Rossella Tiadina, Witwe des früheren Direktors der Galleria Ricci Oddi Stefano Fugazza, wird verdächtigt, am Diebstahl eines Gemäldes von Gustav Klimt beteiligt gewesen zu sein. Klimts Portrait einer Dame von 1916/17 war vor 23 Jahren aus dem Museum gestohlen worden und im vergangenen Dezember im Garten der Institution wiederaufgetaucht. Das Haus der Verdächtigen wurde bereits nach Hinweisen durchsucht. Der Grund für den Verdacht lieferten einige persönliche Schriftstücke von Fugazza, die vor einigen Jahren in der Lokalzeitung Libertà und auf der BBC-Website veröffentlicht worden waren, und in denen Fugazza beschreibt, dass er darüber nachgedacht habe, als Werbegag für die Ausstellung Von Hayes bis Klimt im historischen Palazzo Gotico in Piacenza, einen Flaschen Diebstahl zu inszenieren.

In den nur noch als Fotokopien erhaltenen Dokumenten ist zu lesen: "Ich habe mich gefragt, was man tun könnte, um der Ausstellung eine durchschlagende Bekanntheit zu verleihen und ihr einen in Piacenza noch nie dagewesene Erfolg zu garantieren. Die exakte Idee war, den Klimt ganz bewusst kurz vor der Ausstellung zu entwenden (mein Gott, genau was dann auch geschah) und ihn dann während der Ausstellung wiederzufinden. In der Tat habe ich mich gefragt, was man tun müsse, um Missverständnisse und Ermittlungen zu vermeiden: man konsultiere einen Notar, hinterlege dort einen Brief, im dem die wahren Absichten der Inszenierung erläutert werden...".
Wie der Anwalt Tiadinas, Stefano Bontempo, verlauten ließ, ist die Existenz dieser Tagebuchseiten Fugazzos bereits vor Jahren bekannt geworden, als dessen Witwe sie an Max Paradiso, einem italienischen Journalisten, der damals für die BBC an einem Beitrag über den Diebstahl arbeitete, überließ.

Eine Person jedoch bestreitet hartnäckig die Beteiligung der Witwe: Valerio Beltrame, der sich im Januar schriftlich des Diebstahls für schuldig bekannt und erklärt hatte, die Rückgabe des Gemäldes sei sein Geschenk an die Stadt Piacenza: "Frau Fugazza hat nichts mit der Geschichte zu tun und ich bedaure, dass sie in die Geschichte hineingezogen wurde."
Ermanno Mariani, ein Reporter der Zeitung Libertà und Autor eines Buches über die Klimt-Affäre, gibt an, dass das Strafregister Beltrames, der Mitglied einer Verbrecherorganisation ist, bereits voll sei und er die "großzügige Rückgabe" des Gemäldes möglicherweise als positive Verhandlungsbasis nutzen möchte. Beltrame und sein mutmaßlicher Komplize (dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde) waren erst kürzlich wegen anderer Verbrechen zu 7 Jahren und 2 Monaten bzw. 4 Jahren und 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Inwieweit Beltrames Geschichte stimmen könnte, wird noch untersucht.
Wie man sieht, sind noch längst nicht alle Rätsel um das Portrait gelöst. Nach seinem Verschwinden im Jahr 1997, der mysteriösen Wiederentdeckung im Dezember 2019 und der Authentifizierung zu Beginn des Jahres 2020 ist der Verdacht gegen die Witwe des ehemaligen Museumsdirektors ein weiteres Teil in diesem sehr komplizierten Puzzle.
Alles zum Verschwinden und der Wiederentdeckung des Gemäldes können Sie hier nachlesen.




