Die (Hand-)Tasche kann auf eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht, zurückblicken. Die mittelalterliche Tasche unterschied sich jedoch sehr von der, die wir heute kennen.

Das Mittelalter
Im frühen Mittelalter war die Damenhandtasche noch in weiter Ferne. Wie Grabfunde belegen trug beispielsweise die Westgermanin Utensilien des täglichen Bedarfs an langen Ketten, die wiederum an einem Taillengürtel befestigt waren. Diese Gürtelgehänge bestanden aus Dingen wie Schere, Messer und Kamm. Oft kamen auch Ziergegenstände und Amulette hinzu, die – je nach sozialer Stellung der Frau – an einem separaten Gürtelgehänge getragen werden konnten. Auch Männer verfügten über solche Gürtelgehänge, die jedoch im weiteren Verlauf des Mittelalters gegen Beuteltaschen eingetauscht wurden. Im Spätmittelalter folgten Frauen schließlich diesem Beispiel.
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18. Jahrhundert
Während Männer im Laufe der Zeit im Alltag auf Beutel oder Taschen zu verzichten begannen, begannen Frauen, ihre Taschen unter der Kleidung zu tragen. Grund dafür war die Veränderung der Damenmode. Das im Europa des 18. Jahrhunderts am häufigsten getragene Ensemble war die Robe à la française, die aus Rock und Manteau, einer Art vorne offenem Mantelkleid, bestand. Hinzu kam der vorne am Mieder befestigte Stecker, der ab ca. 1770 einer am Manteau befestigten (und praktischeren) Alternative weichen musste.
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Die nun flachen Taschen wurden zwischen Manteau und Rock befestigt oder auf letzteren aufgenäht. Durch Schlitze im Mantelkleid hatte die Dame von oben einfachen Zugang zu ihren mitgeführten Dingen.
19. Jahrhundert
Um 1800 änderte sich die Kleiderform vom ausladenden Reifrockgewand zum schlichten Hemdkleid im antiken Stil, was eine vom Kleid unabhängige Art der Handtasche erforderlich machte. Damen trugen nun beutelförmige Täschchen mit Zugband am Handgelenk, die Réticule, Ridicule oder auch Pompadour genannt wurden, wobei der Grund für die Benennung nach der königlichen Mätresse noch immer rätselhaft ist.

Die Gestaltung dieser Täschchen war vielfältig und durfte gern exotisch sein. Der letzte Schrei in Paris waren Réticules in Form einer Ananas. Die Frucht wurde unter anderem von der Karibikinsel Martinique, Heimat von Napoleons erster Frau Joséphine Beauharnais, nach Frankreich importiert.
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Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Metallrahmen erfunden, der kurz darauf die Erfindung des Schnappverschlusses folgte. Die Grundform der Taschen war zwar noch immer die eines Beutels, die Weichen in Richtung kastenförmiger Taschen waren damit jedoch gelegt.

Besonders chic waren Taschen, die aufwändig bestickt waren, z.B. mit Blumenmustern und Perlen. Ebenso gab es Modelle, die ganz aus geflochtenen Metallfäden bestanden. Insgesamt kamen durch die vielen Innovationen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch bei der Taschenherstellung vermehrt unterschiedliche Materialien zum Einsatz.
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20. Jahrhundert
Um 1900 ging keine Dame mehr ohne ihre Handtasche aus dem Haus. Noch immer wurden sie an kurzen Riemen oder Ketten am Handgelenk oder in der Hand getragen. In den 1920er Jahren kam zudem ein Modell für das abendliche Vergnügen auf, die gänzlich ohne Trageriemen auskam: die Clutch.

Eine besonders kostbare Variante davon war die vom Juwelier Van Cleef & Arpels erfundene Minaudière, die eher einem Schmuckstück glich.
Als modisches Accessoire waren alle damals geläufigen Handtaschenmodelle zwar schön aber unpraktisch, da der Frau durch sie immer nur eine freie Hand zur Verfügung stand. Wollte sie sich etwas genauer anschauen, musste sie ihre Tasche abstellen, was an öffentlichen Plätzen nicht selten zum Verlust der Tasche führte.

Eine, die diesen Nachteil bemerkte, war natürlich die praktisch denkende Coco Chanel. Ihr schwebte eine elegante Tasche vor, die an einer langen Kette über der Schulter getragen werden konnte. Als Vorbild dienten ihr jene, natürlich gröber gestaltete Taschen der Soldaten im Ersten Weltkrieg. Es dauerte jedoch bis in die 1950er Jahre, bis Chanel ihren Plan in die Tat umsetzte: Im Februar 1955 brachte sie das wegweisende und nach diesem Datum benannte Modell 2.55 auf den Markt. Als Schulterriemen der 2.55 diente eine lange Kette aus Metallgliedern. Für das Kettendesign des Schulterriemens lies sich Coco Chanel von ihrer eigenen Vergangenheit inspirieren: Als sie zwölf Jahre alt war, kam sie in ein Waisenhaus. Die Nonnen, die das Waisenhaus führten, trugen ihre Schlüssel an eben solchen Ketten, womit sich der Kreis zu den Gürtelgehängen des Frühmittelalters schließt!
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Die Innovation Coco Chanels war sozusagen der letzte Schritt auf dem Weg zu der großen Vielfalt des heutigen Taschendesigns, dem keine Grenzen gesetzt sind – sei es bei der Form oder dem verwendeten Material.

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Die Handtasche hat sich im Laufe ihrer reichen und vielfältigen Geschichte zu weit mehr als nur einem praktischen Accessoire entwickelt. Sie ist zu einem Symbol für Stil, Status und persönlichem Ausdruck geworden. Von den funktionellen Ketten des Mittelalters über die revolutionäre 2.55-Tasche von Coco Chanel bis hin zu den endlosen Variationen von Design und Materialien von heute zeigt die Handtasche eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit an die Trends der Zeit und die Bedürfnisse der Frauen.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 28. Juni 2019










