Ich denke an all die Bäume dieser Welt, die fliegenden Vögel, ihre Nester mit Eiern und verlassene Nester. In diesem Moment werde ich auch zu einem Baum, einem Vogel, einem Nest, einem Ei in dem Nest und zu einem verlassenen Nest.
Die ausgesprochen innovativen Arbeiten der slowakischen Künstlerin Mária Bartuszová haben gleichzeitig eine illusionistische und eine haptische Kraft, als wüssten sie, wie man gleichzeitig körperlich und ätherisch ist. Um Mariá Bartuszová besser kennenzulernen und ihre Arbeit live zu bewundern, haben Sie noch bis zum 25. Juni 2023 die Gelegenheit, die großartige Retrospektive in der Tate Modern in London zu besuchen, die einen vollständigen Überblick über Bartuszovás Vision und Werk bietet.

Geboren am 24. April 1936 in Prag, wurde Maria Bartuszová Mitglied im Klub der Konkretisten (Klub konkrétistů), der sich der Konkreten Kunst verschrieben hatte. Ihre Arbeiten, die in bedeutenden Museen und Galerien wie dem Centre Pompidou in Paris und dem Slowakischen Nationalmuseum in Bratislava aus gestellt werden, verkörpern die menschliche Angst und Zerbrechlichkeit.
Angezogen von der Spiritualität, liebte die Bartuszová die chinesische und die japanische Kultur, die östliche Philosophie und Sozialpsychologie. Obwohl sie unter einem totalitären Regime lebte und zu einer Zeit, die für Frauen nur wenige Möglichkeiten bereithielt, war es ihr Möglich, ein Erbe von rund 500 Skulpturen zu hinterlassen, von denen sie die meisten nach den einfachen runden Formen schuf, die sie in der Natur fand, darunter Samen, Wassertropfen und Eierschalen. Der Kontakt mit der Natur hatte generell einen therapeutischen Effekt auf die Bildhauerin, den sie durch ihre Arbeiten an den Betrachter weitergeben wollte. Berühmt ist ihr Snow Melting-Zylus, bei dem sie während des Erstarrungsprozesses natürliche Elemente wie Steine und Äste in die Gipsmasse einfügte.
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Obwohl sie auch mit Bronze und Aluminium experimentierte, bestehen die meisten Arbeiten Bartuszovás aus Gips, einem leicht formbaren, zarten und vergänglichen Material. Das Ergebnis sind Werke, die von Gefühlen der Zerbrechlichkeit, Vergänglichkeit und Unvollständigkeit durchdrungen sind, was den flüchtigen Zustand der menschlichen Existenz zu widerspiegeln scheint.

Maria Bartuszová liebte geschwungene Formen, die ihrer Meinung nach "organisch" waren und bei Berührung ein Gefühl der Wärme vermitteln können – ähnlich wie bei einer Liebkosung oder einer Umarmung. Des Weiteren galt ihr Interesse der Erkundung der Beziehung zwischen einem Objekt und seiner Umgebung. In Bezug auf ihre Kunst sagte sie: "Ich denke an all die Bäume dieser Welt, die fliegenden Vögel, ihre Nester mit Eiern und verlassene Nester. In diesem Moment werde ich auch zu einem Baum, einem Vogel, einem Nest, einem Ei in dem Nest und zu einem verlassenen Nest."
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In den frühen 1960er Jahren hatte sie beim Ballspielen mit ihrer kleinen Tochter einen Moment der Inspiration, der sie dazu veranlasste, Gummiballons in Verbindung mit der Schwerkraft zu verwenden, um völlig neue, organische, unregelmäßige und natürliche Formen zu schaffen. Diese Technik wurde "Gravistimulation" genannt und stellte einen Schlüsselmoment in ihrer kreativen Erfahrung dar.
Ab den 1980er Jahren war das Werk der slowakischen Künstlerin dann von der Verwendung der Technik des „pneumatischen Modellierens“ geprägt. Dies bestand darin, Luft in die Ballons zu blasen, um anschließend Kreide auf ihre Oberfläche zu gießen. Dadurch entstanden organische, ovoide Formen, wie ausgehöhlte Eier und Muscheln, die Bartuszová als „eine kleine Leere gefüllt mit einem kleinen unendlichen Universum“ beschrieb.
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Maria Bartuszovás Schöpfungen balancieren bisweilen auf der Linie zwischen Skulptur und Installation und bringen den Betrachter dazu, jedem Stück auf sensorische Weise zu begegnen. Oftmals wurden sie so konzipiert, um hochgehoben und berührt zu werden. Im Bewusstsein der Tatsache, dass das Sehvermögen bei Sehbehinderungen durch einen stark verbesserten Tastsinn ersetzt wird, versuchte Bartuszová, durch ihre Skulpturen ein emotionales Verhalten hervorzurufen, und schuf auch Objekte, die aus mehreren Teilen bestehen, die berührt und wie ein Puzzle zusammengesetzt werden können. Auch diese Objekte wurden auf innovative Weise eingesetzt, 1976 und 1983 in Workshops für blinde und sehbehinderte Kinder, die die Künstlerin zusammen mit dem Kunsthistoriker Gabriel Kladek leitete.
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Inspiriert wurde Bartuszová zudem von einigen der großen Namen des 20. Jahrhunderts, die sie sehr schätzte, darunter Constantin Brâncuși für die Perfektion der Form und Arbeitsphilosophie, Alberto Giacometti für das Zeitgefühl und die Vergänglichkeit des Menschen, Giorgio de Chirico für die Konzeption der zeitlichen Unbeweglichkeit und Lucio Fontana für die Einfachheit der Methode und seine elegante Verspieltheit. All diese Eigenschaften finden sich auch in den Werken von Bartuszová wieder, die im Biomorphismus ihrer Werke eine Beziehung zur Natur erreicht, die in manchen Fällen den Stil der Meister übertrifft.
Dieser außergewöhnlichen Künstlerin wurde zu Lebzeiten nicht die Anerkennung zuteil, die sie verdient hätte. Sie starb am 22. Dezember 1996 in Košice, Slowakei. Heute sind Maria Bartuszovás Kreationen jedoch auch dank wichtiger Ausstellungen wie der aktuellen in der Londoner Tate Modern immer mehr Menschen bekannt und von ihnen geschätzt, bei Sammlern sehr begehrt und in den Sammlungen bedeutender Museen auf der ganzen Welt vertreten.




