Der Siegeszug von Rosa als Modefarbe begann im 18. Jahrhundert, als das verspielte und leichtlebige Rokoko nach zarten Nuancen dürstete. Madame de Pompadour liebte die Farbe sogar so sehr, dass man den in der Porzellanmanufaktur von Sèvres 1757 erfundenen Rosaton nach der königlichen Mätresse benannte. Wurde Rosa damals nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern getragen, wird es seit dem 20. Jahrhundert verstärkt als Farbe für Mädchen eingesetzt. Ob man Rosa nun mag oder nicht, kann man es bestimmt als eine Art „Gute-Laune-Farbe“ bezeichnen, die die Blicke regelmäßig auf sich zieht.
Entdecken Sie nun fünf Porträts von fünf in Rosa gekleideten Frauen aus zwei Jahrhunderten.
Berthe Morisot, Das rosa Kleid, um 1870

Was für ein Gemälde wäre wohl besser geeignet, einen Artikel über Gemälde von rosa Kleidern zu eröffnen, als eines, dessen Titel ein solches beinhaltet? Unter dem Titel The Pink Dress („Das rosa Kleid“) kann besagtes Gemälde im Metropolitan Museum of Art in New York bewundert werden.
Das rosa Kleid wurde ca. 1870 von Berthe Morisot gemalt, die sich in den Jahren zuvor bereits einen Namen als Malerin machen konnte und seit 1864 im Pariser Salon ausstellte. Dabei immer an ihrer Seite war ihre ältere Schwester Edma, die nicht nur selbst malte, sondern auch wiederholt Berthe als Modell diente. Hatten Berthe und Edma bis dahin gemeinsam im Louvre die Alten Meister kopiert und bei verschiedenen Malern, darunter Corot, Privatunterricht erhalten, änderte sich dies, als Edma im März 1869 heiratete und aus Paris fortzog.
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Für Berthe bedeutete das eine gewisse Einschränkung in ihrer Motivwahl, denn eine gutbürgerliche Tochter wie sie es war, durfte sich nicht einfach alleine auf den Weg machen (auch mit Ende Zwanzig nicht). Berthe wandte sich nun verstärkt weiblichen Motiven aus ihrem Familien- und Freundeskreis zu. Das rosa Kleid entstand in Passy und stellt ein Porträt von Berthes Freundin Marguerite Carré dar, die mit ihrer Familie in dem noblen Pariser Vorort eine Villa bewohnte. Gegen ein solches Motiv für eine junge Frau aus gutem Hause (wenn sie denn schon malen musste) hatte tatsächlich niemand etwas einzuwenden.
Der in Passy aufgewachsene Porträtmaler Jacques-Émile Blanche erinnerte sich später an die Entstehung des Porträts, bei der er zugegen gewesen war. Laut ihm dauerte es lange, bis die Malerin, die ständig Details veränderte, mit ihrem Werk zufrieden war, während Marguerite Carré das ganze mit bewundernswerter Geduld ertrug. Ganz so schlimm kann die Erfahrung aber nicht gewesen sein, denn drei Jahre später saß Marguerite ihrer Freundin in einem Ballkleid ein weiteres Mal Modell.
Anna Dorothea Therbusch, Portraitgemälde der Wilhelmine Enke, 1776

Ein Köcher mit Pfeilen, ein Jagdhund, ein Gewehr und erlegte Rebhühner: Das vorliegende Gemälde scheint eindeutig eine Jägerin darzustellen – oder etwa doch nicht? Bei der 1776 von Anna Dorothea Therbusch dargestellten jungen Frau handelt es sich um Wilhelmine Enke, Tochter eines „Königlichen Cammer-Musikus“ Friedrichs II. Vater Enke hatte seine Stelle in Berlin 1762 angetreten, begleitet von seiner Familie, darunter die damals 10-jährige Wilhelmine.
In Berlin lernte Wilhelmine den acht Jahre älteren preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm kennen, der dem jungen Mädchen zunächst eine Ausbildung ermöglichte, bevor sie mit 16 Jahren seine Mätresse wurde. Friedrich Wilhelm wurde damals von seiner ersten Frau geschieden, die es mit der ehelichen Treue genauso wenig genau genommen hatte wir er, jedoch im Gegensatz zu ihm die Konsequenzen zu spüren bekam. Friedrich Wilhelm bekam stattdessen eine neue Ehefrau und sagte Wilhelmine keineswegs Lebewohl.
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Friedrich Wilhelms Onkel, Friedrich II., hatte nur wenig Verständnis für das Verhalten seines Neffen und es sollte bis 1777 dauern, bis er das Verhältnis zwischen Kronprinz und Bürgerstochter akzeptierte. Wohl ein Meilenstein auf dem Weg dahin war eben jenes Porträt, das Wilhelmine auf den ersten Blick als Jägerin darstellt. Doch wie die beiden Tauben über ihr signalisieren, war sie nur auf der Jagd nach Liebe, die sie in Friedrich Wilhelm gefunden hat, denn sie lehnt sich entspannt zurück und hat sogar das Mieder aufgeknöpft, was einen recht intimen Einblick erlaubt. Der Hund an ihrem Arm kann als Symbol jener Treue gedeutet werden, die sie ihrem Geliebten gegenüber geschworen hat.
Wilhelmine und Friedrich Wilhelm bekamen zusammen sechs Kinder, von denen jedoch nur zwei das Kleinkindalter überlebten. Beide erhob Friedrich Wilhelm in den Grafenstand, nachdem er 1786 den preußischen Thron geerbt hatte. Wilhelmine war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr seine Geliebte, aber seine engste Freundin und Beraterin, die sich als Förderin der Künste und Wissenschaft in Preußen engagierte. Mitte der 1790er Jahren bereiste sie ein Jahr lang Italien. Mit vielen Eindrücken und Souvenirs im Gepäck leitete sie anschließend die Erweiterung und Neugestaltung des Marmorpalais in Potsdam, in dem auch heute noch ihr Porträt im Jagdkostüm bewundert werden kann.
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1796 wurde sie als Gräfin von Lichtenau in den Adelsstand erhoben. Doch als Friedrich Wilhelm II. 1797 starb, ließ sein Sohn und Nachfolger, Friedrich Wilhelm III., gegen Wilhelmine wegen Hochverrats ermitteln und zeitweilig sogar in Festungshaft nehmen. All ihrer Besitztümer beraubt, wurde sie aus Berlin verband, wohin sie erst 1809, auf Betreiben Napoleons, zurückkehren durfte und 1820, nach eher bescheiden gelebten letzten Jahren, starb.
Jean-Honoré Fragonard, Die Schaukel, um 1767/68

Auch dieses Gemälde zeigt eine Mätresse, doch im Gegensatz zu dem vorherigen Porträt ist ihr Name unbekannt – ganz im Gegensatz zu dem Gemälde selbst, das eines der berühmtesten Beispiele für die Malerei des Rokoko darstellt.
Auch ist es das berühmteste Werk seines Schöpfers, des französischen Malers Jean-Honoré Fragonard, der sich damals in einer Umbruchphase seiner Karriere befand und von der Historienmalerei ins Genre der frivolen Salonmalerei wechselte. Wie den Aufzeichnungen des Dramatikers Charles Collé (die einzige verfügbare Quelle) zu entnehmen ist, wollte ein Höfling ungenannten Namens gerne ein Porträt von sich und seiner Mätresse haben. Diese sollte, angeschubst von einem Bischof, auf einer Schaukel sitzen, während er selbst ihre wohlgeformten Beine bewundert. Dafür wandte er sich an den Historienmaler Gabriel François Doyen, der den Auftrag jedoch als zu frivol ablehnte, da er gerade dabei war, sich mit religiösen Motiven einen Namen zu machen.
Jetzt kam Fragonard ins Spiel, der den Auftrag wohl als eine Art Zeichen betrachtete, dass er den neu gewählten Weg weiter beschreiten sollte. Das Ergebnis war die Essenz des Rokoko, voller Sinnlichkeit und Wiedersprüchlichkeit, denn trotz des Entzückens, das der rückwärts ins Gebüsch gefallene junge Mann bei dem Blick unter die sich bauschenden Röcke der Schaukelnden auch empfindet, so wird die Szene doch von Falconets L'amour menaçant („Mahnender Amor“) begleitet. Für den geforderten Bischof hatte sich Fragonard allerdings nicht erwärmen können und ihn schlicht durch einen älteren Herrn ersetzt.
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Nach dem namentlich unbekannten Auftraggeber, war François-Marie Ménage de Pressigny, ein Steuereintreiber, der während der Französischen Revolution seinen Kopf verlor, der erste fassbare Besitzer des Gemäldes. 1865 kam es durch Richard Seymour-Conway, 4th Marquess of Hertford nach England, wo es heute Teil der Londoner Wallace Collection ist.
Édouard Manet, Junge Frau im Jahre 1866, 1866

1862 weckte die damals 18-jährige Victorine Meurent mit ihrem kupferfarbenen Haar und ihrer zierlichen Figur die Aufmerksamkeit von Édouard Manet. Meurent hatte zu diesem Zeitpunkt bereits dem Maler Thomas Couture Modell gestanden, jetzt wollte auch Manet ihre jugendliche Schönheit auf die Leinwand bannen.
Manet malte Meurents Porträt und stellte sie in einem grauen Kleid als Straßensängerin und sogar in Hosen als Stierkämpferin dar. Dann fielen die Hüllen und die beiden dabei entstandenen Gemälde wurden 1863 zum Skandal. Die Rede ist von Das Frühstück im Grünen und Olympia, die die entblätterte Meurent in der Rolle einer Kurtisane zeigen, wobei es keinen mythologischen („Venus“) oder biblischen („Susanna“) Hintergrund gibt, der die forsche Nacktheit „entschuldigen“ würde. Auch gibt es kein schamhaftes Niederschlagen der Augen, die Protagonistin blickt den Betrachter geradewegs an.
Nach dieser nervenaufreibenden Zeit zog Manet Victorine 1866 wieder etwas an, nämlich einen bodenlangen Frisiermantel, und platzierte neben ihr einen grauen Sittich. Doch trotzdem stieß das Werk auf eher negative Stimmen, als es im Salon von 1868 gezeigt wurde. Man verglich es mit dem ebenfalls 1866 entstanden Gemälde Frau mit Papagei von Gustave Courbet, das für einen Skandal gesorgt hatte, da die Protagonistin – wie könnte es auch anders sein – in allzu freizügiger Nacktheit dargestellt worden war. Obwohl Manets Werk eigentlich mit Frau in Rosa, Junge Frau oder auch Junge Frau im Jahre 1866 betitelt worden war, erhielt es nun in Anlehnung an Courbets Werk den Namen Frau mit Sittich.
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Neuere Forschungen ziehen die Möglichkeit in Betracht, dass es sich bei Manets Gemälde um eine Darstellung der fünf Sinne handeln könnte: Hören (Sittich), Riechen (Veilchenstrauß), Schmecken (Orange) sowie Sehen und Fühlen (Monokel an einer Schnur).
Franz Xaver Winterhalter, Charlotte von Belgien, 1864

1857 hatte die kaiserliche Familie in Wien Anlass zur Freude, als Ferdinand Maximilian, einer der drei jüngeren Brüder Kaiser Franz Josephs I., seine frischangetraute Ehefrau heimführte. Charlotte war die einzige Tochter von Leopold I., König der Belgier, und besaß neben einer guten Bildung und einem blendenden Aussehen auch ein enormes Vermögen, das sie mit in die Ehe brachte. Letzteres konnte Maximilian nur Recht sein, denn mit Mitte Zwanzig hatte der oftmals verträumte Lebemann schon einen recht ansehnlichen Schuldenberg angehäuft.
In Wien wurde Charlotte allgemein begeistert aufgenommen, außer von einer ganz bestimmten Person: Kaiserin Elisabeth. Tatsächlich waren die beiden Frauen charakterlich so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Im Gegensatz zur stillen Elisabeth liebte Charlotte den Glanz der Repräsentation. Auch hob Charlotte gerne hervor, dass sie die Tochter eines Königs war, während die Kaiserin nur aus einer unbedeutenden Nebenlinie des bayrischen Herrscherhauses stammte. Die Hofgesellschaft, die Elisabeth von Anfang an für ungeeignet gehalten hatte, hatte eine klare Favoritin. Auch was das Aussehen betraf, stellte Charlotte ihre Schwägerin, deren legendäre Schönheit noch im Entstehen war, bisweilen in den Schatten.
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Allzu lange musste Elisabeth mit ihrer ungeliebten Schwägerin jedoch nicht in Wien auskommen, denn Charlotte folgte ihrem Mann nach Triest, wo er als Oberbefehlshaber der österreichischen Kriegsmarine und zwischenzeitlich als Gouverneur von Lombardo-Venetien stationiert war. Gemeinsam lebte man in dem märchenhaften Schloss Miramare, das direkt auf einer Felsenklippe über dem Adriatischen Meer errichtet worden war.
Das Leben hätte für Charlotte und Maximilian so schön und beschaulich verlaufen können, wären beide nicht vom Ehrgeiz gepackt worden. Beide fühlten sich zu Höherem auserkoren und als der französische Kaiser Napoleon III. Maximilian 1863 die Kaiserkrone des damals unter französischer Besetzung stehenden Mexikos antrug, waren beide Feuer und Flamme und machten sich im Jahr darauf auf den Weg in ihr neues Reich. Dort war der Kaiser aus Europa aber nicht überall willkommen. Vor allem der zuvor entmachtete Präsident Benito Juárez hatte noch immer viele Anhänger.
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Als sich Frankreich zwei Jahre später aus Mexiko zurückzog, stand Maximilian und Charlotte das Wasser bis zum Hals. Während Maximilian seinen wackelnden Thron zu halten versuchte, machte sich Charlotte auf den Weg nach Europa, um erst bei Napoleon III. und dann beim Papst um Hilfe zu bitten, was jedoch beide Male erfolglos blieb. Sie erlitt einen Nervenzusammenbruch und büßte nach der Hinrichtung Maximilians am 19. Juni 1867 ihre geistige Gesundheit ein. Für wahnsinnig erklärt, verbrachte sie die letzten 60 Jahre ihres Lebens zurückgezogen auf einem Schloss in ihrer Heimat Belgien.




