Gerade erst wurde in Paris ein 1955 gegossenes Exemplar von Alberto Giacomettis La femme qui marche aus Hubert de Givenchys Sammlung für rund 27 Millionen Euro versteigert. In München haben Kunstfreunde und Sammler am 30. Juni nun die Gelegenheit, einen etwas kleineren Bronzeabguss mit nicht weniger spannender Provenienz im Auktionshaus Hampel zu ersteigern, denn die einstige Besitzerin der 130 cm hohen und braun patinierten Plastik war niemand Geringeres als Peggy Guggenheim (1898-1979), ihres Zeichens Sammlerin, Galeristin und unermüdliche Förderin der Avantgarde.

Der ursprüngliche Entwurf für La femme qui marche stammt aus dem Jahr 1932, einer Phase, in der Giacometti gerade die afrikanische und ozeanische Kunst für sich entdeckt hatte. Gepaart mit Surrealismus sowie ägyptischen und griechisch-archaischen Vorbildern, entwickelte der Schweizer Bildhauer einen Stil, in dem die Formen seiner Plastiken zunehmend verzerrt wirken, jedoch trotz abstrakter Tendenzen ihren figurativen Charakter nicht verlieren und so ein harmonisches Ganzes ergeben.
Giacomettis La femme qui marche ist am 30. Juni Teil des Katalogs „Impressionsten & Moderne Kunst“, der auch den posthum gegossenen Tête à la frange („Mädchen mit Pony“) von Amedeo Modigliani umfasst, welcher auf einer Sandsteinskulptur von 1911/12 basiert.

Ebenfalls anzutreffen sind hier Künstler wie Pierre-Auguste Renoir, Maurice de Vlaminck, Lovis Corinth, Marc Chagall, Henri Matisse und Roy Lichtenstein. Die beiden Letztgenannten sind auch Teil eines Werks von Richard H. Pettibone, einem Vertreter der Appropriation Art, also der Kunst der Aneignung zum Zweck der Hommage oder Kritik. Und Aneignung ist hier wahrlich Programm: Auf einer Miniaturstaffelei platzierte Pettibone eine Kopie von Lichtensteins Gemälde The Artists Studio: The Dance (1974), welches wiederum einen Ausschnitt von Matisse’ La danse von 1909/10 beinhaltet.
Ebenfalls darf bei Hampel am 30. Juni auch auf Alte Kunst, Skulpturen und exquisites Kunsthandwerk und Antiquitäten mitgeboten werden.

Zu den Highlights der ersten Offerte des Tages (Möbel & Einrichtung), die um 10 Uhr zum Aufruf kommt, gehört dieser große Sekretär im Empire-Stil, der sogar vom passenden Armlehnstuhl begleitet wird. Das im Frankreich des 19. Jahrhunderts angefertigte Ensemble ist mit gegossenen und ziselierten Bronzeapplikationen verziert, die Sterne, Blattwerk und Figuren im Stil des Empire darstellen.

Unter den Uhren ist diese bezaubernde Pendule hervorzuheben, die die Form einer Gondel aufweist, welche von zwei Delfinen getragen wird. Auf dem Uhrengehäuse hat die durch den Anker identifizierbare Allegorie der Hoffnung Platz genommen, welche sich vom Gondoliere Amor über imaginäre Gewässer fahren lässt. Ob die Pendule einst die Hoffnung auf die baldige Rückkehr eines Offiziers zur See zum Ausdruck bringen sollte?
Gondeln sind eines der Symbole von Venedig, die heute vor allem Touristen durch die Kanäle der Lagunenstadt befördern. La Serenissima zieht die Menschen bereits seit Jahrhunderten in ihren Bann, darunter auch viele Künstler, die die traumhafte Kulisse Venedigs immer wieder malten.

Auch unter den Gemälden Alter Meister, die ab 11:30 Uhr zum Aufruf kommen, sind venezianische Veduten mehrfach vertreten, beispielsweise mit Piazza San Marco mit Blick auf die Basilika von Francesco Albotto, das mit seiner starken Perspektive überzeugt. Albottos Zeitgenosse Apollonio Facchinetti, genannt „Domenichini“, wählte für Der Markusplatz gegen Osten dasselbe Motiv, „zoomte“ jedoch näher heran.
Venedig war auch eine Station von Leopold Carl Müller, bevor er durch seine erste Reise nach Ägypten im Jahr 1873 seine Leidenschaft für den Orient und dessen Menschen und Landschaften entdeckte und so mit der Zeit zum bedeutendsten Orientmaler Österreichs wurde.

Das Müller zugeschriebene Gemälde Nubier mit gelbem Turban ist Teil der Offerte mit Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch Werke von Petrus van Schendel, Théodore Géricault, Hermann David Solomon Corrodi und Antonietta Brandeis umfasst.
Den Abschluss der Auktionsreihe bildet wie gewohnt Hampel abwechslungsreiche Rubrik „Living“, die Kunst und Antiquitäten anbietet, aber auch Schmuck, Golddosen und Asiatika.
Die Versteigerungen finden am 30. Juni ab 10 Uhr im Auktionshaus Hampel, Schellingstraße 44, in München statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 25. bis 28. Juni geöffnet.



