Im Œuvre des polnischen Malers und Bildhauers Jean Lambert-Rucki (1888-1967) finden sich Elemente des Kubismus, des Surrealismus und des Art déco. Seine ersten Schritte in Paris machte er an einem Morgen im Februar 1911, als er in der französischen Hauptstadt ankam und erstmal bei Freunden, die ebenfalls aus Polen stammten, unterkam. Er schreibt sich an der Académie Colarossi ein und besucht all jene Orte, an denen sich die Künstler-Avantgarde traf, um die Welt der Kunst zu revolutionieren. Er trifft wichtige Persönlichkeiten wie Blaise Cendrars und Max Jacob und bezieht schon bald zusammen mit Amedeo Modigliani ein Zimmer in der Rue de la Grande-Chaumière 8.
Lesen Sie auch: Tamara de Lempicka: Erinnerungen an die Années Folles
Während des Ersten Weltkriegs wurde er als Soldat der französischen Armee eingezogen. Doch auch dieses Zeit nutzte er zum Austausch mit Kollegen, genauer gesagt mit den beiden ungarischen Bildhauern Joseph Csaky und Gustave Miklos.

Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück, wo er seine Werke erfolgreich ausstellte und so viele Aufträge erhielt, die Interieurs und vor allem Kirchen, die während des Krieges zerstört oder beschädigt worden waren, umfassten.

1925 arbeitete Lambert-Rucki für die Exposition des Arts Décoratifs industriels et modernes mit Jean Dunand und Émile-Jacques Ruhlmann zusammen. Die Kollaboration zwischen Lambert-Rucki und Dunand brachte zudem einige der markantesten Objekte der Pariser Zwischenkriegsjahre hervor. Als Bewunderer seines polnischen Kollegen stellte Dunand diesem nicht nur seine Werkstatt zur Verfügung, sondern auch Lacke und andere Materialien, die Lambert-Rucki zur Gestaltung von Paravents, Sideboards und sogar Kaminverkleidungen benötigte.
Lesen Sie auch: Paris 1925: Triumph des Art déco

Ab 1930 wurde Lambert-Rucki zu einem der Pioniere der Art Sacré Moderne („Moderne Sakralkunst“), einer überwiegend sakralen Kunstform mit klaren Linien und schlichten Formen. Mit der Art Sacré Moderne gelang es ihm, sich mit minimalen Mitteln auszudrücken, was die damalige Geistlichkeit ansprach, die bei Lambert-Rucki mystische Werke in Auftrag gaben.

Stets unter Beibehaltung seines einzigartigen plastischen Ausdrucks interessierte er sich aber auch für andere Themen und schafft Skulpturen, die verschiedene Charaktere illustrieren, Gruppen aus schlanken Figuren und sich zärtlich umarmende Paare. Jede Kunstform, jede Ästhetik spricht ihn an. Sein Ziel war es, alles Unnötige durch sparsam eingesetzte Mittel und eine Vereinfachung der Formen zugunsten der reinen Emotion zu eliminieren.
Lesen Sie auch: 5 Dinge, die man über Le Corbusier wissen sollte

1931 trat er der Union des Artistes Modernes bei, wo er gemeinsam mit Charles-Édouard Jeanneret (Le Corbusier) und Jean Fouquet ausstellte. Im Jahr darauf wurde er französischer Staatsbürger. Trotz einer 1920 eingegangenen Ehe blieb Jean Lambert-Rucki Zeit seines Lebens ein Einzelgänger, der vor den Forderungen und Eitelkeiten der Welt flüchtete. Sein ganzes Streben bestand in dem unermüdlichen Drang, etwas Neues schaffen zu wollen.

