Marilyn Monroe gehört zu den meistfotografierten Menschen überhaupt. Ihr Filmstudio setzte sie für glamouröse Werbeaufnahmen in Szene, Paparazzi verfolgten sie auch in ihren dunkelsten Stunden und viele der berühmtesten Fotografen jener Zeit zeigten sich beeindruckt von ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung. Auch heute noch ziert Marilyns Konterfei die unterschiedlichsten Objekte und ihre Fotos erzielen hohe Preise auf dem Auktionsmarkt. 10 ihrer schönsten Fotos, die in den letzten Jahren versteigert wurden, haben wir einmal zusammengestellt.

Marilyn Monroe liebte die Kamera und die Kamera liebte Marilyn Monroe. Die Rede ist hierbei von der Fotokamera und nicht von der Filmkamera, vor der zu bewegen und vor allem zu sprechen (als Kind hatte sie stark gestottert) ihr oft Probleme bereitete, auch wenn das Ergebnis am Ende immer umwerfend war. Stets hielt sie ihr schauspielerisches Talent für nicht ausreichend, was in ihrer chronischen Unpünktlichkeit, die Regisseure und Kollegen an den Filmsets zur Verzweiflung trieb, zum Ausdruck kam. Dazu beigetragen hat sicherlich die Tatsache, dass sei aufgrund ihres sensationellen Äußeren von den Filmstudios zur ultimativen Sexbombe geformt wurde, die zwar schön, aber auch ganz schön dumm ist.

Um dagegen anzukämpfen, war Marilyn eine begeisterte Leserin, die sich auch wiederholt bei ihrer eifrigen Lektüre ablichten ließ. Ungewöhnlich für die damalige Zeit, in der eine Frau selten als intellektuell betrachtet werden wollte und sollte.

Die ersten professionellen Aufnahmen wurden 1944 von der 18-jährigen Marilyn, die damals Norma Jeane Dougherty hieß und in erster Ehe verheiratet war, gemacht. Während ihr Mann James im Zweiten Weltkrieg kämpfte, arbeitete Norma Jeane in einer Rüstungsfabrik. Für das Militär-Magazin Yank wurde sie – hübsch zurechtgemacht – bei ihrer Arbeit abgelichtet. Ein Jahr später wurde sie von einer Modelagentur in Hollywood unter Vertrag genommen.
Lesen Sie auch: Die faszinierende Welt des Sammelns berühmter Haare

Marilyn Monroe, wie sich die mittlerweile geschiedene Norma Jeane bald nannte, hatte das Spiel mit der Kamera schon bald verinnerlicht. Sie wusste, wie sie sich schminken musste und welches Licht ihr am meisten schmeichelte. Sie informierte sich über die menschliche Anatomie und Muskulatur und hielt sich mit leichtem Krafttraining fit. Auch suchte sie nach Ende einer Fotosession zielsicher die Aufnahmen aus, die ihr gefielen und die veröffentlicht werden sollten. Nach ihrem Tod warf der eine oder andere Fotograf Marilyns Auswahl über Bord und veröffentlichte die von ihr abgelehnten Aufnahmen trotzdem. Dazu zählen auch jene Bilder aus dem berühmten Last Sitting mit Bert Stern, die sie mit rotem Nagellack durchgestrichen hatte.

Die vielen Fotografen, mit denen sie im Laufe ihres Lebens zusammenarbeitete, lobten sie für ihre Professionalität vor der Kamera. Marilyn war sich ihrer Wirkung bewusst und wusste, wie sie sie für ein gelungenes Foto richtig einsetzen musste. Für die Kamera und das öffentliche Auge präsentierte sie sich meist als die Kunstfigur, die sie geschaffen hatte: Marilyn Monroe. Über dieses Phänomen sagte der Fotograf Laszlo Willinger: „Wenn sie eine Kamera sah, blühte sie regelrecht auf und war wie verwandelt. Kaum war die Foto-Session zu Ende, fiel sie wieder in ihre normale, nicht sonderlich interessante Haltung zurück.“

Dieses Phänomen beobachtete auch Richard Avedon, der Marilyn im Mai 1957 in New York fotografierte. Nachdem sie stundenlang in ihrem „Marilyn-Kostüm“ posiert und mit der Kamera geflirtet hatte, fiel sie praktisch in sich zusammen. Nachdem er sie um Erlaubnis gefragt hatte, machte Avedon diese Aufnahme einer desillusionierten Leinwandgöttin.
Lesen Sie auch: Die 11 teuersten Fotografen der Auktionsgeschichte
Wie wenig sorgen sich Marilyn über ihr angeborenes schauspielerisches Talent machen musste, zeigen nicht zuletzt diese Aufnahmen, die Ben Ross im November 1953 von ihr machte. Leger gekleidet, brauchte Marilyn nur ihr atemberaubendes Gesicht, dem sie wie auf Knopfdruck die jeweils gewünschte Emotion abverlangen konnte.

Der wichtigste Fotograf im Leben Marilyns war Milton Greene, den sie 1953 kennengelernt hatte, als er sie für ein Magazin fotografieren sollte. Es entwickelte sich eine echte Freundschaft zwischen den beiden und Greene unterstützte Marilyn bei ihrem Versuch, sich aus ihrem sklavischen Vertrag mit der Twentieth Century Fox zu befreien, durch den sie immer wieder für Rollen besetzt wurde, die sie als blondes Dummchen zeigten. Marilyn kehrte Hollywood den Rücken und ging nach New York. Sie wohnte im Haus von Milton und Amy Greene in Connecticut und gemeinsam mit dem Fotografen gründete sie Marilyn Monroe Productions – ein visionärer Schritt für eine Schauspielerin der damaligen Zeit.

Marilyn nutzte die Zeit in New York, in der sie es genoss, unerkannt durch die Straßen zu spazieren, um ihr Schauspiel zu verbessern. Obwohl bereits ein Weltstar, drückte sie noch einmal die Schulbank und besuchte das Actors Studio von Lee Strasberg, der das Method Acting unterrichtete, für das Schauspieler für ihre Darstellung auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen sollen. Für ein Naturtalent wie Marilyn, die von Natur aus aber auch sehr unsicher war, vielleicht nicht unbedingt die geeignetste Methode.

Nachdem sie ihr Filmstudio unter Druck gesetzt hatte, kehrte Marilyn im Triumph nach Hollywood zurück und erhielt künftig bessere Rollen. Mit Milton verwirklichte sie nur ein einziges gemeinsames Filmprojekt, danach kühlte ihre Beziehung ab, bis es schließlich zum endgültigen Bruch kam. Milton Greene fotografierte Marilyn im Laufe ihrer Freundschaft in verschiedenen Fotostrecken. Als die beste gemeinsame Arbeit gilt das Black Sitting, das Anfang des Jahres 1956 entstand.

Zur gleichen Zeit entstand auch dieses Foto, das Marilyn selbst ihr liebstes Foto von sich nannte und für ihre Autogrammkarten verwendete. Gemacht wurde die Aufnahme von Fotograf Cecil Beaton, der sich, wie die meisten seiner Kollegen, von Marilyns Natürlichkeit und Wandelbarkeit, vor der Kamera beeindruckt zeigte.
Marilyn erhielt einen Abzug der Aufnahme von Regisseur Joshua Logan, mit dem sie Bus Stop gedreht hatte, geschenkt. Gerahmt war es in ein Triptychon, das links und rechts die aufgeschriebenen Erinnerungen Beatons an die Fotosession mit Marilyn erhielt, die folgendermaßen endeten: „Vielleicht ist sie kurz nach dem Krieg geboren worden, als wir sie brauchten. Vermutlich weiß sie nichts von der Vergangenheit. Wie Undine von Giraudoux ist sie erst fünfzehn, und sie wird niemals sterben.“










