Während des Umzugs einer älteren Dame im nordfranzösischen Compiègne, stießen ihre Angehörigen in der Küche auf ein Tafelgemälde, das sie sofort für etwas Besonderes hielten. Die Besitzerin war bis dato der Überzeugung gewesen, dass es sich um eine russische Ikone handelte. Tatsächlich hatte sie keine Ahnung, welcher Schatz jahrelang über ihrem Herd an der Wand hing.
Das Kunstwerk wurde eingehend untersucht. Mit Hilfe von Infrarotlicht konnten Ähnlichkeiten zu Werken des italienischen Künstlers Cimabue festgestellt werden. "Das Bild wurde von derselben Hand gemalt", erklärte der Kunstexperte Eric Turquin gegenüber der französischen Zeitung Le Figaro.

Das mit dem Namen Die Verspottung Christi versehene Werk wird Ende Oktober mit einem Schätzpreis von 4-6 Millionen Euro versteigert werden.
Es wird angenommen, dass es sich bei der um 1280 entstandenen Verspottung Christi um einen Teil jenes Polyptychons Cimabues handelt, das als Altarschrank diente und dass die Passion Christi zum Thema hat.
In einem Interview mit The Art Newspaper erklärte Turquin, dass die Holztafel, auf der das Gemälde ausgeführt wurde, Hinweise enthalte, die auf Cimabue hindeuten. "Man muss nur den Spuren der Würmer folgen", sagte Turquin in Hinblick auf die Spuren in der Tafel, für die Holzfressende Larven verantwortlich sind, und die auch bei an anderen Teilen Polyptychons festgestellt wurden.

In der National Gallery in London und in der Frick Collection in New York werden zwei weitere Tafelbilder des Polyptychons ausgestellt: Jungfrau und Kind mit zwei Engeln und Die Geißelung Christi.

Cimabue († um 1302) wurde um 1240 in Florenz geboren, wo er auch später als Künstler tätig war. Seine Inspirationsquelle war die byzantinische Kunst, die er mit seinen plastischen Figuren weiterentwickelte. Zu seinen bekanntesten Werken gehört Santa Trinita Maestà aus dem späten 13. Jahrhundert, das von der Kirche Santa Trinita in Florenz in Auftrag gegeben worden war. Heute kann diese Arbeit in den Uffizien bewundert werden.




