2018 war eine Statue des heiligen Drachentöters Georg aus dem 16. Jahrhundert im spanischen Estella Opfer einer überaus unsachgemäßen Restaurierung geworden. Das Ergebnis ließ das Publikum zwischen Lachen, Weinen und Wut schwanken, sah die Statue doch nun aus wie die Mischung aus "Playmobil" und "Tim & Struppi", wie es in den Medien hieß.

Beinahe tausend Stunden dauerte es, den angerichteten Schaden wieder rückgängig zu machen. Laut Carlos Martínez Álava, Leiter der Abteilung für das historische Erbe von Navarra, hat diese "Entrestaurierung" zwischen 32.000 und 33.000 Euro gekostet, was dem Dreifachen einer ordnungsgemäß durchgeführten Restaurierung entspricht.
Der Fall war nicht der erste in Spanien. Schon des Öfteren haben Amateure dort zu Pinsel und Farbe gegriffen. Berühmt wurde 2012 vor allem die katastrophale Restaurierung eines Ecce Homo-Gemäldes durch eine 80-jährige (siehe Link oben). Dieses Beispiel wurde auch sofort zum Vergleich herangezogen, nachdem sich im vergangenen Herbst im asturischen El Ranadoiro ähnlich Grauenhaftes abspielte: El Ranadoiro zählt gerade einmal 28 Einwohner, eine davon fühlte sich jedoch zur Künstlerin berufen, holte sich die Erlaubnis des Pfarrers, eine hölzerne Anna selbdritt aus dem 15. Jahrhundert ein wenig aufzufrischen, und legte los. Die Farbwahl von kräftigem Rot, Pink und Grün lässt sich im besten Fall als "ungewöhnlich" beschreiben.

Auch beim Heiligen Georg sorgte die Farbwahl im letzten Jahr für Stirnrunzeln. Zwar waren die Töne nicht so schreiend wie bei der Anna selbdritt, dennoch genauso unklug ausgewählt und aufgetragen. Hinzu kam der ausdruckslose Gesichtsausdruck des Heiligen, dem jedes zuvor sichtbare Detail fehlte.
Für die kostspielige Entrestaurierung machte sich das dafür angeheuerte Team zunächst auf die Suche nach alten Fotografien der Statue, anschließend wurde mit Hilfe von Röntgenstrahlen unter die Farbkatastrophe auf die ursprüngliche Bemalung geschaut.

Das Team musste sich auch mit tieferen Schäden auseinandersetzen, die durch den unsachgemäßen Umgang mit dem Kunstwerk entstanden waren. Da es sich bei der Skulptur um ein Stück regionale Geschichte handelt, wurde jedem Verantwortlichen von den Behörden ein Strafzahlung von 6.000 Euro auferlegt.
Das einzig Positive an dem Drama um den Heiligen Georg von Estella waren die vielen Touristen, die in den Ort strömten um die Katastrophe mit eigenen Augen zu sehen. Doch möchte man wirklich für so etwas berühmt sein?



