Detektivarbeit: Gestohlener Picasso wieder aufgetaucht

Im März 2019 konnte Arthur Brand, der auch als Indiana Jones der Kunstwelt bezeichnet wird, Pablo Picassos Gemälde "Buste de Femme (Dora Maar)" aufspüren, das seit 20 Jahren vermisst wurde.

Arthur Brand mit Picassos "Buste de Femme (Dora Maar)" aus dem Jahr 1938 | Foto: Arthur Brand/Twitter
Arthur Brand mit Picassos "Buste de Femme (Dora Maar)" aus dem Jahr 1938 | Foto: Arthur Brand/Twitter

Im März 1999 wurde das Picasso-Gemälde Buste de Femme (Dora Maar) von der Yacht eines saudischen Scheichs gestohlen. Aufgrund von Renovierungsarbeiten lag die Yacht im Hafen des südfranzösischen Antibes vor Anker, als der Diebstahl geschah. Der Mann, der sich während der Arbeiten um die Aufbewahrung der teuren Kunstwerke auf der Yacht kümmern sollte, brachte den Picasso vom alarmgesichteten Wohnzimmer (in dem auch ein Werk von Matisse hing) in eine nicht geschützte Kabine. Als er fünf Tage später auf die Yacht zurückkehrte, war der Picasso verschwunden.

Irving Penn, Dora Maar | Foto: Widewalls
Irving Penn, Dora Maar | Foto: Widewalls

Das Gemälde aus dem Jahr 1938 zeigt die Fotografin Dora Maar, Picassos damalige Lebensgefährtin, im emblematischen kubistischen Stil des Künstlers mit malerischen Pinselstrichen und lebhaften Farben. Dora Maar lebte von 1936 bis 1946 an der Seite Picassos, den sie während seiner Arbeit an Guernica fotografiert hatte. Maar wurde die Muse des genialen Künstlers und Motiv für zahlreiche seiner Gemälde.

Man Ray, Ady Fidelin, Marie-Cuttoli, Man Ray, Picasso und Dora Maar, 1937 | Foto: ©Man Ray Trust ADAGP Paris and DACS London 2017
Man Ray, Ady Fidelin, Marie-Cuttoli, Man Ray, Picasso und Dora Maar, 1937 | Foto: ©Man Ray Trust ADAGP Paris and DACS London 2017

Die zehn Jahre währende Liaison war turbulent und von Abhängigkeiten geprägt. Maar wandte sich Picasso zuliebe der Malerei zu und wurde dennoch schließlich zugunsten der 21-jährigen Françoise Gilot abserviert. Dora Maar hatte danach immer wieder mit Depressionen und Zusammenbrüchen zu kämpfen, bevor sie 1997 im Alter von 89 Jahren in Paris starb.

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Das besagte Portrait befand sich bis zum Tod Pablo Picassos 1973 in seinem Besitz und wurde anschließend von der Pace Gallery in New York an den milliardenschweren Scheich für umgerechnet 4 Millionen Euro verkauft worden. Der heutige Wert beträgt rund 25 Millionen Euro.

Ein anderes Portrait, das Pablo Picasso 1938 von Dora Maar malte, wurde 2016 bei Christie's für 22 Millionen USD verkauft | Foto: Christie's
Ein anderes Portrait, das Pablo Picasso 1938 von Dora Maar malte, wurde 2016 bei Christie's für 22 Millionen USD verkauft | Foto: Christie's

Arthur Brand, der niederländische Detektiv, der das Gemälde nun wiederentdeckte, wurde schon mehrfach als der "Indiana Jones der Kunstwelt" bezeichnet. 2018 konnte er ein byzantinisches Mosaik des Heiligen Markus aus dem 6. Jahrhundert aufspüren, das in den 1970er Jahren aus einer Kirche in Zypern gestohlen worden war. Es befand sich im Besitz einer britischen Familie, die keine Ahnung von der kriminellen Herkunft hatte.

Arthur Brand mit dem wiederentdeckten byzantinischen Mosaik | Foto: BBC
Arthur Brand mit dem wiederentdeckten byzantinischen Mosaik | Foto: BBC

Seine Suche nach dem Picasso-Gemälde begann Brand im Jahr 2015, nachdem ihm zu Ohren gekommen war, dass es sich der niederländischen Unterwelt befinden sollte. Tatsächlich diente es als Versicherungsgut im zwielichtigen Drogen- und Waffenhandel.

Brand begann nun damit, seine weitreichenden Kontaktleute zum möglichen Verbleib des Gemäldes zu befragen. Anfang März 2019 erhielt er schließlich eine Antwort.

Der Repräsentant eines niederländischen Geschäftsmannes kontaktierte Brand und gab an, dass das Gemälde als Teil eines Zahlungsabkommens erworben worden sei. Der Kontaktmann brachte den in schwarze Plastiktüten verpackten Picasso zu Brand nach Amsterdam, der es, nach der Authentifizierung durch einen Experten der Pace Gallery, an eine Versicherung weiterreichte, die über die nächsten Schritte entscheiden soll. Der letzte Besitzer wird nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Arthur Brand mit Picassos "Buste de Femme (Dora Maar)" aus dem Jahr 1938 | Foto: Arthur Brand/Twitter
Arthur Brand mit Picassos "Buste de Femme (Dora Maar)" aus dem Jahr 1938 | Foto: Arthur Brand/Twitter

Es bleibt also abzuwarten, wohin es den wiederentdeckten Picasso als nächstes verschlägt und ob Brand eine Belohnung erhalten wird (nach dem Diebstahl war eine entsprechende Belohnung von 400.000 Euro ausgesetzt worden). Eine ganz persönliche Belohnung hatte sich Arthur Brand gegönnt, nachdem das Gemälde an ihn übergeben worden war, die er gegenüber der New York Times erzählte: "Meine Belohnung war einen Picasso für eine Nacht an meiner Wand zu haben. Ich kann ihnen sagen, es war großartig."

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