1984 flog Jane Birkin von Paris nach London. Begleitet wurde sie von ihrer zwei Jahre alten Tochter Lou, die aus Birkins Beziehung mit dem französischen Regisseur Jacques Doillon, dem Nachfolger Serge Gainsbourgh, stammte. Die in England geborene Birkin war eine bekannte Schauspielerin, die den französischen Bohémien-Stil der scheinbar mühelosen Raffinesse perfekt verkörperte. Ein fransiger Pony, Jeans, eine blau-weiß gestreiftes Shirt und ein Hauch von Make-up machten ihren ikonischen Look aus. Doch auch für eine Jane Birkin war das Reisen mit einem kleinen Kind ein schwieriges Unterfangen und sie begann sich bei ihrem Sitznachbarn darüber auszulassen, dass ihre neue Handtaschen nicht genügend Platz bot für alle Dinge, die sie benötigte. Während sie redete, verrutschten ihre Papiere und Notizen und Dokumente verstreuten sich überall.
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Doch war Birkins Sitznachbar nicht bloß irgendein Mitreisender. Er war Jean-Louis Dumas, Präsident des französischen Modehauses Hermès, das seine Familie im Jahr 1837 gegründet hatte. Dumas nutzte die Gelegenheit und versprach Birkin, nur für sie eine Tasche zu designen, die viel Stauraum bot und komfortabel war, aber gleichzeitig auch elegant und trendy sein sollte.
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Kurz darauf wurde die versprochene Tasche geliefert, die auf einem früheren Design von 1900 basierte. Der Name des neuen Modell war Birkin. Seit ihrer Lancierung hat sich die Birkin Bag zur ultimativen "It Bag" entwickelt, die die Aufmerksamkeit jeder Fashionista auf sich zieht. Birkin selbst bemerkte, dass der Ruhm der Tasche den ihrigen weit übertroffen habe und sie zu einem echten Symbol für Luxus und einem von Hollywood, den Königshäusern und vielen anderen geliebten Accessoire geworden ist. Die Birkin Bag ist zu einer kulturellen Referenz geworden, die in Serien wie Sex and the City, Die Sopranos und Gossip Girl erwähnt wird.
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Gemäß Hermès sollte die Birkin so getragen werden, dass beide Henkel in einer Armbeuge ruhen. Das Vorhängeschloss, das die beiden Seitengurte hält, ist vor allem ein Designelement; tatsächlich ist es im Geiste unbeschwerter französischer Eleganz vorzuziehen, es offen zu lassen. Die Birkin gilt als „Alltagstasche“, im Gegensatz zur Kelly Bag, die, inspiriert von Fürstin Grace Kelly, eine strukturiertere und formellere Form hat.
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Erhältlich in Rinds-, Straußen- und Kalbsleder, wird die Birkin in verschiedenen Größen hergestellt, von 25 bis 40 cm. Die typische Farbe ist das ikonische Hermès-Orange, welches aus einer Notwendigkeit heraus entstanden war: Während des Krieges waren die sonst für die Koffer verwendeten Beigetöne nicht mehr zu bekommen, weshalb Émile-Maurice Hermès auf Orange zurückgriff. Er konnte nicht wissen, dass dieser Farbton zum Markenzeichen seines Hauses werden sollte. Heute ist die Auswahl nicht so eingeschränkt und die Birkin kann in allen Farben des Regenbogens bestellt werden.
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Seit ihrer Lancierung kann die Birkin einen stetigen Aufwärtstrends ihres Wertes verbuchen, sowohl in den Läden, wo die Preise pro Jahr um 8-12% gestiegen sind, als auch auf dem Sekundärmarkt, wo sich der Durchschnittspreis innerhalb von zehn Jahren verdreifacht hat. Dies ist vor allem dem Mangel an Taschen geschuldet, denn die Nachfrage ist weit höher als das Angebot. Jede Birkin wird noch immer von Fachleuten von Hand hergestellt und die Fertigstellung dauert 18 Stunden.
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Die teuerste Birkin, die jemals versteigert wurde, war eine weiße Himalaya Birkin 35 aus Krokodilleder mit Hardware aus Weißgold und Diamanten, die 2020 bei Christie's in Hongkong 3 Millionen HKD (384.000 US-Dollar bzw. 330.000 Euro) erzielte. Die Kroko-Himalaya-Birkins sind die seltensten und hochpreisigsten. Viele Versionen wechseln auf dem Auktionsmarkt für mehr als 300.000 US-Dollar den Besitzer.

