Im südfranzösischen Vallauris entdeckte der damals in seinem 65. Lebensjahr stehende Pablo Picasso im Jahr 1946 mit der Töpferei ein neues Betätigungsfeld, um seiner Kreativität ein Ventil zu geben. Doch gab es neben Ton noch ein weiteres Material, mit dem er sich in seinen späten Jahren beschäftige: Glas. Von 1954 bis 1960 arbeitete er wiederholt mit dem venezianischen Glaskünstler Egidio Costantini (1912-2007) zusammen, dessen Stärke darin bestand, die zweidimensionalen Entwürfe von Künstlern in dreidimensionale Glaskunstwerke zu verwandeln.
Costantini hatte 1950 zusammen mit weiteren venezianischen Glaskünstlern die Kooperative Centro Studio Pittori nell’Arte del Vetro di Murano gegründet, für die er 1954 nach Paris reiste, um namhafte Künstler für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Neben Max Ernst, Alexander Calder und anderen folgte auch Picasso diesem Ruf. Die Zusammenarbeit von Picasso und Costantini hielt auch an, nachdem letzterer 1955 mit Fucina degli Angeli („Schmiede der Engel“) – die Idee zu dem Namen stammte von Jean Cocteau – ein eigenes Atelier gründete, das die Vision der aufgelösten Kooperative fortsetzte.

In der großen Sommerauktion des Bamberger Auktionshauses Schlosser kommt die von Egidio Costantini 1960 ausgeführte Vase Gufo („Eule“) zum Aufruf, die an an Picassos keramische Stücke gleichen Namens (hibou im Französischen) anknüpft.
Die zweitägige Auktion ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Während der 29. Juli ab 15 Uhr Gemälden, Graphiken und Skulpturen gewidmet ist, darf am 30. Juli ab 11 Uhr auf Kunst und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten mitgeboten werden.

Neben Glas kommen auch viele weitere zu Kunstwerken geformte Materialen zum Aufruf, wie beispielsweise Silber. Hier sei vor allem auf eine bedeutende Jugendstil-Weinkanne des Hamburger Künstlers Alexander Schönauer hingewiesen, dessen Können ihm den Titel des Senatsgoldschmieds der Hansestadt einbrachte. Die vorliegende Arbeit begeistert mit ihrem flächendeckenden, in Niellotechnik ausgeführten Weinrankendekor.

Eine weitere außergewöhnliche Kanne ist in der Porzellanofferte zu finden. Genauer gesagt handelt es sich um eine der Elementevasen von Johann Joachim Kändler in einer Ausformung des 19. Jahrhunderts. Das fünfteilige Vasenensemble zum Thema "Die vier Elemente" war Anfang der 1740er Jahre vom sächsischen Kurfürst Friedrich August III. als diplomatisches Geschenk an den französischen König Ludwig XV. bei der Manufaktur Meissen in Auftrag gegeben worden. Das Set bestand aus vier jeweils den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer gewidmeten Vasen bzw. Kannen sowie einer zentralen Vase mit dem Bildnis Ludwigs XV. Da sich zum Zeitpunkt der Fertigstellung die politischen Verhältnisse zwischen den Ländern jedoch geändert hatten, verblieb das originale Ensemble in Dresden.

Den Auftakt der zweitägigen Auktion mit insgesamt 1259 Losen bilden Gemälde, von denen eines dieses Bildnis einer Dame ist, das von einem Meister des 17. Jahrhunderts in Öl auf einer Leinwand ausgeführt wurde, die später auf eine Eichenholztafel montiert wurde. Früher Anthonis van Dyck zugeschrieben, gilt das Porträt heute als Werk eines Malers aus dessen Umkreis.

Holz und Farbe kamen auch um 1700 zum Einsatz, als in Österreich dieses Paar Leuchterengel hergestellt wurde. Die beiden schwebenden Engel sind in drapierte Gewänder und Brustpanzer gehüllt und halten jeweils eine Kerzentülle in der Hand. Sie sind farbig gefasst und teilweise vergoldet, wodurch das besonders feine Schnitzwerk der Flügel betont wird.

Verweilen wir mit diesem spätgotischem Schrank noch ein weniger länger im Alpenraum! Der eintrüge Schrank wurde um 1500 aus Zirbelholz hergestellt – ein typisches Material für diese Region. Die Front mitsamt der Tür wurden flächendeckend mit einer Flachschnitzerei verziert, die Rankenwerk und eine Jagdszene darstellen. Anschließend wurde das Holz dunkel gebeizt und mit Eisenbeschlagwerk versehen.
Die Versteigerungen finden am 29. und 30. Juli im Kunstauktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 23.-28. Juli möglich.
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