Joseph Mallord William Turner wurde 1775 in London geboren. Der Sohn eines Friseurs erhielt schon in jungen Jahren Unterricht im Zeichnen und erwies sich als begabt. Ende der 1780er Jahre assistierte er Architekten und Graveuren, 1789 erhielt er ein Stipendium der 21 Jahre zuvor gegründeten Royal Academy of Arts.

So gefördert konnte der erst 15 Jahre alte William Turner 1790 seine ersten Aquarelle ausstellen. Werke wie Fischermen at Sea von 1796 und Moonlight von 1797 deuteten die seltene Meisterschaft Turners in der Beherrschung des Lichts bereits an. Durch sein Gemälde Dutch Boats in a Gale stieg Turner 1802 in die Rieger der ersten Maler auf und wurde Mitglied der Akademie.

1802 begann Turner, Europa zu bereisen. Im Laufe seines Lebens sollte er immer wieder an bestimmte Orte zurückkehren, um deren Energie besser einfangen zu können, die er für seine Motive, die er hin und wieder erst Jahre später aus dem Gedächtnis malte, benötigte. Doch malte er auch direkt am Ort seines Motivs, vor allem an den Ufern der Themse.

Nicht selten wird übersehen, dass William Turner auch ein Historienmaler war. Sun Rising through Vapour von 1807 zeugt von klassischen Vorbildern wie Claude Lorrain und Nicolas Poussin. Einen bedeutenden Einfluss auf sein Œuvre hatten Seestücke niederländischer Barockmeister: Schiffe und Schiffswracks faszinierten ihn. 1814 malte er jedoch Dido building Carthage, das er selbst als sein Meisterwerk bezeichnete. Zu jener Zeit begann die große Mode der englischen Romantik. Inspiration fand Turner auch bei seinen zeitgenössischen Kollegen, darunter John Constable, William Blake, Thomas Lawrence, Johann Heinrich Füssli, Francis Barlow, Thomas Gainsborough, Richard Wilson oder Benjamin West.
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Sein Einfallsreichtum explodierte. Auf der Leinwand nutzte er die Flecken und Mängel des Papiers aus. Dank des Fortschritts der Industrie konnte er neue Farben mit kobaltblauen und gelben Pigmenten verwenden. In Frosty Morning von 1813 brachte er mit einer gebleichten Leinwand das Morgenlicht zum Vorschein. Viele Werke aus den Jahren 1810 bis 1820 tränkte er mit fiebrigen Schimmern, z.B. Mortlake Terrace von 1827. Seine Arbeiten zeugten von einem starken Interesse an Goethes und Newtons wissenschaftlicher Erforschung der Farben.

Turner fand seine Motive auf seinen Reisen durch Frankreich, Italien und die Schweiz, wo er das Chamonix Valley 1814 genauso malte wie 1817 Eruption of Vesuvius. In Hannibal and his army crossing the Alps von 1822 wurde die Auflösung der Formen und das in großartigen Kompositionen freigesetzte Licht bereits deutlich. Turner begann mit Kontrasten aus Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Distanz und Nähe, Gewalt und Stille zu spielen.

Im Oktober 1834 wurde er gemeinsam mit tausenden anderen Londonern Zeuge des Brandes des House of Parliament, den er in Skizzen festhielt und später in zwei Ölgemälden umsetzte. Die beiden Arbeiten unterstrichen den zunehmend schemenhaften Stil Turners, der vom Symbolhaften und der Faszination für Naturgewalten beeinflusst wurde.

Der oft nur wie hingeworfene Stil im Spätwerk Turners, bei dem der Maler die Formen erst im Nachhinein aus den auf die Leinwand aufgebrachten Farben löste wird besonders in seinem berühmten Gemälde Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway von 1844 deutlich. Turner war - im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen - ein Befürworter moderner Technik, die er hier mit seinem mystischen Stil zu vereinen verstand.
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Turner war nun auf dem Höhepunkt seines Könnens, jedoch fanden nicht viele seiner Zeitgenossen Zugang zu seiner Technik. Dem ohnehin ein wenig exzentrische Turner wurde dadurch hin und wieder sogar eine gewisse Verrücktheit unterstellt.
Nachdem William Turner am 19. Dezember 1851 an der Cholera verstorben war, wurde er neben Joshua Reynolds in der St Paul's Cathedral bestattet. Seine Werke und sein Vermögen vermachte der dem Staat, der damit Künstler in Not unterstützen sollte. Natürlich gingen die Erben, Cousins des unverheiratet gebliebenen Künstlers, dagegen vor.

Turners lichtdurchfluteter Malstil blieb vielen seiner Kollegen ein Rätsel. Doch griff mit den Impressionisten wie Monet und Pissarro schon bald eine neue Künstlergeneration seine Arbeiten auf und ließ sich von ihnen zu Neuem inspirieren. Dies traf auch auf die späteren Fauvisten und Expressionisten zu, weshalb Turner, ähnlich wie Caspar David Friedrich, als Vorreiter der Moderne betrachtet wird.
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Zum aktuell teuersten Werk Turners auf dem Auktionsmarkt wurde 2010 Modern Rome - Campo Vaccino von 1839, als es im Juli 2010 bei Sotheby's in London für rund 36 Millionen Euro versteigert wurde und seitdem im Getty Museum in Los Angeles ausgestellt wird.




