seine ausgeprägten Kontraste, scharfen Reliefs und sogar einige Farben, wie Preußischblau, verschiedene Brauntöne und Weißabstufungen.
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Mit dem Auftrag für das Altarbild La vierge du Sacré-Cœur (1821) für die Sankt Peter-Kathedrale in Nantes hatte sich das Innenministeriums ursprünglich an Géricault gewandt. Der war an dem Projekt jedoch nicht sehr interessiert und leitete es an Delacroix weiter, der in finanziellen Schwierigkeiten steckte und das Geld gut gebrauchen konnte.
2. Er malte intuitiv

Zu Delacroix' Zeiten spielte der handwerkliche Aspekt des Malens an den offiziellen Schulen nur eine untergeordnete Rolle. Wie die meisten seiner Zeitgenossen malte er intuitiv drauflos, was bisweilen katastrophale Folgen nach sich ziehen konnte: Die ursprünglichen Farben verblassten und auch deren subtile Verhältnisse zueinander blieben nicht erhalten. Auch taten sich Risse und Spalten auf, die auf Ungeduld oder die Nichteinhaltung der Trocknungszeiten zurückzuführen waren. All das veränderte Delacoix' Leinwandarbeiten mit der Zeit. So musste Der Tod des Sardapanal von 1827 bereits 1860 komplett restauriert werden. In seinem Tagebuch bekannte sich Delacroix zu seinem lähmenden Mangel an Wissen.
3. Er riskierte viel, um sich einen Namen zu machen
Mit der Absicht, sich einen Namen und seinen ständigen Geldsorgen ein Ende zu machen, entschied der damals 24-jährige Delacroix, beim Salon von 1822 ein Gemälde einzureichen. Nachdem er sich erst spät für ein Thema entschieden hatte (es war Mitte Januar und die Ausstellung sollte am 24. April beginnen), malte er im Eiltempo und verwendete Lacke, die die Trocknung der Farben beschleunigten, die Erhaltung der Leinwand jedoch beeinträchtigten. Das Gemälde, Die Dantebarke, zeigte eine Szene aus dem Inferno, in der Dante gemeinsam mit Vergil den Fluss Styx überquert. Der Staat kaufte das Werk für 2.000 Francs (Delacroix hatte 2.400 Francs gefordert). Die Kritik war heftig und vielseitig. Ein Juror des Salons, Étienne-Jean Delécluze, nannte es eine "wahrhaftige Kleckserei", während ein anderer, Antoine-Jean Gros, eine gewisse Meisterschaft darin erkannte und den Maler als "gezüchtigten Rubens" betitelte. Auch gewann Delacroix das Lob des jungen Journalisten Adolphe Thiers, der ihm eine große Zukunft voraussagte.
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Die Szene, die Delacroix gewählt hatte, war neu für die damalige Zeit, denn seine Zeitgenossen pflegten stets andere Episoden aus Dantes Werk zu wählen. Zudem führte er sie in einem Format aus, das normalerweise religiösen oder mythologischen Motiven vorbehalten war. Diese besondere Adaption eines literarischen Themas zeugte von der Originalität Delacroix', der von Anfang an beweisen wollte, dass er Komposition, Anatomie und Erzählung beherrschte. 1860 erhielt er die Genehmigung, Die Dantebarke eigenhändig zu restaurieren, da enorme Risse aufgetreten waren.
4. Die Freiheit führt das Volk war eine Wiedergutmachung
1827 erlebte Eugène Delacroix im Salon einen gewaltigen Misserfolg, als er dort Der Tod des Sardapanal (siehe oben) präsentierte, ein Gemälde, das von der Kritik einhellig abgelehnt wurde und das sogar seine engsten Freunde peinlich berührte, von denen nicht einer es öffentlich verteidigte. Bezeichnet als "Fehler eines Malers", "bizarres Werk" und "Skandal", gab es zahlreiche vernichtende Kommentare, die der Maler verständlicherweise so gar nicht schätzte. Das Gemälde war nach einem von Mai bis August 1825 dauernden Aufenthalt in England entstanden.

Daher versuchte er im Salon von 1831 seinen Ausrutscher wieder gutzumachen, indem er Die Freiheit führt das Volk einreichte, das die liberalen Ideale von König Louis Philippe I. repräsentierte. In einem auf den 28. Oktober 1830 datierten Brief an seinen Bruder Charles schrieb er: "Dank der harten Arbeit verflüchtigt sich meine schlechte Stimmung. Ich habe mich einem modernen Thema verschrieben – einer Barrikade. Wenn ich schon nicht für mein Land gekämpft habe, so will ich wenigsten für es malen". Delacroix, der es bereute, an der Juli-Revolution nicht teilgenommen zu haben, wollte die Menschen glorifizieren, die dafür gekämpft hatten, der Regentschaft von König Karl X. ein Ende zu bereiten. Der neue König, Louis Philippe I., sollte das Gemälde für 3.000 Francs kaufen, um es im Palais de Luxembourg auszustellen.
5. Er illustrierte große Literatur
Nach besagter Reise nach England im Jahr 1825 fertigte Delacroix Drucke an, die Szenen und Figuren aus Shakespeares Stücken zeigten. 1827 überzeugte ihn der Verleger Charles Motte, die erste französische Ausgabe von Goethes Faust zu illustrieren. Der Autor selbst offenbarte seine Begeisterung für die Arbeit Delacroix' in einem Brief an seinen Freund Johann Peter Eckermann, in dem er schrieb, der Künstler habe seine Szene vorzüglich in Kunst übersetzt.
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Am Ende seiner Karriere hatte Eugène Delacroix ein umfangreiches Œuvre geschaffen. Neben seinen Gemälden sind mehr als 6.000 Zeichnungen und Aquarelle bekannt sowie, gemäß Alfred Robaut, 24 Stiche und 109 Lithografien.
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Delacroix, der sich weder dem Sentimentalismus noch dem Exzess hingab, repräsentierte die Romantik in ihrer Individualität. Wie Baudelaire sagte: „Delacroix war leidenschaftlich in die Leidenschaft verliebt, aber kalt entschlossen, die Leidenschaft so klar wie möglich auszudrücken.“

