Die Nachtwache des niederländischen Barockmalers Rembrandt van Rijn zählt zu den berühmtesten Gemälden der Welt. Seit 2019 wird es durch die „Operation Night Watch“ eingehend untersucht und restauriert. Und das vor aller Augen an seinem Ausstellungsort im Rijksmuseum Amsterdam, geschützt von einem Glaskasten, wobei schon das eine oder andere Geheimnis zutage gefördert werden konnte.
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Manchmal hat aber auch der Zufall seine Hände im Spiel, so wie auch bei der jüngsten Entdeckung durch die Kuratorin der „Operation Night Watch“, Anne Lenders. Als Lenders Blick in einer Ausstellung auf eine Zeichnung des Künstlers Adriaen van de Venne aus dem Jahr 1619 fiel, bemerkte sie eine interessante Übereinstimmung mit Rembrandts Gemälde. Van de Vennes Zeichnung, die seit 100 Jahren ebenfalls Teil der Sammlung des Rijksmuseum ist, zeigt die biblische Episode um Josef und die Frau des Potiphar und diente als Vorlage für die Titelseite des Buches Self-stryt, dat is, Krachtighe beweginghe van Vlees ende Gheest („Selbstkonflikt oder die mächtigen Bewegungen zwischen Fleisch und Geist“) von Jacob Cats, das 1620 veröffentlicht wurde und weit verbreitet war.

Das Detail, das Lenders ins Auge fiel, war der Hund, dessen Aussehen sie stark an jenen aus Rembrandts Gemälde erinnerte: „Als ich die Zeichnung in einer Ausstellung sah, musste ich sofort an den Hund aus der Nachtwache denken. Kopf, Halsband und Haltung des Hundes weisen eine so starke Ähnlichkeit auf, dass es nur darauf schließen lässt, dass Rembrandt diese Zeichnung als Inspirationsquelle nutzte. Die anschließende Recherche hat dies bestätigt.“
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Tatsächlich besaß Rembrandt eine umfangreiche Sammlung von Zeichnungen und Drucken anderer Künstler. Zwar ist nicht bekannt, ob auch Van de Vennes Werk darunter war, doch sprechen die Gemeinsamkeiten der beiden Hundedarstellungen unbedingt dafür, auch wenn nicht jedes Detail haargenau übereinstimmt. So sind etwa die Ohren in Rembrandts Gemälde etwas länger, die Brust nicht so nah am Boden und das Maul weiter geöffnet. Die allgemeine Körperhaltung und der aufschauende Blick sind jedoch identisch. Interessanterweise zeigt die kürzlich entdeckte Unterzeichnung von Die Nachtwache, dass Rembrandts ursprüngliche Darstellung des Hundes näher an Van de Vennes Vorlage angelehnt war.

Auch andere Werke Rembrandts legen nahe, dass ihm Adriaen van de Vennes Druck bekannt war. So erinnert die Körperhaltung Josefs in dem Gemälde Joseph und Potiphars Frau aus dem Jahr 1655 (Gemäldegalerie, Berlin) an Van de Vennes Arbeit, ebenso die Bettszene aus der Radierung Josef und Potiphars Frau von 1634 (Rijksmuseum, Amsterdam).
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Die Entdeckung stellt einen spannenden Beitrag zur Kunstgeschichte im Allgemeinen und zu Rembrandts Arbeitsweise im Besonderen dar. Dazu Taco Dibbits, Generaldirektor des Rijksmuseum: „Es ist bemerkenswert, dass fast 400 Jahre nach seiner Entstehung immer noch neue Erkenntnisse über eines der am besten erforschten Gemälde der Welt gewonnen werden. Diese Entdeckung gibt uns weitere Einblicke in Rembrandts Denkprozesse bei der Entstehung dieses Werks.“
„Operation Night Watch“ soll im Jahr 2027 abgeschlossen werden. Wir sind gespannt, welche Geheimnisse von Rembrandts berühmtestem Gemälde im Zuge des Projekts noch enthüllt werden.
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