Bereits Anfang August hatten wir von der Versteigerung der Sammlung des texanischen Geschäftsmannes und Philanthropen Edwin Lochridge Cox berichtet, die am 11. November bei Christie’s in New York stattfinden wird und bedeutende Werke des Impressionismus und Post-Impressionismus umfasst.
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Eines der dabei vorgestellten Werke war das Ölgemälde Cabanes de bois parmi les oliviers et cyprès, das Vincent van Gogh (1853-1890) im Oktober 1889 während seines Aufenthaltes in der Nervenheilanstalt in Saint-Rémy ausführte.
Doch umfasst die grandiose Offerte noch eine weitere Arbeit des niederländischen Künstlers, die keinesfalls unerwähnt bleiben darf: das Aquarell Meules de blé („Getreideschober“).

Meules de blé entstand während van Goghs fast einjährigen Aufenthaltes im südfranzösischen Arles, das ihn bei seiner Ankunft im Februar mit seinem Licht und seiner Landschaft gefangen genommen hatte. Anfang Juni begann die Erntezeit und van Gogh entdeckte zahlreiche Motive des Landlebens, die ihn schon lange beschäftigten.
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Wie aus einem Brief an seinen Bruder und Förderer Theo van Gogh (1857-1891) vom 12. Juni hervorgeht, muss Meules de blé kurz davor entstanden sein. Das Aquarell zeigt einige Getreideschober auf einem Feld am Rand von Arles sowie zwei (von Millet inspirierte) Landarbeiterinnen und diente als Studie für das kurz darauf entstandene Ölgemälde Getreideschober in der Provence.

Mit einem Schätzpreis von 20-30 Millionen USD hat Meules de blé am 11. November sehr gute Chancen, die teuerste Arbeit auf Papier von Vincent van Gogh in der Auktionsgeschichte zu werden.
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Genauso interessant wie die Zukunft des Werkes, liest sich auch seine Vergangenheit, die ein wenig verworren ist. Vincent van Gogh verkaufte Meules de blé an seinen Bruder Theo. Nach Theos Tod im Jahr 1891 erbte es dessen Frau Johanna van Gogh-Bonger (1862-1925), die es 1905 als eines der insgesamt 457 Werke auswählte, die auf der großen Vincent van Gogh-Retrospektive im Stedelijk Museum in Amsterdam gezeigt wurden. Bis jetzt war das die letzte öffentliche Ausstellung von Meules de blé gewesen.
1907 verkaufte Johanna van Gogh-Bonger das Aquarell an den Kunsthändler Gustave Fayet und mit Zwischenstation in der Galerie E. Druet in Paris gelangte es schließlich 1913 in den Besitz des jüdischen Sammlers Max Meirowsky (1866-1949) in Berlin. Meirowsky floh 1938 aus Deutschland und gab Meules de blé in die Obhut von Kunsthändler Paul Graupe, wodurch es wieder nach Paris kam.
Dort wurde die Sammlerin Alexandrine de Rothschild (1884-1965) die neue Besitzerin des Bildes, die während der deutschen Besatzung Frankreichs in die Schweiz floh. Ihre Kunstsammlung wurde von den Nazis beschlagnahmt und in nach Österreich verbracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Meules de blé Teil verschiedener Privatsammlungen, zuletzt, seit 1979, der Sammlung Cox. Versuche seitens Alexandrine de Rothschilds, das Werk restituiert zu bekommen, blieben erfolglos. Vorab der Versteigerung von Meules de blé scheint es jedoch zu einer Einigung zwischen der Familie Cox und den Erben von Max Meirowsky und Alexandrine de Rothschild gekommen zu sein, die „den Disput über die Besitzverhältnisse“ geklärt hat, wie Christie’s berichten konnte.
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