Rothschild ist ein Name, bei dem Kunstkenner aufhorchen, ist die Bankiersfamilie doch dafür bekannt, dass ihre Mitglieder im 19. und 20. Jahrhunderts diesseits und jenseits des Atlantiks Kunstsammlungen zusammentrugen, die ihresgleichen suchen. Mit Gemälden, Antiquitäten und dekorativer Kunst wurde in den verschiedenen Residenzen der sogenannte „Goût Rothschild“ geschaffen, der bewundert und nur zu gerne nachgeahmt wurde.
In der vergangenen Woche versteigerte Christie’s in New York in drei Saalauktionen sowie einer Onlineauktion, die am 17. Oktober endete, rund 590 Kunstobjekte, die bis zu 150 Jahre Teil der Rothschild-Sammlungen gewesen waren. Der Name und das vielseitige Angebot aus Gemälden, Möbeln, Keramik und mehr lockte Bieter aus 40 Ländern an, die 98% der Lose ersteigerten und dabei die unteren Schätzpreise durchschnittlich um 246% überboten. Insgesamt wurden 62.656.516 US-Dollar erzielt …und natürlich auch der ein oder andere Rekord.
Insgesamt waren es drei Auktionsrekorde, die in der Versteigerung „Rothschild Masterpieces“ am 11. Oktober aufgestellt werden konnten. Zunächst für einen polychrom mit einem Wappenmuster bemalten Steingutteller, der um 1456-61 in Valencia angefertigt wurde und mit 1.033.200 US-Dollar (Schätzpreis 200.000-300.000 USD) ein neues Spitzenergebnis im Bereich spanisch-maurischer Keramik erzielte. Nur drei Lose später folgte ein neuer Rekord für den französischen Keramiker Bernard Palissy, als ein ovaler Schauteller, der von ihm selbst oder seiner Pariser Werkstatt um 1565-70 angefertigt wurde, für 428.400 US-Dollar den Besitzer wechselte (Schätzpreis 30.000-50.000 USD).
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Im letzten Drittel der Auktion wurde schließlich auch noch ein neuer Rekord für europäische Stühle des 18. Jahrhunderts aufgestellt, als ein Paar Fauteuils à la Reine des Pariser Tischlers Louis Delanois von ca. 1770 für 4.406.000 US-Dollar (Schätzpreis 500.000-800.000 USD) verkauft wurden. Delanois schuf Möbelstücke im Louis XV- und Louis XVI-Stil und zählte Mitglieder der Kreise, u.a. auch der königlichen Familie, zu seinen Kunden. Auch Madame du Barry, die letzte Maîtresse-en-titre König Ludwig XV., bestellte bei ihm.

Und so war es mit dem soeben aufgestellten Rekord für europäische Stühle des 18. Jahrhunderts auch schon wieder vorbei, als zwei Losnummern später ein weiteres Paar Sessel von Louis Delanois zum Aufruf kam, das nachweislich von Madame du Barry um 1770/71 für ihr Schlösschen in Louveciennes in Auftrag gegeben worden war. Aufgerufen mit einem Schätzpreis in Höhe von 600.000-1.000.000 US-Dollar, konnte das Sitzmöbelpaar mit (gl)amouröser Provenienz schließlich für 6.221.000 US-Dollar versteigert werden. Zudem ist es der zweithöchste Preis, der jemals für europäische Stühle insgesamt erzielt wurde.
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Die aus bescheidenen Verhältnissen stammende Marie-Jeanne Bécu, die durch eine Scheinehe mit dem Comte du Barry adelig und damit hoffähig geworden war, hatte das kleine Schloss im unweit von Paris und Versailles gelegenen Louveciennes 1769 von Ludwig XV. geschenkt bekommen, kurz nachdem sie seine offizielle Mätresse geworden war. Madame du Barry statte ihren neuen Besitz mit Geschmack und Qualität aus und ließ zudem mit dem Pavillon de musique eine wahre Perle des frühen Klassizismus im Park errichten. Dort veranstaltete die bezaubernde Schlossherrin im September 1771 ein rauschendes Fest, an dem auch der schwerverliebte König, der private Feste eigentlich niemals aufsuchte, teilnahm.
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Nach dem Tod Ludwigs XV. 1774 musste Madame du Barry ihr geliebtes Schloss für eine Weile verlassen, bis es ihr nach zwei Jahren gestattet wurde, dorthin zurückzukehren. Louveciennes blieb ihr Zuhause, bis sie 1793 im Zuge der Französischen Revolution festgenommen und kurz darauf hingerichtet wurde.
Das bei Christie’s versteigerte Paar Sessel kam im 19. Jahrhundert in den Besitz des französischen Zweigs der Familie Rothschild. Während der Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkriegs, wurde es von den Nationalsozialisten konfisziert und nach Schloss Neuschwanstein gebracht, wo es von den Monuments Men entdeckt und den Rothschilds zurückgegeben wurde.
Weitere Kunstwerke der Rothschild-Sammlung werden im November in mehreren Auktionen bei Christie’s in Paris versteigert.
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