Importiert aus Amerika, entwickelte sich Tabak seit dem späten 15. Jahrhundert zu einer der beliebtesten Handelswaren in Europa. Bereits ein Jahrhundert später warf man auch in China und Japan begehrliche Blicke auf das Produkt, das von portugiesischen Händlern und christlichen Missionaren nach Fernost gebracht wurde.
In china war der Tabakkonsum Ende des 16. Jahrhunderts schon so verbreitet, dass die Kaiser der Ming-Dynastie sich gezwungen sahen, ihn zu unterbinden – wenn nötig auch mit Gewalt. Von einer medizinischen Wirkung des Tabaks waren jedoch alle Schichten der Bevölkerung überzeugt, sodass sich eine Art der Aufbewahrung entwickelte, die schon bald eine eigenständige Kunstform werden sollte: die Schnupftabakflasche.

Während man es in Europa bevorzugte, seinen täglichen Bedarf an Tabak zum Schnupfen, Kauen oder Rauchen in eleganten Dosen mit sich zu führen, entschied man sich in China für kunstvolle Fläschchen, die, über ihre eigentliche Funktion hinaus, schon bald für ihren ästhetischen Aspekt und ihre feine Handwerkskunst verehrt wurden und zudem den symbolischen Wert spiritueller östlicher Traditionen verkörperten.
Das beliebteste Material der Hersteller von Schnupftabakflaschen war Glas, das wie eine Edelstein stundenlang poliert und mit verschiedenen metallischen Oxiden vermischt wurde. Auch Keramik und Porzellan wurden zur Herstellung dieser kleinen Meisterwerke im Laufe der Jahrhunderte verwendet. Als Verschluss diente meist ein Stöpsel aus Jade mit einem winzigen daran befestigten Löffel, mit dem der Flascheninhalt in die Nase befördert wurde. Manchmal sind die Kleinode mit einer Herstellersignatur oder einer Inschrift versehen, die Auskunft über den Zeitraum ihrer Herstellung geben. Die Kaiser des "goldenen Zeitalters" der Schnupftabakflaschenherstellung waren Qianlong (1736-95), Jiaqing (1796-1820) und Daoguang (1821-50).

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Schnupftabakflaschen beliebt, die Innen bemalt waren. Diese Fläschchen bestanden aus Glas oder Bergkristall, das mit einer als Schleifmittel dienenden Mixtur aus Eisenoxiden und Wasser aufgeraut wurde, sodass es den Künstlern möglich war, auf die Innenwänden vielfältige Motive zu malen. Das war eine echte technische Herausforderung, da die Malerei oder Kalligrafie durch den Flaschenhals ausgeführt werden musste. Verwendet wurde dafür ein meist aus Bambus bestehender, rechtwinklig geknickter Pinsel. Die Arbeit an einer einzigen Flasche konnte sich manchmal über Monate hinziehen. Häufige Motive waren mythologische Szenen, Porträts, Gedichte und Bilderrätsel.

Der Gründer der Schule von Peking, Chou Lo-Yuan, gilt als ein Meister in dieser Disziplin, auch wenn der Zeitraum, in dem er sich ihr widmete, 1882 bis 1893, eher kurz erscheint. Sun Hsing-wu, Ma Shao-hsuan, der "Rembrandt" der Schnupftabakflaschen, Yen Yu-t'ien und Yeh Chung-san sind weitere bedeutende Namen auf diesem Gebiet der dekorativen chinesischen Kunst. Auf dem Auktionsmarkt erzielen ihre Kreationen heute zehntausende, wenn nicht sogar hunderttausende Euro.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Flaschen, die bis 1920 hergestellt worden waren – die kunstvolle Produktion fand mit Gründung der Republik China (1912-49) ihr Ende – , bei internationalen Sammlern sehr beliebt. Ein erneutes Interesse kam in den 1960er Jahren auf, vor allem durch die Veröffentlichung des Buches Chinese Snuff Bottles von Lilla Perry, das auch heute noch als Referenz auf diesem Gebiet herangezogen wird. Museen in aller Welt stellten ihre Sammlungen aus der Qing-Dynastie, die sie zuvor jahrzehntelang eingelagert hatten, wieder aus.
Schlussendlich kann man heute wieder sagen, dass diese Fläschchen, auch ohne Inhalt, absolut berauschend sind.









