Rembrandts berühmtestes Gruppenbildnis ist mittlerweile 377 Jahre alt und ein echter Besuchermagnet im Rijksmuseum Amsterdam, das die weltweit größte Sammlung mit Werken des niederländischen Barockmalers besitzt. Natürlich stand es auch im Mittelpunkt der dort anlässlich des Rembrandt-Jahres 2019 präsentierten Ausstellung "Alle Rembrandts", die von Februar bis Juni zu sehen war.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Museum, zu dessen Sammlung es seit 1808 gehört, angekündigt, dass das Gemälde im Anschluss an die Jubiläumsausstellung anlässlich des 350. Todestages Rembrandts einer umfangreichen Restaurierung unterzogen werden würde. Ein notwendiges Unterfangen, denn die vergangenen 377 Jahre sind nicht spurlos an der Nachtwache vorübergezogen.

Rembrandt vollendete Die Nachtwache im Jahr 1642. Es war eine Auftragsarbeit, die für den Festsaal der Schützengilden im Kloveniersdoelen in Amsterdam bestimmt war. Als Motiv wählte er die Kompanie von Kapitän Frans Banning Cocq und Leutnant Willem van Ruytenburgh, was auch im offiziellen Namen des Werks angegeben ist: De compagnie van kapitein Frans Banninck Cocq en luitenant Willem van Ruytenburgh maakt zich gereed om uit te marcheren ("Die Kompanie von Kapitän Frans Banning Cocq und Leutnant Willem van Ruytenburgh macht sich bereit zum Ausrücken"). Die Bezeichnung De Nachtwacht entstand erst im 19. Jahrhundert, als die diversen über die Jahre zum Schutz aufgetragenen Firnisse nachgedunkelt waren. Damals hielt man die dunklen Töne für die ursprünglichen Farben und das Gemälde daher für eine Darstellung der Schützen bei Nacht.

Über siebzig Jahre verblieb das Gemälde im Festsaal der Schützengilden. Als deren Glanzzeit 1715 allmählich zu Ende war, wurde es von dort ins Rathaus von Amsterdam umgesiedelt. Der dort vorgesehene Platz erwies sich jedoch als zu klein für das großformatige Werk. Kurzerhand wurden die Ränder oben und an beiden Seiten großzügig abgeschnitten und das Gemälde auf diese Weise auf noch immer beeindruckende 363 × 437 cm verkleinert. Der Verbleib der abgeschnittenen Leinwandstücke ist leider unbekannt.
Rund hundert Jahre später wurde Die Nachtwache Teil der Sammlung des kurz zuvor gegründeten Rijksmuseums, das nach seinem Umzug von Den Haag nach Amsterdam zunächst im Trippenhuis am Kloveniersburgwal unterkam. Rembrandts Meisterwerk wurde dort in der Großen Halle ausgestellt. 1885 erfolgte der Umzug ins neue Rijksmuseumsgebäude, in dem auch heute noch die wertvollen Exponate der Sammlung gezeigt werden.

Zu einer wahren Odyssee der Nachtwache und zahlloser weiterer Kunstwerke des Museums kam es am Vorabend und während des Zweiten Weltkriegs. Mehrmals wurde der Verwahrungsort in den Niederlanden gewechselt, von Burgen über Bunker bis hin zu Höhlen. Im Juli 1945 konnten die Schätze schließlich an ihren angestammten Platz zurückkehren.
So viele Jahre, Ortswechsel und oftmals mangelhaft ausgeführte Instandsetzungen kann auch ein Meisterwerk von Rembrandt nicht unbeschadet überstehen. Viel gravierender waren jedoch die drei Attentate, die in den vergangenen 100 Jahren auf Die Nachtwache ausgeführt wurden. Jeweils 1911 und 1975 wurde das Gemälde mit einem Messer attackiert. 1990 schüttete ein Mann Säure darauf, was jedoch ohne größere Folgen blieb, dank des beherzten Eingreifens eines Mitarbeiters der Museumsaufsicht.

Jetzt ist es also soweit und alle zugefügten Wunden der Vergangenheit sollen aufgespürt und wenn möglich schonend beseitigt werden, auf das Die Nachtwache wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen kann. Da man das Herzstück des Rijksmuseums jedoch nicht für einen längeren Zeitraum aus der Ausstellung entfernen möchte, hat man sich entschieden, die Untersuchung und die anschließende Restaurierung von Expertenhand in aller Öffentlichkeit, hinter einer gläsernen Kammer durchzuführen. Der Fortschritt der Arbeiten, die am 8. Juli begonnen haben, kann sogar live im Internet verfolgt werden.
Die Restaurierung wird voraussichtlich ein Jahr dauern und 3 Millionen Euro kosten.




