Jedes Jahr verlegt das in Köln beheimatete Auktionshaus Lempertz seinen Fokus vom Rhein an die Spree und präsentiert mit seiner Berlin-Auktion eine wunderbare Gelegenheit für Sammler von Kunstschätzen, die im Zusammenhang mit der brandenburgisch-preußischen Historie stehen.
Am vergangenen Samstag war es wieder soweit und in der Berliner Dependance von Lempertz kamen 342 Lose mit Gemälden, Kunstwerken aus Silber und Eisenguss sowie Kreationen der KPM Berlin zum Aufruf.

Eines der ersten Highlights, die zum Aufruf kamen, war das Gemälde Allegorie des Hörsinns der Malerin Barbara Rosina Lisiewska-de Gasc, die gemeinsam mit ihrer Schwester Anna Dorothea Therbusch zu den führenden Persönlichkeiten der noch jungen Berliner Kunstszene im 18. Jahrhundert gehörte. Für das vorliegende Gemälde könnte die an der Berliner Königlichen Hofoper auftretende Tänzerin Barbara „Barbarina“ Campanini Modell gesessen oder die Darstellung zumindest inspiriert haben.
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Das Gemälde war zuletzt 2013 bei Sotheby’s für 64.900 GBP (78.140 Euro) versteigert worden. Nun lautete das Ergebnis 126.000 Euro (inkl. Aufgeld), der Schätzpreis hatte bei 80.000-100.000 Euro gelegen.

Das Highlight unter den Eisenguss-Objekten war der sogenannte Warwick-Krater, von dem nur drei bekannte Exemplare existieren. Als Vorlage diente eine Marmorvase aus der Villa Kaiser Hadrians in Tivoli, die im 19. Jahrhundert häufig kopiert wurde, das vorliegende Exemplar vermutlich um 1840 in der Königliche Eisengießerei Berlin. Das Ergebnis in Höhe von 12.600 Euro (inkl. Aufgeld) entsprach genau der Schätzung von 10.000-15.000 Euro.

Unter den wie immer begehrten Schätzen aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin erzielte auch ein seltener Dreiersatz Urbinovasen von ca. 1870 gewissermaßen eine Punktlandung, als er für 15.120 Euro (inkl. Aufgeld; Schätzpreis: 12.000-16.000 Euro) den Besitzer wechselte.
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Schöne Preissteigerungen gab es für eine Kratervase mit Rosengirlanden, die nach einem Modell von Karl Friedrich Schinkel geschaffen wurde (25.200 Euro [inkl. Aufgeld]; Schätzpreis: 10.000-15.000 Euro), sowie für eine bedeutende Porzellankassette und zwei dekorative Wandelemente, die in den 1880er Jahren bei der KPM ausgeführt und mit Weichmalerei verziert wurden.
Eine weitere Preissteigerung gab es für ein Tête à tête, das um 1794 in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg angefertigt wurde und bei dem es sich um ein Geschenk der russischen Kaiserin Katharina II. anlässlich der Geburt der Prinzessin Ida von Sachsen-Meiningen handeln soll (25.200 Euro [inkl. Aufgeld]; Schätzpreis: 8.000-10.000 Euro).

Zu der höchsten Preissteigerung kam es jedoch gegen Ende der Auktion, als Adolph von Menzels Porträtstudie eines Marokkaners von 1878 aufgerufen wurde, deren interessante Geschichte sicherlich zu dem sensationellen Ergebnis beigetragen hat. Am 2. Juni 1878 hatte von Menzel in seinem Atelier die Gelegenheit, einige Männer der ersten marokkanischen Gesandtschaft in Berlin zu zeichnen. Während der Sitzung erhielt er die Nachreicht, dass unweit des Ateliers ein Attentat auf Kaiser Wilhelm I. ausgeübt worden war. Von Menzel machte eine Notiz dazu auf dem vorliegenden Blatt und fügte eine schnelle Skizze vom Gesicht des Kaisers hinzu. Die bis kurz vor der Auktion unbekannte Zeichnung kam mit einem Schätzpreis in Höhe von 6.000-8.000 Euro zum Aufruf, wechselte den Besitzer schließlich jedoch für 201.600 Euro (inkl. Aufgeld).
Update vom 25. April: Das Gesamtergebnis der Auktion beträgt 1.150.000 Euro.
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