Als der britische Maler Joseph Mallord William Turner 1819 erstmals Italien besuchte, war das eine Reise, die sein Werk maßgeblich beeinflusste. Er war bereits 44 Jahre alt, doch hatten die Napoleonischen Kriege es britischen Staatsbürgern bis 1815 praktisch unmöglich gemacht, das für die Kunst so bedeutende Land bereisen zu können. Besonders Rom faszinierte Turner – jene Ewige Stadt, in der Antike und Gegenwart aufeinander treffen, getaucht in ein warmes, weiches Licht, das er nirgendwo sonst vorgefunden hatte. Es entstanden zahlreiche Skizzen, die er nach seiner Heimkehr nach England in Gemälden verarbeitete, die ihn nicht nur als hervorragenden Landschaftsmaler, sondern auch als „Meister des Lichts“ auswiesen.
Lesen Sie auch: William Turner, der Meister des Lichts
1828 reiste William Turner ein zweites Mal nach Rom. Dieses Mal nutzte er seinen Aufenthalt, um direkt vor Ort Leinwandgemälde auszuführen und sie dem internationalen Publikum, das in der Stadt weilte, zu präsentieren.
Doch entstanden natürlich auch bei diesem Aufenthalt zahlreiche Skizzen, Studien und Aquarelle, und einige davon nutzte er, als er von seinem langjährigen Förderer Hugh Andrew Johnstone Munro of Novar den Auftrag erhielt, ein Gemälde zu schaffen, dass das Alltagsleben des modernen Rom genauso einzufangen vermochte, wie dessen antike Glanz. Das Ergebnis war Rome, from Mount Aventine, das bei seiner ersten öffentlichen Ausstellung 1836 in der Royal Academy auf gemischte Kritiken stieß.
Lesen Sie auch: Bei einer Online-Bewertung identifizierter Turner bei Christie's versteigert

Nicht jedes Gemälde, das Turner in seinem Auftrag ausführte, stieß auf das Wohlwollen Munros, Rome, from Mount Aventine jedoch schon und er behielt es bis zu seinem Tod im Jahr 1864. Anschließend wurde seine Sammlung nach und nach verkauft, Rome, from Mount Aventine kam 1878 bei Christie’s London unter den Hammer. Käufer war Archibald Primrose, 5th Earl of Rosebery (britischer Premierminister von 1894 bis 1895), der es anlässlich seiner Hochzeit mit der Erbin Hannah de Rothschild erwarb. Erst 2014, nach 136 Jahren in Familienbesitz, wurde das Gemälde erneut versteigert, wieder in London, dieses Mal jedoch bei Sotheby’s. Als eines der besten Arbeiten aus Turners Spätwerk und nur eines von wenigen seiner bedeutendsten Gemälde in Privatbesitz, erzielte Rome, from Mount Aventine auch prompt einen neuen Auktionsrekord für seinen Schöpfer, der 30,3 Millionen GBP betrug (Schätzpreis 15-20 Millionen GBP).
Lesen Sie auch: Tipus Tiger: Was ist denn das?
Am 9. Dezember wird Rome, from Mount Aventine im Zuge der „Old Master & 19th Century Paintings Evening Auction“ in den Auktionssaal von Sotheby’s London zurückkehren; dieses Mal mit einer preislichen Erwartung im Bereich von 50 Millionen GBP, was den noch immer gültigen Rekord von 2014 deutlich übertrifft.
„Kaum ein Gemälde vermag Turners Genie so lebendig und umfassend einzufangen wie diese außergewöhnliche Vision der zeitlosen Schönheit Roms. Das Werk entstand auf dem Höhepunkt seines Schaffens und zeugt von bemerkenswertem Ehrgeiz, Schönheit und Innovationskraft – es hat nicht nur Turners eigenes Lebenswerk, sondern den gesamten Verlauf der modernen Malerei maßgeblich geprägt. Turners Einfluss ist unermesslich. So gut wie jeder Künstler, der seit Turner zum Pinsel gegriffen hat, verdankt seiner Vision etwas; sein Einfluss auf die Entwicklung der modernen Kunst bleibt bis heute unübertroffen. Ebenso haben nur wenige Städte die Kunst und Kultur so stark geprägt wie Rom. Es ist ein absoluter Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn, dieses wegweisende Meisterwerk in jene Stadt zurückbringen zu dürfen, die vor fast zwei Jahrhunderten zu seiner Entstehung inspirierte“, sagte Julian Gascoigne , Senior Specialist, British Paintings, Sotheby’s London, anlässlich der Enthüllung von Turners Meisterwerk in Rom am 29. September.
Nach der Präsentation in Rom, jener Stadt, in der das Gemälde Ende der 1820er Jahre konzipiert und möglicherweise bereits auf seine Leinwand übertragen wurde, wird Rome, from Mount Aventine vom 21.-27. Oktober in Hongkong und vom 7.-19. November in New York gezeigt werden, bevor es ab dem 3. Dezember in den Ausstellungsräumen von Sotheby’s in London sicherlich viele Besucher anlocken wird.
Entdecken Sie weitere Neuigkeiten vom Auktionsmarkt im Barnebys Magazine!

