Der 83-jährige Milliardär Jaime Botín von der spanischen Bankierfamilie Botín, die die Santander Group leitet, wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt und einer Geldstrafe von 52,4 Millionen Euro wegen „Schmuggels von Kulturgütern“ verurteilt.
2012 wollte Botín Christie's in London mit Verkauf des Picasso-Gemäldes Tête de jeune femme beauftragen, das damals auf 26,2 Millionen Euro geschätzt wurde. Die spanische Regierung lehnte es jedoch ab, für das Werk, das als Nationalschatz eingestuft wurde, eine Ausfuhrgenehmigung zu erteilen.
2015 bat Botín seinen Chauffeur, das Gemälde von Madrid nach Valencia zu fahren, wo seine Yacht Adix im Hafen lag und kurze Zeit später Richtung Korsika in See stechen sollte. Im Juli desselben Jahres wurde das Werk bei einer Durchsuchung der Yacht von den Behörden beschlagnahmt. Auf einer vom Kapitän zusammengestellten Liste der sich an Bord befindenden Kunstwerke war es nicht aufgeführt. Botín hatte damals geplant, das Gemälde mit seinem Privatjet von Korsika nach Genf zu bringen, um es doch noch zu verkaufen.

Zum Auftakt des Prozesses im November 2019 forderte die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung des Gemäldes und der Adix, eine Geldstrafe in Höhe von 100 Millionen Euro sowie eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.
Laut der Website von El Confidencial erklärte die Verteidigung von Botín, die von Javier Gómez Bermúdez (ehemaliger Richter des Nationalen Gerichtshofes) beaufsichtigt wurde, dass das Gemälde bis auf wenige Gelegenheiten, wie die Heirat der Tochter von Botín im Jahr 2003 und als es gerahmt wurde, kaum jemals in Spanien war. Er fügte hinzu, dass Botín beabsichtige, Tête de jeune femme nach Genf zu bringen, um es zu behalten, und nicht, um es zu versteigern.
Am 16. Januar 2020 verurteilte das Gericht in Madrid Jaime Botín schließlich zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, einer Geldstrafe von 52,4 Millionen Euro (also den doppelten Betrag des Schätzpreises von 2012) und der Zahlung der Gerichtskosten. Außerdem wird das Gemälde von Pablo Picasso zugunsten des spanischen Staates weiterhin beschlagnahmt. "Obwohl sich der Angeklagte über das Ausfuhrverbot der Behörden im klaren war, ließ er es auf seine in Valencia liegende Yacht bringen, um es aus Spanien zu exportieren", äußerte sich Richterin Elena Raquel González Bayón.

Das spanische Recht schreibt vor, dass Kunstwerke, die älter als 100 Jahre sind und als kulturell bedeutend gelten, als Nationalschatz deklariert werden können. Jeder Eigentümer muss eine Genehmigung einholen, bevor er eine solche Arbeit außer Landes bringen darf.
Pablo Picasso malte Tête de jeune femme um 1906 als er Mitte zwanzig war und sich in seiner Gósol-Periode befand. Jaime Botín erwarb das Gemälde 1977 in London. Seit nunmehr vier Jahren, seit seiner Beschlagnahmung, befindet es sich in der Sammlung des Reina Sofia-Museums in Madrid. Und dort wird es bleiben, bis die Behörden über sein zukünftiges Zuhause entschieden haben.




