Knapp zwanzig Länder mit rund 15.000 Ausstellern waren mit ihren Pavillons, die zwischen der Esplanade des Invalides bis vor die Tore des Grand Palais an beiden Ufern der Seine aufgebaut worden waren, auf der "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes" vertreten. Die Weltausstellung war wiederholt verschoben worden; als sie endlich am 28. April 1925 ihre Tore öffnete, waren mehr als 4.000 Besucher zugegen. Rund 15 Millionen weitere folgten, und deren Meinung war positiv. Erst später mischten sich kritische Stimmen unter die Lobgesänge, die bemängelten, dass die Messe zu realitätsfern sei und die realistischen Avantgarde-Aussteller zu sehr in den Hintergrund gedrängt werden würden.

Von den 18 teilnehmenden Nationen waren die meisten europäisch, inklusive der noch jungen Sowjetrepublik. Aus politischen wie auch wirtschaftlichen Gründen war die nicht minder junge Weimarer Republik nicht dabei. Einen Hauch von Asien trugen China, Japan und die Türkei bei, während Afrika ein sehr von den dortigen französischen Kolonien geprägtes Bild abgab.
Ja, Paris hat lange auf diese Weltausstellung gewartet, denn zu jener Zeit hatten die Italiener in Sachen dekorative Künste die Nase vorn: 1902 hatte eine entsprechende Ausstellung in Turin stattgefunden, 1906 eine Mailand, zwei weitere in den frühen 1910er Jahren in Rom und erneut in Turin. Die 1901 gegründete Vereinigung französischer Innendekorateure wollte da natürlich mithalten und griff dafür die Vorgaben der Veranstalter auf der anderen Seite der Alpen auf, wonach nur "Originalwerke mit einer ausgeprägten Tendenz zur ästhetischen Erneuerung" akzeptiert werden durften, ausgenommen "Imitationen alter Stile und nicht inspirierter Industrieproduktionen".

Nach mehreren vergeblichen Anfragen, die nächste Ausstellung für moderne dekorative Kunst in Frankreich auszurichten, stieß man 1911 bei der Regierung nicht mehr länger auf taube Ohren. Gemeinsam mit dem Zentralverband der dekorativen Künste und der Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Industrie erreichte die Vereinigung französischer Innendekorateure, dass die nächste Weltausstellung 1915 in Paris stattfinden sollte. Es folgte eine erste Aufschiebung auf das Folgejahr, dann, wegen des Ersten Weltkriegs, eine weitere auf unbestimmte Zeit. 1922 wurden die Planung wieder aufgegriffen, und endlich, weitere zwei Jahre später, wurde die Veranstaltungszeitraum vom 28. April bis zum 25. Oktober 1925 festgelegt.
Die Pariser Ausstellung von 1925 reflektierte den harten Wettkampf zwischen dem Art déco und der internationalen Avantgarde. Das Art déco war noch vor dem Ersten Weltkrieg als Reaktion auf die organischen Formen des Jugendstils geboren worden und kehrte zu einer eher klassischen Architektur-, Dekorations- oder Möbelordnung zurück, die weitgehend von der Geometrie des Kubismus und der Symmetrie der Wiener Werkstätte inspiriert war.
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Obwohl gleichermaßen rational gesinnt, unterschied sich die Avantgarde vom Geist des Art déco durch ihre sozialere und funktionalere Herangehensweise an die dekorative und industrielle Kunst, inspiriert vom deutschen Bauhaus, was sich letztendlich auch durchsetzen wird. Ermöglicht wurde dieser Stil durch die ab den 1920er Jahren vor allem in den USA florierende Entwicklung neuer Bautechniken, bei denen Beton, Glas und Stahl eine übergeordnete Rolle spielten.
Doch 1925 konnte der internationale Stil seinen Siegeszug noch nicht antreten und musste die Bühne in Paris dem triumphalen Art déco überlassen. Dies wurde besonders anhand der Pavillons mit ihren ungezwungen-kühnen Formen zum Ausdruck gebracht, in denen die neuesten Trends in Sachen Einrichtung und Design ausgestellt wurden. Viel öffentliches Lob erhielt der vom Architekten Pierre Partout entworfene und vom Dekorateur und Designer Jacques-Émile Ruhlmann ausgestattete Pavillon du collectionneur ("Sammlerpavillon"). Ebenso erging es dem Pavillon de tourisme mit seinem markanten Turm von Architekt Robert Mallet-Stevens. Die Pavillons Österreichs (vertreten durch Josef Hoffmann), der Tschechoslowakei und den skandinavischen Ländern ließen bereits den endgültigen Durchbruch des geometrischen Art déco erahnen, der am Vorabend des Zweiten Weltkriegs seine Blütezeit erleben sollte.
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Der von der Vereinigung französischer Innendekorateure realisierte Pavillon, Pavillon d'une ambassade française ("Pavillon einer französischen Botschaft") genannt, fährt mit Stücken von Ruhlmann, Mallet-Stevens, Georges Chevalier, André Groult und Pierre Chareau auf. Ihre eigens für die Ausstellung entworfene Bibliothek wird später im Musée des arts décoratifs wieder aufgebaut, wo sie noch heute zu sehen ist. Der Bordeaux-Pavillon, angelegt vom lokalen Architekten Pierre Ferret, ist einer von vier Türmen, die die französischen Weine repräsentieren. Diese Pavillons gehören zu den beliebtesten auf der Veranstaltung.
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Zwischen Invalidendom und Grand Palais konnte man aber auch die Avantgarde entdecken, allen voran verkörpert durch den sowjetischen Pavillon, entworfen von Architekt Konstantin Melnikow, sowie dem Pavillon der Zeitschrift L'Esprit Nouveau, ein Entwurf von Le Corbusier und Pierre Jeanneret, die auf jedes überflüssige Dekor verzichteten, dafür aber auf Kunstwerke von Léger, Ozenfant und Picasso setzten. In gleicher Weise wurde auch der niederländische Pavillon, ein Projekt von Theo van Doesburg und der De Stijl-Bewegung, überarbeitet.
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Die "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes" von 1925 war ein wichtiges Schaufenster der Luxusbranche, vor allem der französischen, und trug erheblich dazu bei, den Art déco-Stil international zu verbreiten. Es dauerte ein wenig, nämlich bis 1966, bis die Ausstellung zum Namenspatron dieser Stilepoche wurde. Zeitgenossen des Art déco sprachen vom Style Moderne. Als wirklich modern sollte jedoch das in die Designgeschichte eingehen, das die Avantgarde mit ihrem Internationalen Stil auf der Ausstellung noch eher zaghaft präsentierte.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 31. Dezember 2019








