Tamara de Lempicka – geboren am 16. Mai 1898 als Tochter einer wohlhabenden und kultivierten Familie – verbrachte ihre Kindheit und Jugend zwischen ihrer Geburtsstadt Warschau, der Schweiz und Sankt Petersburg. 1914 zog sie in die Hauptstadt damaligen Zarenreiches, um sich zur Malerin ausbilden zu lassen.
Dort traf sie Graf Tadeusz Lempicki, einen Rechtsanwalt, den sie zwei Jahre später heiratete. Die Russische Revolution im Jahr 1917 zwang das junge Paar, ins Exil zu gehen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kopenhagen ließen sie sich schließlich in Paris nieder.

Wildes Paris
Unter der Obhut ihrer Cousins, die bereits seit einiger Zeit im Pariser Exil lebten, setzte Tamara ihre Malausbildung bei Maurice Denis an der Académie Ranson und bei André Lhote an der Académie de la Grande Chaumière fort, während sich ihre Beziehung zu ihrem Ehemann, der seine verlorenen Privilegien vermisste und nicht viel von Arbeit hielt, verschlechterte. Tamara de Lempicka entwickelte einen Stil, der vom Renaissance-Manierismus und von Kubismus inspiriert war und versinnbildlichte damit den Geist ihrer Ära. Ihr Motiv war die Pariser Bohème der Années Folles – eine Gesellschaft, in der reiche Geschäftsleute und der mehr oder weniger mittellose russische Adel mit Künstlern verkehrten, die nicht nur für ihre Kunst, sondern auch für ihre Exzentrik berühmt waren.
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1922 präsentierte Tamara de Lempicka im Salon d'Automne ein Porträt, das praktisch sofort zum Erfolg wurde, und im Jahr 1925 nahm sie an der Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes teil. In jenem Jahr reiste sie zudem nach Italien, wo sie bei einem früheren Aufenthalt Werke von Pontormo kopiert hatte.
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Weit davon entfernt, trotz ihrer gescheiterten Ehe, die 1928 geschieden wurde, ein Kind von Traurigkeit zu sein, hatte Tamara de Lempicka wechselnde Liebesaffären – sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Ihr gesellschaftliches Leben war in den 1920er Jahren ebenso reich wie ihr künstlerisches Schaffen. Sie selbst stellte sich als moderne und befreite junge Frau dar, die keinen Versuch unternahm, ihre Bisexualität zu verbergen. Stattdessen malte sie Frauen in verführerischen Posen und kultivierte ihren "Bubikopf".
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Lockruf aus Amerika
Nach ihrer Scheidung reiste Tamara de Lempicka 1929 zum ersten Mal nach New York, wo sie das Porträt der Verlobten des reichen Geschäftsmannes Rufus T. Bush, der sein Vermögen mit Öl verdient hatte, zu malen.
Der Besuch erwies sich als äußerst fruchtbar: Neben der Auftragsarbeit malte sie mehrere Bilder von den Wolkenkratzern des Big Apple in ihrem unverwechselbaren Stil. Während ihres Amerikaaufenthaltes wurden ihre Arbeiten im Carnegie Institute in Pittsburgh ausgestellt. Zurück in Europa wurden sie in gleich mehreren Pariser Galerien gezeigt. Zudem wurde die Künstlerin in ihrer Heimat Polen bei der Internationalen Kunstausstellung in Posen mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.

In Paris bezog Tamara de Lempicka ein Haus mit Atelier in der Rue Méchain im 14. Arrondissement und setzte zunächst ihr Leben als Art déco-Ikone fort, bis sie 1933 den schwerreichen österreichisch-ungarischen Baron Raoul Kuffner de Diószegh kennenlernte und schließlich heiratete. Die Vermählung bedeutete eine Veränderung ihres gesellschaftlichen Status' und sie wandte sich von ihrem wilden und so inspirierenden Lebensstil ab.
Vergessen und Erneuerung
Auf der Flucht vor dem Krieg emigrierte das Ehepaar 1939 in die Vereinigten Staaten, wo Tamara de Lempickas Gespür für Kommunikation und ihre Vorliebe für Raffinesse sich schnell etablierten. Ihre Werke wurden oft ausgestellt, besonders gefeiert wurde sie für ihre Porträts. Stilistisch wandte sie sich allmählich der Abstraktion zu.
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Tamara de Lempicka starb am 18. März 1980 im mexikanischen Cuernavaca, wo sie zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahren lebte. Ihre Tochter aus aus erster Ehe, Marie-Christine, genannt Kizette, verstreute die Asche der unerschrockenen und lebenshungrigen Künstlerin von der Spitze des Vulkans Popocatépetl.
Trotz ihrer Berühmtheit und der allgemeinen Bewunderung, die ihr vielerorts zuteil wurde, geriet Tamara de Lempicka nach dem Zweiten Weltkrieg ein wenig in Vergessenheit. Erst in den 1970er Jahren, als das Art déco wieder in Mode kam, wurden auch ihre Werke wiederentdeckt. Eine erste große Retrospektive fand 1972 in der Galerie du Luxembourg statt. Die Ausstellung trug enorm dazu bei, dass Tamara de Lempicka wieder ins Bewusstsein von Kritikern und Sammlern zurückkehrte.
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Ihr 1927 gemaltes Gemälde Le Rêve (Rafaëla sur font vert), das 2011 bei Sotheby's in New York für 7,67 Millionen Euro verkauft wurde, hielt sieben Jahre lang den Weltrekord der Künstlerin, bevor es im November 2018 von La Musicienne entthront wurde (9,1 Millionen US-Dollar). La tunique rose, ein weiteres Porträt ihrer Muse Rafaëla aus dem Jahr 1927, erzielte im November 2019 bei Sotheby's 12,1 Millionen Euro und brachte die Lempicka-Bewertung auf ein neues Niveau. Doch auch mit diesem Rekord war es schon bald wieder vorbei, als Portrait de Marjorie Ferry, das sich eine zeitlang im Besitz von Modedesigner Wolfgang Joop befunden hatte, im Februar 2020 bei Christie's 16,4 Millionen GBP erzielte.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 14. November 2018










