Nachdem Louise Bourgeois am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in die USA ausgewandert war, verwandelte sie ihr Heimweh und die Leiden ihrer Kindheit in Kunstwerke, die noch immer faszinierend sind und auch auf dem Auktionsmarkt überzeugen. 2023 wurde eine von Bourgeois' monumentalen Spinnen bei Sotheby's in New York für mehr als 32 Millionen US-Dollar verkauft, womit die Künstlerin auch ein Jahrzehnt nach ihrem Tod ihr künstlerisches Netz weiterspinnt.

Louise Bourgeois wurde am 25. Dezember 1911 in einer Pariser Familie von Tapisserie-Restauratoren hineingeboren. Sie fand sich schnell in dem Handwerk zurecht, sodass sie ihren Platz im Familienbetrieb einnehmen konnte. Dazu gehörte n auch die Vorzeichnungen für zu ersetzende Teile, die sie manchmal in völliger Eigenregie anfertigte. Das vielseitig begabte Mädchen wurde im Sinne der Aufklärung und des Fortschritts erzogen, während sie ihren Vornamen angeblich in Anlehnung an die Anarchistin Louise Michel erhalten hatte. 1932 machte sie ihr Abitur am Lycée Fénelon und studierte anschließend Mathematik an der Sorbonne. Das Fach empfand sie jedoch schnell als zu theoretisch und sie suchte daher nach etwas Kreativerem, das ihr dabei helfen könnte, ihre inneren Ängste zu lösen, deren Ursprung sie in den Problemen ihrer Familie begründet sah.
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Ihre künstlerische Ausbildung erhielt Bourgeois an mehreren freien Akademien sowie an der École des Beaux-Arts. 1936 schrieb sie sich schließlich an der École du Louvre ein. Zu ihren Bekannten in Paris gehörten Fernand Léger, André Lhote und weitere Persönlichkeiten der Avantgarde. Sie umgab sich auch mit den Surrealisten, von denen sie viele jedoch erst während des Zweiten Weltkriegs in Amerika traf. 1938 heiratet Louise Bourgeois den Kunsthistoriker Robert Goldwater, den sie in einer Galerie kennengelernt hatte. Gemeinsam ließen sie sich in Goldwaters Heimatstadt New York nieder, wo unter anderem Marcel Duchamp und Le Corbusier kennenlernte. Es war der eigentliche Beginn ihrer künstlerischen Karriere.
Ich brauche meine Erinnerungen: sie sind meine Dokumente.

Bereits in ihren frühen Werken entwickelte Bourgeois ein Interesse an der Figur der Mutter und dem dieser zugewiesenen häuslichen Raums, der sowohl beschützend als auch erniedrigend sein konnte. Bis 1941 brachte sie zwei Jungen zur Welt und adoptierte einen weiteren in Frankreich, sodass sie die Mutterschaft sowohl aus der Perspektive einer Mutter als auch aus der einer Tochter betrachten konnte. Um ihr Heimweh und die Trauer um ihre Mutter, die bereits 1932 gestorben war, zu verarbeiten, begann sie mit der Serie Femme Maison, in der sie geschwungene weibliche Formen darstellte, die mit einer geometrischen Architektur verschmolzen.
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Louise Bourgeois gab zu, Kunst immer als eine Art Therapie zu betrachten. In den 1950er Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, begann sie eine Psychoanalyse, die 30 Jahre dauern und sich tiefgreifend auf ihre Arbeit auswirken sollte. Ihre Femme Maisons wurden von Totems abgelöst – länglichen, notwendigerweise phallischen Skulpturen, mit denen sie Themen der Herrschaft und Fragilität aus einem surrealistischen Blickwinkel ansprach. Sexualität und Genitalien, ob männliche (wie in Fillette, 1968) oder weibliche, sind in ihrer proteischen Welt, die sie am Rande der amerikanischen Kunstszene entwickelte, reichlich vorhanden und sie arbeitete intensiv an Skulpturen, Gravuren, Gemälden und Installationen, während sie die Ergebnisse nur selten in Einzelausstellungen präsentierte.

Bekanntheit wurde Louis Bourgeois in den 1970er Jahren, als Kritiker und die Öffentlichkeit ein lebhaftes Interesse an den Verbindungen mit dem Unterbewussten und der Erinnerung zeigten, die ihre Arbeit nährten. In Hinblick auf die feministische Bewegung wirkten vor allem ihre Installationen sehr erotisch, traumhaft und manchmal auch provokativ. 1982 widmete das MoMA in New York Louise Bourgeois eine Retrospektive, auf die die wohlverdienten lobenden Artikel, Einzelausstellungen und Auszeichnungen folgten.
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1999 erhielt sie auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Es war der Abschluss eines Jahrzehnts, in dem sie sich wieder auf die Figur der Mutter konzentriert hatte, dieses Mal in Form von monumentalen Spinnen, die sich jedoch mehr auf die Materialien der Wandteppichherstellung ihrer Jugend, denn auf eine psychoanalytische Interpretation bezogen. Diese "Mütter" werden in Paris, im Château la Coste in der Provence sowie in Museen in Bilbao, Havanna, Ottawa, St. Petersburg, Tokio und Seoul ausgestellt.

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2008 organisierte das Centre Pompidou in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London eine große Retrospektive mit über 200 Zeichnungen, Stichen, Skulpturen, Gemälden und anderen Objekten von Louise Bourgeois. In jenem Jahr wurde sie auch vom französischen Präsidenten während eines offiziellen Besuch in den USA in die Ehrenlegion aufgenommen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2010, im Alter von 98 Jahren, hat die Künstlerin nie aufgehört Kunst zu schaffen. Sie produzierte mehrere Künstlerbücher sowie Bücher mit Illustrationen und Aufsätzen zur Psychoanalyse. Sowohl durch ihre Kunst als auch durch ihr Schreiben hat sie ein Erbe hinterlassen, das von kommenden Generationen erforscht und bewundert werden wird.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 13. April 2020




