Ikonen und russische Kunst bei den Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf

Ende April bitten die Hargesheimer Kunstauktionen und "Mütterchen Russland" gemeinsam zur Auktion in Düsseldorf. An zwei Tagen werden hochqualitative russische Kunst und Kunsthandwerk sowie Ikonen aus Russland und Griechenland versteigert.

NIKOLAOS TZAFOURIS (1455 Candia/Kreta - 1501) zug. - Triptychon mit der Beweinung Christi (Grablegung), der Verkündung und ausgewählten Heiligen, Ende 15. Jh.
NIKOLAOS TZAFOURIS (1455 Candia/Kreta - 1501) zug. - Triptychon mit der Beweinung Christi (Grablegung), der Verkündung und ausgewählten Heiligen, Ende 15. Jh.

Die Auktion beginnt am 27. April um 12 Uhr mit der Versteigerung von russischem Kunsthandwerk, Gemälden, Bronzeikonen und liturgischem Gerät.

Links: Siebenteiliges Wodka-Set auf Presentoire, vergoldetes Silber, Cloisonné-Emaille, Sowjetunion, Leningrad, nach 1958 Rechts oben: Salzthron, Silber, Champlevé-Emaille, Moskau, Semen Kazakow, 1896-1908 Rechts unten: Zuckerschale, vergoldetes Silber, Cloisonné-Emaille, Russland, Moskau, Wassili Andreew, 1896-1908
Links: Siebenteiliges Wodka-Set auf Presentoire, vergoldetes Silber, Cloisonné-Emaille, Sowjetunion, Leningrad, nach 1958 Rechts oben: Salzthron, Silber, Champlevé-Emaille, Moskau, Semen Kazakow, 1896-1908 Rechts unten: Zuckerschale, vergoldetes Silber, Cloisonné-Emaille, Russland, Moskau, Wassili Andreew, 1896-1908

Emaille ist als schmückende Verzierung bereits seit Tausenden Jahren bekannt. In Europa findet sie seit dem Mittelalter als vielseitiges Dekor vermehrt  Verwendung. Auch in Russland hat Kunsthandwerk mit Emaille eine lange Tradition, die ihre Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert erlebte. Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich wieder auf die alten Formen und fertigte Kunsthandwerk nach altrussischem Vorbild an - allen voran Peter Carl Fabergé.

WASSILI JAKOWLEWITSCH GRATSCHEW (1831 Berestjanki - 1905 St. Petersburg) - Schlittentroika, Bronze auf Malachitsockel, Russland, St. Petersburg, Bronzegießerei K.F. Woerfel, 2. Hälfte 19. Jh.
WASSILI JAKOWLEWITSCH GRATSCHEW (1831 Berestjanki - 1905 St. Petersburg) - Schlittentroika, Bronze auf Malachitsockel, Russland, St. Petersburg, Bronzegießerei K.F. Woerfel, 2. Hälfte 19. Jh.

Nachdem sich Russland seit Peter I. und Katharina II. mehr und mehr dem Westen geöffnet hatte, erfasste 1812, nach Napoleons erfolglosem Eroberungsversuch, eine Welle des Patriotismus das Land, aus der das Wiederaufleben der altrussischen Traditionen resultierte. Auch in der Plastik schufen Künstler und Bronzegießereien am häufigsten Skulpturen, die russische Themen zum Inhalt hatten.

Russische Folklore lag bei den Traditionalisten an Newa und Moskva um 1900 also voll im Trend. Wie man nachfolgend sieht, wurde sogar bei der Silberverzierung einer Dokumentenmappe im damals hochmodernen Jugendstil nicht auf ein Element des russischen Volksglaubens verzichtet. Umkränzt von Pfau und Rosenblüten sind ein Krieger und ein Alkonost (Eisvogel) abgebildet.

Jugendstil-Dokumentenmappe, Silber, Halbedelstein-Cabochons, Emaille, Moskau 1922-29
Jugendstil-Dokumentenmappe, Silber, Halbedelstein-Cabochons, Emaille, Moskau 1922-29

Auch in der russischen Malerei waren um 1900 die unterschiedlichen Einflüsse zu spüren. Die Künstler der Russischen Avantgarde versuchten, die von Frankreich ausgehenden neuen Kunstströmungen und die traditionellen Elemente ihrer Heimat koexistieren zu lassen.

Links: FEDOT WASILIEWITSCH SYTSCHKOW (1870 Kotschelaewo/ bei Pensa - 1958 Saransk) - Mädchen mit blauem Tuch, Öl/Lwd., signiert Rechts: ILJA EFIMOVITSCH REPIN (1844 Tschugujew - 1930 Kuokkala/ Finnland) Umkreis - Portrait des Malers Alexander Muraschko (?), Kohle, Bleistift, Röteln/Papier, signiert
Links: FEDOT WASILIEWITSCH SYTSCHKOW (1870 Kotschelaewo/ bei Pensa - 1958 Saransk) - Mädchen mit blauem Tuch, Öl/Lwd., signiert Rechts: ILJA EFIMOVITSCH REPIN (1844 Tschugujew - 1930 Kuokkala/ Finnland) Umkreis - Portrait des Malers Alexander Muraschko (?), Kohle, Bleistift, Röteln/Papier, signiert

Zu den bekanntesten russischen Künstlern jener Zeit gehörte Ilja Repin, der ein Vertreter des Realismus war. Repin malte sowohl Motive aus der russischen Geschichte als auch aktuelle Themen. Viele junge Künstler jener Epoche besuchten seine Werkstatt, um sich fortzubilden. Zu diesen gehörte auch Fedot Sytschkow. Sytschkow malte bevorzugt eine oder zwei Personen vor ländlichem Hintergrund. In diesen Portraits ergänzen sich die abgebildeten Personen und der Hintergrund oder bilden einen Kontrast. Letzteres ist in den vielen Gemälden Sytschkows der Fall, in denen er junge Mädchen in leuchtenden Farben vor winterlicher Kulisse wiedergegeben hat (siehe oben).

KONSTANTIN ALEKSEEVICH KOROVIN 1861 Moskau - 1939 Paris (zug.) - Pariser Straßenszene, Öl/Lwd., bezeichnet und datiert, 1918
KONSTANTIN ALEKSEEVICH KOROVIN 1861 Moskau - 1939 Paris (zug.) - Pariser Straßenszene, Öl/Lwd., bezeichnet und datiert, 1918

Um 13:30 Uhr am selben Auktionstag folgt die Versteigerung von russischen und griechischen Ikonen. Die umfangreiche Auktion mit mehr als 1000 Losen wird am 28. April um 10 Uhr fortgesetzt.

NIKOLAOS TZAFOURIS (1455 Candia/Kreta - 1501) zug. - Triptychon mit der Beweinung Christi (Grablegung), der Verkündung und ausgewählten Heiligen, Ende 15. Jh.
NIKOLAOS TZAFOURIS (1455 Candia/Kreta - 1501) zug. - Triptychon mit der Beweinung Christi (Grablegung), der Verkündung und ausgewählten Heiligen, Ende 15. Jh.

Die Verehrung von Ikonen ist ein wichtiger Bestandteil des christlich-orthodoxen Glaubens im russischen und griechischen Einflussbereich, der auf byzantinische Traditionen zurückzuführen ist.

Ein bedeutender griechischer Ikonenmaler war Nikolaos Tzafouris, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Candia auf Kreta tätig war und der mehrere seiner Arbeiten signiert hat, was die Zuordnung anderer Ikonen ermöglicht. Zum stilistischen Vergleich mit dem vorliegenden Triptychon, das die Grablegung Christi zeigt, wurden zwei ähnliche Werke herangezogen, die sich heute in russischen Museen befinden.

Eine Besonderheit der Ikonenmalkunst stellt jene aus Äthiopien dar, wo sie auch heute noch nach alten Traditionen, die ihre Wurzeln im 15. Jahrhundert haben, ausgeführt wird. Die eher volkstümlich anmutende Malerei in bunten Farben und Figuren mit übergroßen Augen geht vermutlich auf ägyptische Vorbilder zurück. Ikonen mit Einzelbildern sind in Äthiopien eher selten zu finden. Weitaus geläufiger sind Triptychen.

Koptisches Triptychon mit der Gottesmutter, der Kreuzigung Christi, der Auferstehung und ausgewählten Heiligen, Äthiopien 17. Jh.
Koptisches Triptychon mit der Gottesmutter, der Kreuzigung Christi, der Auferstehung und ausgewählten Heiligen, Äthiopien 17. Jh.

Auch in Russland wird heute noch bzw. wieder die Kunst der Ikonenmalerei gelehrt. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches im Ersten Weltkrieg spielte die Kirche in der Sowjetunion keine Rolle mehr. Sie wurde durch die strikte Trennung von Kirche und Staat verboten, Geistliche und ihre Familien wurden aufs Massivste verfolgt.

Viele Ikonenmaler gingen ins Ausland, wo sie die Traditionen bewahrten, sodass diese Kunstform im heutigen Russland nach klassischen Vorbildern wieder gepflegt werden kann.

Links: Monumentale Ikone mit Christus "Das grimme Auge" mit sehr feinem Vermeil-Oklad, Russland, St. Petersburg 1818 (Oklad) Rechts: Monumentale Ikone mit der Geburt Christi, 2. Hälfte 20. Jh.
Links: Monumentale Ikone mit Christus "Das grimme Auge" mit sehr feinem Vermeil-Oklad, Russland, St. Petersburg 1818 (Oklad) Rechts: Monumentale Ikone mit der Geburt Christi, 2. Hälfte 20. Jh.

Die Ausstellung zu beiden Auktionen ist vom 21.-27. April für interessierte Besucher zugänglich. Einen Einblick in die aktuellen Kataloge der Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf erhalten Sie aber auch gleich hier bei Barnebys.

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