Ich kann nicht wirklich sagen, warum, doch sofort als ich Pokémon: Indigo-Liga - die erste Staffel der Animeserie, die es mittlerweile auf 23 Staffeln gebracht hat - zum ersten Mal im schwedischen Fernsehen sah, hatte sie mich geködert. Ich war etwa acht Jahre alt und früh an einem Samstagmorgen als einziger wach. Im Grunde hatte die Serie alles, was ein 8-jähriger sich nur wünschen konnte: Fantasie-Monster/niedliche fiktionale Spezies, eine ganz andere Art von Cartoon, als die, die man bisher gewohnt war - ich habe auch mir Sailor Moon angeschaut und geliebt, ich schwör's - und eine interessante Art des Geschichtenerzählens.
Für mich war die Welt der Pokémon völlig neu. Ich hatte nie einen eigenen Game Boy (obwohl ich die ersten drei weltweit veröffentlichen Spielkonsolen von Nintendo mein Eigen hatte nennen dürfen), weshalb Pokémon damals etwas erfrischend Neues und Anderes war. Tatsächlich gab es Pokémon jedoch bereits eine ganze Weile.

Der Legende nach soll Satoshi Tajiri, in den 1980er Jahren der Redakteur seines eigenen Fan-Magazins Game Freak, die Idee zu Pokémon gekommen sein, als 1989 der originale Game Boy auf den Markt kam, wenn auch unter anderem Namen und einem etwas anderen Konzept. Als Junge war das Sammeln und Studieren von Insekten ein Hobby Tajiris gewesen, und angeblich ging aus diesem Interesse die Idee zu Pokémon hervor.
Tajiri wuchs in Machida im Westen der Metropolregion Tokio auf, wo es damals noch ländlicher zuging als heutzutage und er die Natur genießen und Insekten suchen, sammeln und studieren konnte. Doch mit der Zeit entstanden immer mehr urbane Nachbarschaften und das ländliche Machida begann zu verschwinden. Als er älter wurde, wuchs in Tajiri der Wunsch, Spiele zu erfinden, die Kindern dieselben Gefühle vermitteln sollten, die er beim Insektensammeln empfunden hatte, als er ein kleiner Junge war.

Viele Kinder der späten 1970er und frühen 1980er Jahre fühlten sich von Videospielen magisch angezogen. Tajiri (*1965) war da keine Ausnahme. Sein Interesse hörte jedoch nicht damit auf, dass er sie spielte - er wollte wissen, wie sie tatsächlich funktionierten. Also baute er Videospielkonsolen auseinander und untersuchte ihr Inneres. Die Dinge, die er dabei lernte, sollten ihm später im Leben noch von großem Nutzen sein.
Satoshi Tajiri verwandelte sein selbst gegründetes und unglaublich beliebtes Magazin für Arcade-Fans in ein Unternehmen für Videospielentwicklung. Als er 1990 mit dem Konzept, zwei Game Boys miteinander zu verbinden, vertraut wurde, begann die Idee zu den Pokémon-Spielen zu sprießen. Er präsentierte seine Idee bei Nintendo, wo sie nicht gerade auf viel Begeisterung stieß. Da Tajiri jedoch bereits einen guten Ruf als Spielentwickler vorweisen konnte, beschloss man bei Nintendo, Pokémon eine Chance zu geben.
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Das war 1995. Bereits im Februar 1996 kamen die ersten beiden Game Boy-Spiele auf den Markt: Pokémon Red und Green, außerhalb Japans als Red und Blue. Was man dabei bedenken muss, ist, dass der Game Boy 1996 bereits als "alter Hut" galt. Doch das Interesse an dem Spiel begann allmählich zu wachsen, vor allem, als das Gerücht auf kam, das Spiel würde eine verborgene Kreatur beinhalten, die man nur erreichen konnte, wenn man einige Programmierungsfehler entschlüsselte. Die Kreatur wurde Mew genannt und nicht einmal Nintendo wusste über sie Bescheid. Tajiri hatte sie mit dem Plan verborgen, Spieler dazu zu ermutigen, alle 151 Original-Pokémons untereinander zu tauschen und miteinander zu interagieren, um so ein soziales Spiel zu schaffen.

Nach Super Mario ist Pokémon heute das weltweit meistverkaufte Videospiel aller Zeiten. Beide gehören Nintendo. Natürlich musste aus einem so populären Konzept eine Merchandising-Kultur für Pokémon-Kram entstehen. Die Pokémon-Sammelkarten, die acht Monate nach der Veröffentlichung von Pokémon Red und Blue auf den Markt kamen, waren ohne Zweifel ein Must-have für Schulkinder in der 1990er Jahren.
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2017, also mehr als zehn Jahre später, hatte das Pokémon-Tauschkartenspiel laut gamesindustry.biz einen Anteil von beeindruckenden 82% am europäischen Markt für Strategiespiele. Es gibt auch eine offizielle Liga mit großen Meisterschaften und sogar einige Videospiele, die auf dem Kartenspiel basieren. Doch der Aspekt des Sammelns scheint nach wie vor das Hauptanliegen zu sein, wenn es um die Pokémon-Karten geht.
Curtis Davidsen sammelte sie seit er die ersten Karten von seinen älteren Geschwistern bekommen hat. "Sie gaben mir die Karten, die sie nicht wollten. Ich habe keine Ahnung, was aus diesen Karten geworden ist, da ich irgendwann aufgehört habe, sie zu sammeln. Pokémon mochte ich noch immer, aber als meine Geschwister, zu denen ich aufschaute, aufhörten, tat ich es auch, da ich genau so cool sein wollte wie sie. Diese Pause dauerte bis Pokémon Black und White [zwei Spiele, die 2011 veröffentlicht wurden und 156 neue Pokémons enthielten, Anm. d. Red.] veröffentlicht wurden und ich mich in der Schule mit einer Gruppe anfreundete, die es noch immer spielte. Durch dieses neu erwachte Interesse an Pokémon fing ich wieder an, Karten zu sammeln", erzählte Davidson Barnebys.

Barnebys: Wie hat sich die Sammler-Community verändert, seit du mit dem Sammeln angefangen hast?
Davidsen: Die größte Veränderung, die ich feststellen kann, ist die allgemeine Einstellung dazu. Früher war es so, dass nur kleine Kinder Pokémon mochten, dass es kindisch war, Pokémon zu spielen oder zu sammeln. Heute hat sich Pokémon durch Pokémon Go, Nintendo Switch und neue Technologien zu einer Art coolem Spiel entwickelt, das von jedem gespielt wird.
Was ist der Heilige Gral der Pokémon-Tauschkarten?
Es gibt da diese Charizard-Karte, die zunächst überhaupt nicht selten war - bis jeder sie plötzlich haben wollte und sie mit der Zeit im schwieriger zu finden war. Ihre Produktion wurde eingestellt, sodass eine original Charizard-Karte in gutem Zustand bis zu 2.000 USD kosten kann.
Wonach suchst du selbst?
Nun, momentan sammle ich jede Art von Pokémon, um meine Sammlung zu vervollständigen.

Der irische Pokémon-Karten-Sammler Dave Spillane verbindet wie Curtis Davidsen Kindheitserinnerungen mit dem Spiel.
"Ich wuchs in den 1990ern auf und tonnenweise Pokémon-Karten zu bekommen, war die Norm in meiner Gegend. Kurz vor meinen Teenager-Jahren gab ich dieses Hobby allerdings auf. Vor ein paar Jahren, kurz bevor ich meine aktuelle Arbeitsstelle antrat, jobbte ich in einem Spielzeuggeschäft. Einer meiner dortigen Kollegen weckte mein Interesse an Pokémon-Karten jedoch erneut, sodass ich mittlerweile seit etwa vier Jahren wieder sammle", berichtete uns Spillane.
Welche war die erste besonders wertvolle Karte, die du gekauft hast - wertvoll im Sinne von monetär oder emotional?
Spillane: Diese May scheint sehr typisch zu sein, aber liebe einfach Pikachu. Beim Sammeln fing ich wieder mit den Karten an, die ich bereits als Kind besessen hatte.

Werden vor allem die Karten oder auch andere Dinge gesammelt?
Ich denke, das hängt von der jeweiligen Person ab. Ich habe Menschen mit fantastischen Sammlungen kennengelernt, die versiegelte Nintendo-Spiele, Plüschtiere, exklusive Pokémon-Konsolen, verschiedene Varianten von Pokémon-Karten und vieles mehr umfassten.

Wie es auf die meisten Sammlerthemen zutrifft, gibt es da draußen mehrere Heilige Grale. Doch sind einige wichtiger als andere.
Das variiert natürlich von Sammler zu Sammler. Wenn es jedoch um den reinen Seltenheitsfaktor geht, steht die SM Pratte's Pikachu Illustrator-Karte ganz oben auf der Liste. Jeder Mensch hat seinen eigenen Heiligen Gral und jeder Sammler muss für sich herausfinden, welches sein Heiliger Gral ist, der über allem anderen steht. Ich halte nach versiegelten Produkten Ausschau, wie Starterpakete oder exklusive japanische Produkte. Ich habe die Mario Pikachu Cosplay-Pakete vom Pokémon Center und ich finde sie einfach toll. Ich denke, die exklusiven japanischen Objekte sind die besten überhaupt.
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Spillane erklärte uns außerdem, dass es in seiner Kindheit in Irland üblich war "Pakete zu kaufen und fehlende Karten mit meinen Klassenkameraden zu tauschen, um das Kunstwerk an sich zu bewundern und meinen Lieblingsfiguren aus der Fernsehserie hinterherzujagen".

So wie bei Super Mario hat Nintendo auch mit Pokémon Spiele für nahezu jede Konsole seit 1996 entwickelt. Und fast zeitgleich mit dem Launch der Super Mario Run-App für Smartphones, löste Pokémon Go einen weltweiten Hype aus.
Soweit ich weiß, haben die TEG-Meisterschaften seit dem Launch von Pokémon Go im Jahr 2016 enorm an Popularität und Teilnehmern dazugewonnen. Es ist schön, diese Balance zwischen aktiven TEG-Spielern und Sammlern zu sehen", meinte Spillane.
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