Der Diwan stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten und war ursprünglich ein entlang der Wände installiertes Möbelstück in dem Raum, in dem der türkische Sultan Besucher empfing und Rat hielt. Das Wort Diwan selbst ist der Name des Nationalrats mehrerer muslimischer Staaten, vor allem jedoch im Osmanischen Reich. Auch wenn die Möbel an heutige Ecksofas vor dem Fernseher erinnern, ging es bei den stundenlangen Verhandlungen vor dem Sultan alles andere als entspannt zu.
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Durch Reisen und den Handel entdeckten die Europäer den Orient und nahmen viele Eindrücke mit nach Hause. An erster Stelle stand natürlich das modebewusste Frankreich. Kleider im türkischen Stil waren für Frauen wie Marie Antoinette die Norm und Diwane wurden zu einem Muss der Inneneinrichtung. Damit war das Möbelstück von einem Symbol für Politik und Repräsentation zu etwas Vergnüglichem geworden, das den Trend für Exotisches widerspiegelte.
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Auch in Schweden folgte man natürlich diesem Beispiel. Im Pavillon Gustavs III. im Hagapark bei Stockholm gibt es im Obergeschoss einen kleinen Raum, der trotz seines hellen klassischen Stils ein türkisches Element in Form eines Diwans aufweist. Hier hielt der schwedische König auch Ratsversammlungen und Empfänge ab, allerdings in viel kleinerem Umfang. Das etwas außerhalb der Stadt in einer hügeligen Parklandschaft gelegene Schlossensemble war ein Ort der Besinnung und für Träumereien, weshalb vor dem Diwan ein wohlproportionierter Arbeitstisch platziert wurde, der jede Menge Platz für Entwurfszeichnungen – teilweise von Gustav III. selbst angefertigt – für das "Projekt Hagapark" bot.

Ob es der türkische Diwan in seiner ursprünglichen Bedeutung war, der den König inspirierte, ist ungewiss, doch war das erste Gebäude, das der König im Park bauen ließ, tatsächlich der Türkische Kiosk. Das Wort Kiosk ist türkisch/persisch und bedeutet "Pavillon" oder "Aussichtshaus", ein passender Name für den auf einem Hügel errichteten kleinen Pavillon. Das fantasievolle Gebäude, das 1786 von Fredrik Magnus Piper entworfen wurde, wartet noch immer darauf von neugierigen Parkbesuchern entdeckt zu werden.
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Auch auf Schloss Rosersberg, nördlich von Stockholm gelegen, gibt es zwei gleichermaßen farbenfrohe und exzentrische Innenräume, die die Interessen ihrer einstigen Bewohnerinnen widerspiegeln. Eines dieser Zimmer ist der Konversationsraum der Königin – ein wahrer Besuchermagnet. Mit seinem in einer halbrunden Nische platzierten Diwan in Pink und Gold wirkt es alles andere als zurückhaltend. Es wurde 1812 für Königin Hedwig Elisabet Charlotta eingerichtet, die mit Karl XIII. verheiratet war und für ihre Tagebücher und Konversationskünste berühmt war. Man kann nachvollziehen, woher der Name des Salons stammt, denn die intime Atmosphäre des Raumes machte es leicht, vertrauliche Gespräche unter dem schützenden Gewölbe des Alkovens zu führen.
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Der zweite Raum ist das womöglich noch imposantere Grüne Vestibül, in dem der Diwan von reichen Drapierungen umgeben ist. Der Raum war für Königin Desideria, die Frau von Karl XIV. Johan, gestaltet worden. Desideria stammte aus Marseille, war einst mit Napoleon verlobt gewesen und sehnte sich vor allem danach, in ihre geliebte Heimat zurückzukehren. Daher ließ sie über ihrem Diwan die Porträts von Angehörigen aufhängen, die sie am meisten vermisste. Hier saß die Königin mit ihren Hofdamen und vertrieb sich die Zeit mit Sticken, Ausruhen und Vorlesen, weshalb vor diesem Diwan kleine Näh- und Beistelltische zu finden sind. Hier hat sich die Funktion des Diwans also völlig von Arbeit und Repräsentation gelöst, wodurch der Weg zum heutigen Fernsehsofa geebnet wurde.
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Der wohl berühmteste Diwan ist jedoch nicht bei Sultanen, Königen oder Königinnen zu finden, sondern in einem Haus in Hampstead, London; und seine Funktion hat weder mit Bürokratie noch mit lockerer Geselligkeit etwas zu tun: Sigmund Freuds Couch ist zu einem Symbol der Psychoanalyse geworden und wird in einer endlosen Reihe von Filmen dargestellt, in denen sich Patienten darauf niederlassen, bevor sie ihr Herz öffnen. Der Diwan war um 1890 ein Geschenk von einer von Freuds Patientinnen, Madame Benvenisti. Freud bedeckte den Diwan absichtlich mit einem abgewetzten Gashgai-Teppich und bestickten Kissen, um den Patienten das Gefühl zu geben, sich nicht in einer klinischen Umgebung zu befinden, sondern an einem Ort der Gemütlichkeit ...einem türkischen Diwan eben.




