Im Jahr 2005 wurde ein einfaches, aber auffälliges Reklameschild für unglaubliche 28.000 GBP in den Canterbury Auction Rooms in Kent verkauft: ein internationaler Rekord. Für Kenner ist das BP Winner Sign einer der „Heiligen Grale“ unter den sammelwürdigen Emailleschildern. Es zeigt einen herabsausenden Rennwagen und zierte in den 1920er Jahren gewiss die Wand einer Werkstatt oder Tankstelle, um Werbung für British Petroleum zu machen. Es überrascht nicht, dass im heutigen Medienzeitalter, derartige Schilder und Plakate obsessive Sammler anziehen. Und die Preise steigen.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die meisten Menschen Analphabeten. Folglich musste Werbung einen Handel oder ein Handwerk visuell darstellen, oft mit Objekten, die außerhalb der Läden aufgestellt wurden: Die rot-weiß gestreifte Stange des Barbiers oder die amerikanische Ureinwohner darstellenden Holzfiguren der Tabakhändler sind zwei typische Beispiele. Als sich im späten 19. Jahrhundert das Bildungswesen jedoch verbesserte und die Alphabetisierungsrate anstieg, wurden beschriftete Schilder immer üblicher.
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1889 gründete Benjamin Baugh mit der Patent Enamel Company in Selly Oak, Birmingham, England, die erste Fabrik, die sich der Herstellung von emaillierten Eisenschildern widmete. Die West Midlands verfügten zu jenem Zeitpunkt bereits über eine lange Geschichte der Emailleproduktion: Im 18. Jahrhundert war die Stadt Bilston in der Nähe von Wolverhampton für ihre wunderschönen emaillierten Schnupftabakdosen, Kerzenleuchter und dekorativen Schmuck bekannt, und Baugh hatte bereits 1859 seine neue Technik patentieren lassen. Vitreous Enamel (auch als „Glasemaille“ bekannt) wird durch das Aufschmelzen von Glaspulver auf gewalztem Eisen hergestellt. Die Langlebigkeit und Witterungsbeständigkeit von Emaille war ein erheblicher Vorteil für die Nutzung in einer industriellen und verschmutzten Umgebung. Die Schilder mussten möglichst lange halten.

Bald folgten weitere lokale Fabriken Baughs Vorbild. Dazu gehörten The Chromographic Enamel Company, Imperial Enamel in Birmingham, Stocal Enamals in Burton, JA Jordan in Bilston und die Falkirk Iron Company.
Auf dem aktuellen Markt schätzen Innenarchitekten antike und Vintage-Reklameschilder für ihren stylischen Industrielook. Auch existiert ein florierender Handel mit Werbeschildern für Speisen und Getränke, die oft von Gastronomen gekauft werden. 2021 wurde ein entzückendes Emailleschild für Fremlin’s Ales mit einem dekorativen Zirkuselefanten für 2.500 GBP bei G. W. Railwayana Auctions verkauft. Bis vor Kurzem war das außergewöhnliche Schild noch an Großbritanniens Straßen zu sehen, bis die steigenden Auktionspreise es zu einem attraktiven Ziel für Diebe gemacht hatten.

Es ist der nostalgische Reiz, der die Preise bestimmt. Ein weiterer „Heiliger Gral“ sind die Schilder für die Samen von Webb’s in Stourbridge. Ein seltenes Exemplar in länglicher Form (und in schönem Zustand), verziert mit Blumenkohl, Kartoffeln und Karotten, wurde – wieder bei G. W. Railwayana Auctions – für 12.700 GBP verkauft. Überschneidet sich die Thematik mit einem anderen Sammelgebiet, wirkt sich das auf die Preise aus: beispielsweise sprechen Automobilschilder auch den zahlungskräftigen Oldtimer-Liebhaber an. Seltenheit und Zustand bestimmen darüberhinaus den Wert. Auf die Optik kommt es an und wer ganz besonders fanatisch ist, baut vielleicht eine Werkstatt aus den 1920er Jahren, eine edwardianische Apotheke oder einen Süsswarenladen aus den 1950er Jahren nach.
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Sammler mit einem weniger umfangreichen Budget stehen die gewöhnlicheren – aber immer noch ansprechenden – Schilder zur Verfügung, deren Preise zwischen 200 und 300 GBP liegen. Themen sind hier meist Seife, Tabak, Schokolade und Streichhölzer.
Doch wie überall, wo eine hohe Nachfrage besteht, treten auch Betrüger auf den Plan. Fälschungen gibt es im Überfluss, insbesondere online. „Es ist schwierig, echtes Alter vorzutäuschen“, sagt Stephanie Connell, Auktionatorin, Gutachterin und Moderatorin der BBC-Sendung Bargain Hunt – sehr zur Beruhigung von neuen Sammlern. Reproduktionen von Emailleschildern sind computergeneriert, es fehlen die gebrannten Schichten aus echtem Glasemaille. Gefälschte Schilder sind oft absichtlich an den Kanten abgebrochen, es fehlen jedoch die verräterischen Anzeichen von echtem Rost.

Auch neu aussehende Nieten in Reproduktionen können einen Hinweis sein. Authentische Schilder weisen ein ungleichmäßiges Verblassen und Abnutzungserscheinungen auf – insbesondere die Beschriftung, die mit dünnerer Farbe aufgetragen wurde. Vor den 1950er Jahren emaillierten Hersteller ihre Schilder auf Stahl statt auf Aluminium, daher sollte ein echtes Schild einen Magneten anziehen. Und wie bei einem Gemälde, sagt die Rückseite oft mehr aus als die Vorderseite und könnte das Schild beispielsweise als Werbegeschenk ausweisen.

In den 1920er Jahren verbreiteten sich Emailleschilder in den Straßen Großbritanniens. Das Wachstum der Automobilindustrie bedeutete eine Beschleunigung des Lebens – mit Werbung, die für einen flüchtigen Blick aus einem Auto, Taxis oder Bus gedacht war. Unweigerlich kam es zu einer Gegenreaktion. Mit einem offenen Ohr für die öffentliche Meinung ging die Shell Oil Company die Sache auf raffinierte Weise an, indem sie sich stattdessen auf eine Serie von Plakaten konzentrierte, die an den Seiten und Rückseiten von Lastwagen angebracht wurden, die Kraftstoff an Werkstätten und Zapfsäulen am Straßenrand lieferten.
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Diese Shell-Poster lassen sich ganz wunderbar sammeln. Jack Beddington, der einfallsreiche Werbeleiter von Shell-Mex-BP, gab eine Reihe von lithografischen Werbeplakaten bei aufstrebenden und führenden Künstlern der damaligen Zeit in Auftrag, darunter Ben Nicholson, Graham Sutherland, Rex Whistler und Richard Guyatt. Frank Dobsons bemerkenswertes Poster von 1933 zeigt den in Dorset-Kreide geschnittenen Cerne Abbas Giant und Cathleen Manns Poster aus demselben Jahr zeigt das Gothick-Mausoleum aus dem 18. Jahrhundert in West Wycombe in Buckinghamshire.

Die Preise variieren von Poster zu Poster. Richard Guyatts eindrucksvolles Plakat eines Rennfahrers erzielte 2021 bei Lyon & Turnbull 1.400 GBP und Richard Buhlers Kriegsplakat eines Hawker Hurricane-Kampfflugzeugs brachte 2019 bei den Canterbury Auction Galleries 900 GBP ein. Paul Nashs Rye Marshes-Poster von 1932 wurde 1969 nachgedruckt. Diese spätere Version kann immer noch relativ günstig auf dem Auktionsmarkt ersteigert werden – in gutem Zustand etwa in der Größenordnung von 200 GBP. Anders sieht es mit den Originalplakaten von 1932 aus: hier erzielte ein Exemplar, trotz einger Fehlstellen und Stockflecken, bei den Swann Galleries in New York 1.430 USD.

Die Plakate von Shell warben nicht nur für den Verkauf von Benzin an sich, sondern führten dem Stadtbewohner vor Augen, welche Vorteile das Autofahren hatte: Wochenendausflüge aufs Land, zu Teestuben und Antiquitätenläden in malerischen Marktflecken. In den Vereinigten Staaten war die Coca-Cola Company in Atlanta ein ähnlicher Meister der Eigenwerbung, ein Early Adopter des Marken-Merchandising und Namensgeber für eine Reihe von Artikeln, darunter Thermometer, Kalender, Spiegel und Uhren. Coca-Cola war auch für die berühmte Weihnachtswerbekampagne mit dem Weihnachtsmann in rotem Outfit und weißem Bart verantwortlich, die 1931 gestartet und vor einigen Jahren wiederbelebt wurde.
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Doch wie bei den Schildern aus dem goldenen Zeitalter des Automobils überschneidet sich auch diese Art der Werbung tendenziell mit anderen Sammelgebieten. Die seltene Figur eines Caddys mit Golfballkopf von Silver King aus dem Jahr 1910 erzielte bei einer Spezialauktion von Mullock’s 4.400 GBP – ein Preis, der zweifellos seine Anziehungskraft auf Golffans und Reklamesammler widerspiegelt.

Eine weitere Golffigur von Silver King aus den 1920er Jahren wurde 2009 bei Bonhams für 6.000 GBP verkauft. Ebenso dürften Zeppelin-Enthusiasten den Goodyear Blimp aus den 1930er Jahren zu schätzen wissen – ein großformatiges bemaltes Balsaholzmodell des Goodyear-Luftschiffs, das ursprünglich in den Schaufenstern von Werkstätten als Werbemittel für Goodyear-Reifen ausgestellt worden war.
Verpackungsdesign ist ein weiteres faszinierendes – und erschwingliches – Sammelgebiet. Man blättere nur durch eine vergilbte Ausgabe des Daily Mirror aus dem frühen 20. Jahrhundert, um überrascht festzustellen, das sie Anzeigen von Marken enthält, die auch heute noch beliebt sind: Bovril, Cadbury's, Oxo, Pear's Soap, Mansion Polish, Bird's Custard und H. P. Sauce. „Echte alte Verpackungen sind selten“, sagt Stephanie Connell, „sie waren nicht dafür gedacht, aufbewahrt oder geschätzt werden. So viele schöne Designs wurden weggeworfen.“ Der verstorbene Londoner Antiquitätenhändler Stephen Long war ein besessener Hamsterer, der alte Dosen, Schachteln und Verpackungen aus ausrangierten Kartons rettete, die für den Transport von Antiquitäten verwendet wurden.
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Obwohl selten, sind antike Verpackungen überraschend günstig. Sammlerstücke tauchen oft bei Hausräumungen und -verkäufen auf. Im Jahr 2019 verkauften die Auktionatoren von Hansons eine entzückende Sammlung viktorianischer Verpackungen für 170 GBP – der Schätzpreis hatte bei 50-60 GBP gelegen. Unter den Verpackungen befand sich auch eine Cadbury's Assorted Chocolate Box, die auf ihrem Deckel ein Mädchen im weißen Kleid in einer Hängematte zeigt. In den späten 1970er Jahren griff die Werbeagentur von Cadbury’s das Thema für einen Fernsehwerbespot wieder auf.
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Sammler antiker Verpackungen sollten sich das Museum of Brands im Londoner Stadtteil Notting Hill nicht entgehen lassen – ein heiliger Tempel der Geschichte der antiken und Vintage-Werbung. Das Museum entstand durch eine Idee des Konsumhistorikers – und selbsternannten „Supermarktarchäologen“ – Robert Opie und beherbergt 12.000 Exponate aus 150 Jahren Konsumgesellschaft. Robert Opies erster Kauf war eine intakte Packung des Schokoladenkonfekts Munchies, die er aus einem Automaten in Inverness gezogen hatte. Die Dauerausstellung The Time Tunnel zeichnet die Geschichte des Konsums seit der viktorianischen Epoche nach und stellt beliebte Marken in einen historischen Kontext – verändert durch die Erfindung der Eisenbahn, des Automobils und des Flugzeugs, des Kinos, Radios und Fernsehens.

In unserer Wegwerfgesellschaft ist das Museum ein wichtiger Ort der Dokumentation von Dingen, die sonst für immer verloren gewesen wären. Ihr grafisches Design spiegelt ihre jeweilige Welt wieder und auch die Welt, in der wir leben. Die Vergangenheit zu kennen heißt, die Gegenwart zu verstehen.



