Eine abwechslungsreiche Offerte mit über 3.300 Losen hat das Zürcher Auktionshaus Schuler für seine letzte Auktion des Jahres 2022 zusammengestellt, die vom 12. bis 16. Dezember stattfinden wird und Kunst und Antiquitäten genauso umfasst wie Uhren, Schmuck und Kunsthandwerk.
Den Auftakt bildet am ersten Auktionstag die Blaue Auktion, die ausschließlich online stattfindet, bevor am 14. Dezember die ersten Lose im Auktionssaal aufgerufen werden, wobei dekorative Objekte im Mittelpunkt stehen.

Eines von ihnen, das in der Kategorie „Jugendstil, Art déco“ zum Aufruf kommt, ist die Porzellangruppe Zwei Griechinnen aus dem Hochzeitszug der KPM Berlin. Der mehrteilige Tafelaufsatz wurde 1904/05 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen mit Cecile zu Mecklenburg-Schwerin von Adolph Amberg entworfen und zeigt den Bräutigam zu Pferd als antiken Krieger und die Braut als Europa auf dem Stier, die sich, von Personen aus unterschiedlichen Regionen der Erde begleitet, aufeinander zubewegen. Der Tafelaufsatz fiel bei Hof jedoch durch und Amberg verkaufte das Modell bald darauf an die KPM Berlin, wo man 1910 mit der Produktion begann. Die vorliegende Figurengruppe stammt aus dieser ersten Serie.

Im Italien des Spätmittelalters und der Renaissance gab es in höheren Kreisen die Tradition des Cassone, also jener aufwendig gestalteten Aussteuertruhe, die der Braut von ihren Eltern in die Ehe mitgegeben wurde und die eine prominente Stellung im Haushalt der Neuvermählten einnahm. Im Gebiet des Oberrheins existierte zu jener Zeit eine ähnliche Tradition, bei der die Braut von ihrem Bräutigam ein Deckelkästchen aus Holz, Leder oder Elfenbein geschenkt bekam. Diese Kästchen werden heute Minnekästchen genannt. Ein solches Minnekästchen aus dem 15. Jahrhundert kommt bei Schuler zum Aufruf. Die reichen Schnitzereien des Nussbaumobjekts zeigen über Gitterwerk die Jungfrau Maria, ein Einhorn, Fabelwesen und eine Gruppe von Affen sowie die Darstellung eines Löwen, der von Fuchs und Bär zum König der Tiere gekrönt wird.

Am 15. Dezember nimmt uns Schuler zunächst mit auf eine Reise nach Fernost. Die Asiatica-Offerte umfasst neben einem famille rose-Cachepot der Qing-Dynastie und einer spannenden Sammlung seltener Holz-Netsuke auch diese fantastische Emaille cloisonné-Schale, die von zwei bronzenen Drachen gehalten wird. Mit großem Interesse blicken die beiden äußerst detailgenau wiedergegebenen Fabelwesen in das polychrom gestaltete Becken, in dem sich unterschiedliche Wassertiere tummeln.
Auch Schmuck kommt an diesem Auktionstag zum Aufruf und das nicht nur in der ihm gewidmeten Kategorie, sondern auch in der hochinteressanten Antiken-Offerte, die einige Schätze aus dem Reich der Pharaonen umfasst, darunter drei Lose mit Weskhet-Halsschmuck, jenen breiten Colliers, die in Ägypten eine lange Tradition hatten.

Eine jüngere Tradition ist die Gestaltung von Broschen in Tierform. Die Mode dieses bezaubernden Nadelschmucks kam in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf und wurde und wird von vielen großen Marken gepflegt. Eine davon ist der französische Juwelier Boucheron, der bei Schuler mit dieser bezaubernden Hunde-Brosche der 1960er Jahre vertreten ist. Mit viel Liebe zum Detail wurde dafür ein Schnauzer aus Gelbgold geformt, dessen Nase aus schwarzem Emaille und die Augen aus Smaragden bestehen. Das emaillierte Halsband ist zusätzlich mit einem Brillant verziert.
Der 16. Dezember, der letzte Auktionstag, ist neben Möbeln, Design und Wein vor allem der Kunst gewidmet, wobei Schweizer und internationale Künstler gleichermaßen viel Beachtung geschenkt wird.

Neben einer von Adolf Dietrich ausgeführten Ansicht von Steckborn vom See aus, muss unter den Schweizer Künstlern vor allem auf ein Werk der Malerin Martha Stettler hingewiesen werden. Stettler lebte seit 1893 in Paris, wo sie Mitbegründerin der Académie de la Grande Chaumière wurde und diese lange Zeit leitete. In den Sommermonaten kehrte sie häufig in ihre Heimat zurück, um die dortige Landschaft zu malen. Doch auch in den Parkanlagen von Paris angesiedelte Kinderszenen gehörten zu ihrem bevorzugten Sujet. Das bei Schuler angebotene Gemälde À la Promenade gehört dazu.

Zum Schluss sei auch noch auf diese um 1530/40 in Flandern geschaffene frühe Genreszene hingewiesen, die der Kategorie der Bauernsatire zugeordnet werden kann. Dargestellt ist ein Bauer, der den Verlockungen der Stadt wohl nicht widerstehen konnte und nun in einem Bordell beim Tric-Trac-Spiel seinen letzten Pfennig verliert. Seine vermutlich gewiefteren Mitspielerinnen lächeln milde, doch ihm sind der Schrecken und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben.
Die Saalauktionen finden im Auktionshaus Schuler, Seestrasse 341, in Zürich statt. Beginn ist an allen drei Tagen um 9 Uhr. Ein Besuch der Ausstellung ist noch bis zum 9. Dezember möglich.



