Jahrhundertelang standen Malerei und Plastik einander gegenüber, während sich ihre Vertreter und Kunstkenner stritten, welche der beiden Disziplinen denn nun die "edlere" wäre. Die Maler argumentierten, dass ihre Aufgabe eindeutig die schwierigere sei, da sie im Gegensatz zu den Bildhauern alles erst erfinden müssten, während ihre Konkurrenten auf bereits bestehendes Material zurückgreifen könnten, aus dem sie die darin befindliche Figur lediglich "befreien" müssten.
Eine der ersten Aussagen, die die Diskussion auslösten, stammte von Gian Lorenzo Bernini, einem italienischen Bildhauer des 17. Jahrhunderts, der der Académie Française gegenüber erwähnte, dass der Vorteil des Malers darin bestünde, dass er während des kreativen Prozesses des Malens lernen und korrigieren könne. Das Gemälde sei dann das Ergebnis von alldem.
Der Bildhauer hingegen müsse bei einer ursprünglichen Idee bleiben und hätte keine Gelegenheit zur Korrektur. Somit sei eine Skulptur eine Dokumentation dessen, was der Bildhauer bereits vorher erlebt hätte. Andere Bildhauer ergänzten, dass die Skulptur deshalb die größere Errungenschaft sei, da sie viel komplexer wäre und man sie zudem aus allen Blickwinkeln betrachten könne. Eine Skulptur anzufertigen erfordere durch die durch das Medium auferlegten Einschränkungen wesentlich mehr Geschick und Disziplin, als die Erschaffung eines flachen Gemäldes.
Heute herrscht wesentlich mehr Toleranz und der Streit ist weitestgehend beigelegt. Die Skulptur bereichert die Kunstgeschichte und den Auktionsmarkt gleichermaßen und hat vielen Künstlern die Gelegenheit gegeben, sich durch sie individuell auszudrücken und zu weiterzuentwickeln. In den letzten zehn Jahren wurden auch im Bereich der Plastik auf dem Auktionsmarkt jede Menge neuer Spitzenpreise erzielt, wodurch diese Kunstgattung die Rangliste der teuersten Kunstwerke der Geschichte gehörig erweitert hat.
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10. Constantin Brâncuși, La muse endormie

Platz 10 belegt der 1909 geschaffene und 1913 vergoldete Kopf der Schlafenden Muse des rumänisch-französischen Künstlers Constantin Brâncuși, die bei einer Auktion von Christie's im Mai 2017 für 57,4 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte. Die Bronze ist eine der ersten ovalen Skulpturen, die Brâncuși anfertigte und mit denen er sich deutlich vom damals aufkommenden Kubismus und dessen fragmentierenden und entstellenden Konzept unterschied. Brâncuși ließ sich lieber von der reinen Form eines Eis und dessen "unnachahmlicher visueller Poesie" inspirieren, womit er sich auf seine eigene künstlerische Reise begab und seine eigene plastische Sprache fand.
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9. Jeff Koons, Balloon Dog (Orange)

Im Jahr 2013 präsentierte Christie's Balloon Dog (Orange), eine monumentale Skulptur aus poliertem Edelstahl von Jeff Koons. Der berühmte Hund stammt aus einer Serie von fünf großformatigen Skulpturen in verschiedenen Farben. Die Arbeit wurde von einem privaten Sammler für atemberaubende 58,4 Millionen US-Dollar erworben, wodurch Koons zum teuersten noch lebenden Künstler der Welt wurde.
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8. Amedeo Modigliani, Tête

Diese Steinskulptur belegt Platz 7 unserer Liste, nachdem sie 2014 bei Christie's 70,7 Millionen US-Dollar erzielen konnte. Die meisten Werke Amedeo Modiglianis befinden sich heute in den Ausstellungsräumen diverser Museen. Das Auktionshaus gab an, das es sich bei Tête von 1910-12 tatsächlich um eine der letzten dieser delikaten Skulpturen Modiglianis handelte, die sich in Privatbesitz befand. Der steinerne Kopf vereint alle Eigenschaften des italienischen Künstlers, die dessen Kreationen so einzigartig machen: Eine Annäherung an die Virtuosität der italienischen Renaissance, gepaart mit Einflüssen afrikanischer Masken und den Moais der Osterinseln.
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7. Constantin Brâncuși, La jeune fille sophistiquée (portrait de Nancy Cunard)

Kehren wir zu Constantin Brâncuși zurück, der im Mai 2018 mit La jeune fille sophistiquée (portrait de Nancy Cunard) seinen bisherigen Rekord, der ein Jahr zuvor aufgestellt wurde, übertrumpfen konnte. Diese einzigartige Arbeit aus polierter Bronze stammt aus dem Jahr 1932 und fand bei Christie's einen Käufer, der 71 Millionen US-Dollar dafür bezahlte. Brâncușis Inspirationsquelle war eine legendäre Persönlichkeit der Goldenen Zwanziger, Reederei-Erbin Nancy Cunard, die als Dichterin, Verlegerin und Kämpferin gegen Rassismus von sich reden machte. Dieses unkonventionelle Portrait präsentiert eine Vielzahl von Kontrasten: Grade Linien vermischen sich mit Kurven, glatte Flächen verwirbeln, gekrümmte Formen schrumpfen plötzlich. Der Künstler wollte Cunards elegante Persönlichkeit festhalten, ohne auf eine traditionelle Bildsprache zurückzugreifen.
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6. Alberto Giacometti, Le Nez

Einer der jüngsten Neuzugänge dieser Liste wurde im November 2021 als Teil der Macklowe Collection bei Sotheby's versteigert, die insgesamt 676,1 Millionen USD erzielte. 78,4 Millionen US-Dollar entfielen davon auf die aus Bronze, Stahl und Eisen gefertigte Skulptur Le Nez von Alberto Giacometti, die nach Mark Rothkos No. 7 zum zweitteuersten Los der Auktion wurde. Insgesamt schuf Giacometti acht Exemplare der Skulptur, von denen sich drei in Privatbesitz befinden. Das ist auch nach der Auktion bei Sotheby's so geblieben, denn Käufer von Le Nez war der chinesische Krypto-Milliardär Justin Sun.
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5. Jeff Koons, Rabbit

Wie oben bereits zu lesen war, wurde Jeff Koons 2013 durch die Versteigerung seines Balloon Dog (Orange) zum teuersten lebenden Künstler. Den Titel musste er 2018 jedoch an David Hockney abtreten – nur um ihn im Jahr darauf bereits zurückzuerobern. Und zwar mit einem stählernen Hasen. Rabbit von 1986 kam im Mai 2019 bei Christie's als Teil der Sammlung des verstorbenen Verlegers Si Newhouse junior unter den Hammer. Schon vor der Auktion wurde gemunkelt, dass es einen neuen Rekord geben könnte. Dem war dann auch so, als Rabbit für rund 91 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte.
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4. Alberto Giacometti, Chariot

Mit Chariot von Alberto Giacometti nähern wir uns nun der Spitze dieses Rankings. Von der New Yorker Galerie Pierre Matisse wurde die 145 cm hohe Skulptur als eine von Giacomettis wichtigsten Bronzen bezeichnet – eine Ansicht, die von vielen geteilt wird, was 2014 bei Sotheby's zum dritthöchsten Betrag führte, der bis dahin jemals für eine Skulptur bezahlt wurde: 101 Millionen US-Dollar. Der Künstler selbst erklärte, dass ihm das Bild des Wagens in einem Traum erschien, wie ein automatisches Bild, das von seinem Unterbewusstsein erzeugt worden war. Ursprung dieses "Traumbildes" war ein reales Erlebnis im Jahr 1938, als sich Giacometti im Krankenhaus von einem Unfall erholte. Dort konnte er die Krankenschwestern beobachten, die mit kleinen Glöckchen versehene "Apothekenwagen" vor sich herschoben.
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3. Alberto Giacometti, L’Homme qui marche I

Das 1961 entstandene Meisterwerk Giacomettis, der lebensgroße Homme qui marche I, gilt als eines der ikonischsten Werke der modernen Kunst, was seinen 2010 bei Sotheby's erzielten Preis von 104,3 Millionen US-Dollar erklärt. Gezahlt wurde die gigantische Summe von der prominenten brasilianischen Philanthropin Lily Safra. Die in ihrer Bewegung eingefangene Figur eines überschlanken Mannes wirkt bescheiden und ist gleichzeitig ein starkes Symbol der Menschheit an sich. Die Skulptur zierte, zusammen mit dem Porträt ihres Erschaffers, die 100 Franken-Note der ab 1995 ausgegebenen achten Serie des Schweizer Zahlungsmittels.
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2. Constantin Brâncuși, Danaïde

Bis zum 18. Mai 2026 war Constantin Brâncușis Danaïde das fünftteuerste Kunstwerk des rumänischen Künstlers, das jemals versteigert wurde. Als es 2002 für 18.159.500 US-Dollar den Besitzer wechselte, bedeutete das sogar einen neuen Rekord für Brâncușis. Bei seiner erneuten Versteigerung am oben genannten Tag erzielte atemberaubende 107.585.000 US-Dollar und ist damit nun das teuerste Werk Brâncușis, das jemals versteigert wurde. Diese enorme Preissteigerung liegt zum einen in Brâncușis großer Bedeutung für die moderne Kunst begründet. Auch ist die vorliegende Version seiner Danaïde die einzige in Privatbesitz. Bei diesem handelte es sich von 2002 bis 2026 um den von S.I. Newhouse bzw. dessen Erben. Newhouse' Privatsammlung ist eine der bedeutendsten des 20./21. Jahrhunderts.
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1. Alberto Giacometti, L’Homme au doigt

Zum vierten und letzten Mal betritt nun Alberto Giacometti diese Bühne, was ihn – wenig überraschend – zum teuersten Bildhauer der Auktionsgeschichte macht. Im Mai 2015 brach L’Homme au doigt alle bisherigen Rekorde und wurde bei Christie's für umgerechnet 141,3 Millionen US-Dollar versteigert. Heute ist die Skulptur eines der teuersten Kunstwerke, das bei einer Auktion den Besitzer wechselte. Die Bronze von 1947 drückt Dominanz und Vertrauen aus, zieht ihre Betrachter in ihren Bann und bringt sie dazu, in die Ferne zu blicken. Giacomettis Vision war es, die Idee der Skulptur neu zu erfinden, mit den Konventionen zu brechen und seiner eigenen Version der Realität Ausdruck zu verleihen.
"1945 habe ich geschworen, dass ich meine Figuren nicht kleiner werden zu lassen, nicht einmal einen Zentimeter. Aber heute und hier ist etwas passiert: Ich konnte ihre Größe beibehalten, aber sie wurden schmal, schmal, groß ... und dünn wie ein roter Faden. Du spürst dein Gewicht nicht. Ich wollte diese Leichtigkeit nachbilden, und so schuf ich diese feinen Körper." - Alberto Giacometti
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 25. November 2020




