"Ich konnte es nicht wirklich glauben", erinnert sich Auktionatorin Madeleine Guéry vom Auktionshaus Guéry in Rouen. Eigentlich sollte sie nur das Inventar im Haus einer Frau begutachten, deren Mann, ein leidenschaftlicher Schnäppchenjäger, kurz zuvor verstorben war. Die Expertin war noch nicht auf etwas nennenswertes gestoßen, als sie an einer Zeichenmappe vorbeikam. Die Besitzerin gab an, dass ihr Mann ihr gesagt hatte, darin würde er die "guten Sachen aufbewahren".
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Verborgen unter einigen wertlosen Zeichnungen entdeckte Guéry zwei Zeichnungen aus dem Jahr 1910, die Henri Matinee signiert und Dr. Léon Vassaux gewidmet hatte. Die Authentizität der beiden Arbeiten konnte nicht nur von Expertenseite bestätigt werden, auch der Enkel des Künstlers, Georges Matisse, bestätigte die freundschaftliche Verbindung zwischen seinem Großvater und Dr. Vassaux. Die beiden Männer pflegten eindeutig eine lange und erfolgreiche Freundschaft, denn Matisse widmete Vassaux 1937 sogar ein Buch.
Beide Zeichnungen offenbaren die bislang unbekannte humorvolle Seite des Künstlers. In einer der beiden Arbeiten hat Matisse sich sogar selbst dargestellt, was der Zeichnung eine noch persönlichere Dimension verleiht.
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Der verstorbene Ehemann der Eigentümerin hatte die Zeichnungen auf einer Auktion erworben, in einem Los, das ein Bücherregal und besagte Zeichenmappe umfasste. Nach Angaben seiner Frau hatte er die Zeichnungen zwar als Arbeiten von Matisse identifiziert, sie jedoch nie von einem Experten Authentifizieren lassen.
AM 13. Dezember kamen die beiden Zeichnungen nun zum ersten Mal unter den Hammer. "Allgemein werden Zeichnungen von Matisse um die 10.000 Euro gehandelt, bei Aktzeichnungen geht es bei 30.000 Euro los", erklärte die Auktionatorin gegenüber der Lokalzeitung Paris-Normandie. Da die Arbeiten jedoch ein wenig unter zu hoher Luftfeuchtigkeit gelitten hatten, wurde der Schätzpreis jeweils auf 2.000-3.000 Euro festgelegt. Erzielt wurden schließlich 10.500 Euro für die Zeichnung, die beide Männer zeigt, und 3.600 Euro für die Skizze mit Dr. Vassaux und einer Patientin.
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