Mit der Ausstellung The Studio – Merci Matisse gewährt die Galerie des Auktionshauses Tajan Einblicke in eine weitere Facette der zeitgenössischen Kunst und widmet sich der aktuellen figurativen Malerei.
Henri Matisse bedarf keiner längeren Vorstellung: Der geniale Künstler revolutionierte mit seiner Verwendung von Farben und Formen die Malerei über Jahrzehnte hinweg. Die aktuelle Ausstellung bei Tajan – The Gallery bietet nun die Gelegenheit, das Erbe seiner Arbeit in den Schöpfungen der beiden jungen französischen Künstler Garance Matton und Pierre Bellot aufgegriffen zu sehen.
Pierre Bellot ist Absolvent der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Er bevorzugt eine begrenzte Farbpalette und arbeitet mit Schattierungen und Kontrasten. Wie Matisse definiert er Formen durch reine Farben. Seine Quellen sind Fotografien, sein persönliches Archiv und Erfahrungen, die er in eine neue Richtung lenkt. Die Ausstellung ist die perfekte Gelegenheit, diese persönliche und kreativ umgesetzte Aneignung zu entdecken.

In L'Atelier Interieur haben wir eine Tafel vor uns, die mit diesen Bildern und Ideen bestückt ist, die den Künstler inspirierten. Bestimmte Elemente tauchen in seiner Arbeit immer wieder auf, was an die Nachbildung der Wand in André Bretons Atelier im Centre Pompidou erinnert.

Room ist ein moderneres Bild, das wie die dreidimensionale Modellierung eines Innenraums auf einer zweidimensionalen Leinwand erscheint. Bellot spielt mit dem Raum und versetzt die an Matisse angelehnten klaren Farben in eine Atmosphäre des 21. Jahrhunderts.

Auch in Le Salon stoßen wir auf Spuren von Matisse, für den das Motiv des Fensters sehr wichtig war. Hier scheinen die Leinwand und die mit Gesichtern gesäumten Wände auf mysteriöse Weise ihre Rollen getauscht zu haben.

Schließlich fuhr Bellot in Composition dans l’atelier mit der Umsetzung seines inneren Universums fort, indem er vollendete und unvollendete Arbeiten, Inspirationen und Arbeitsmaterial vereinte. Wie auch bei Matisse spüren wir die Bedeutung des Ateliers für den Maler – ein Aspekt, der uns bei Garance Matton wieder begegnen wird.
Garance Matton schloss ihr Kunststudium in Paris mit einem Diplom ab. In ihrer Malerei vereint sie Stiel, Referenzen und Epochen und mit einem Blick lassen sich die Dialoge identifizieren, die sie mit ihren Vorgängern geführt hat: Fra Angelico, Giorgio de Chirico, René Magritte, Hans Arp oder in jüngerer Zeit Eduardo Arroyo und vor allem David Hockney. In der Ausstellung in The Gallery stehen jedoch jene Arbeiten im Fokus, die an den unschlagbaren Henri Matisse erinnern, mit dem Matton die gleiche Liebe zur Farbe und leuchtenden Klarheit teilt.

Unter den ausgestellten Werken befindet sich L'Atelier à Poush, ein großes Doppelporträt, das die Künstlerin in ihrem Atelier zeigt. Gekleidet in einen Overall, lehnt sie im Türrahmen und blickt den Betrachter direkt an. Die akribischen Details verhindern nicht die Synthese der Inszenierung, in der jedes Detail seinen Platz hat. Clever komponiert, ist dieses Gemälde wie ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt.

Diese Idee setzt Garance Matton in The Studio fort, wo das Arrangement an die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico erinnert, indem die Szene mit der Perspektive spielt und die greifbare Realität ignoriert. Fast einem Traum gleich wird das Werk zu einem nicht zu entziffernden Geheimnis, das beim Betrachter den rätselhaften Surrealismus eines René Magritte in Erinnerung ruft.

Und schließlich haben wir mit The Game ein akribisches Selbstporträt vor uns, das die Künstlerin nachdenklich, vielleicht sogar ein wenig verwirrt, vor einem leeren Schachbrett sitzend zeigt. Die Arbeit vermittelt den Eindruck eines offenen Fensters für den Geist der Künstlerin bei der Arbeit, wie es uns auch schon bei Pierre Bellot begegnet ist.
So ergeben sich trotz aller Unterschiede Konvergenzpunkte aus der Gegenüberstellung Mattons und Bellots mit Henri Matisse. Die Ausstellung betont die Bedeutung der künstlerischen Tradition für die zeitgenössische Kunst, vor allem hinsichtlich der Wiederbelebung der figurativen Malerei in der zeitgenössischen französischen Kunst. Die Ausstellung kann nach vorheriger Terminabsprache von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr im Espace Tajan in Paris besucht werden.
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