Im Frankreich des 18. Jahrhunderts gewann das Thema Inneneinrichtung und -dekoration zunehmend an Bedeutung. Der Adel und das aufstrebende Großbürgertum machte es sich in seinen Pariser Stadtpalästen gemütlich, wobei es unbedingt luxuriös zugehen musste. Dieser Luxus bestand aus mit aufwändigen Intarsien verzierten Möbeln, möglichst großen Spiegeln, feinen Seidenstoffen aus Lyon, Porzellan aus Sevrès, sowie exotischer Importware aus Fernost. Besonders gern gesehen waren Stücke mit dem gewissen Extra, doch an die heranzukommen war gar nicht so einfach.
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Das lag vor allem daran, dass das Handwerk in Frankreich genauso wie andernorts in Europa durch die Zünfte geregelt war, die bestimmten, dass kein Handwerker außerhalb des von ihm erlernten Handwerks tätig werden durfte und alles schön voneinander getrennt blieb. Ein Kunsttischler konnte also nicht so einfach mit einem Bronzegießer zusammenarbeiten, dazu bedurfte es einer Vermittlung. Und an diesem Punkt kamen die Marchands-merciers ins Spiel.

Das Metier der Marchands-merciers, was übersetzt etwa „Händler für Handelswaren“ bedeutet, war nicht so streng reglementiert wie es in den Zünften der Fall war, jedoch gab es auch für ihren Beruf ein Rahmenwerk, an das sie sich halten mussten, wie etwa eine dreijährige Ausbildungszeit. Wie die Berufsbezeichnung bereits erahnen lässt, waren die Marchands-merciers zunächst Händler, vor allem für Luxuswaren, darunter auch Importiertes. Im Laufe des 18. Jahrhunderts erweiterte sich ihr Berufsfeld jedoch dahingehend, dass sie auch als Dekorateure auftraten, die für Adel und Großbürgertum ganze Räume oder sogar Häuser einrichteten. Und sie waren in der Lage, besonders luxuriöse Sonderwünsche zu erfüllen, indem sie beispielsweise Möbelstücke anfertigen ließen, die dann mit vergoldeten Bronzebeschlägen, Porzellanplatten oder chinesischen Lackpaneelen verziert wurden. Auch wurde chinesische Importkeramik gerne mit vergoldeten Bronzemontierungen „made in France“ kombiniert.
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In Diderot und d’Alemberts Encyclopédie wurden die Marchands-merciers – eigentlich recht unschmeichelhaft – als „Verkäufer von allem, Hersteller von nichts“ beschrieben. Doch hatten sie durch ihre Arbeit großen Einfluss auf die Stilgeschichte des 18. Jahrhunderts und schufen sogar ganz neue Trendmöbel, wie etwa das Bonheur-du-jour, bei dem es sich um einen praktischen und meist aufwändig gestalteter Sekretär mit Aufsatz handelte, der zum absoluten Muss für jede Dame avancierte.
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Der Beruf des Marchand-mercier überlebte das Ende des Zunftsystems im Zuge der Französischen Revolution noch bis ins 19. Jahrhundert, wurde dann jedoch zunehmend von anderen Bezeichnungen wie Dekorateur und schließlich Innenarchitekt abgelöst.




