Im Jahr 1707 entstand mit dem Act of Union das Königreich Großbritannien, brach der Mount Fuji zum bislang letzten Mal aus und erblickten mit Buffon, Linné und Senckenberg gleich bedeutende Naturforscher das Licht der Welt. Im sächsischen Leipzig schuf derweil ein nicht zu identifizierender Kunsttischler diesen außergewöhnlichen Wellenschrank aus Nussbaum mit Ahornintarsien, wie die seltene eingelegte Datierung im Bogengiebel verrät.

Der barocke Wellenschrank scheint seinen Ursprung im Frankfurter Raum zu haben, wurde aber auch andernorts angefertigt, beispielsweise in Sachsen. Das vorliegende prachtvolle Exemplar in bemerkenswert authentischem Erhaltungszustand soll einst als Registraturschrank innerhalb der hochrangigen sächsischen Gerichtsbarkeit gedient haben. Dafür geeignet machten ihn die 33 nummerierten Schubfächer im zweiteiligen Korpus, die hinter vier Türen verborgen wurden.
Der hochinteressante Schrank wird Ende des Monats im Münchener Auktionshaus Neumeister versteigert und ist Teil der Offerte mit Kunsthandwerk und Antiquitäten, die die Juni-Auktionen des Hauses am 28. Juni um 14 Uhr eröffnet.
Nachdem der erste Auktionstag um 16 Uhr noch Schmuck im Angebot hat, konzentriert sich der 29. Juni voll und ganz auf gemalte und gedruckte Kunst. Zum Auftakt darf ab 14 Uhr auf Gemälde und Graphiken vom 15. bis 20. Jahrhundert mitgeboten werden.

Der alte Trinker, Der Riecher, Der Schnapsriecher, Der alte Dorfmusikant: Diese Titel erscheinen allesamt geeignet für das vorliegende Gemälde von Lovis Corinth, das einen alten Mann im roten Rock und Zylinder auf dem Kopf darstellt, der, einen Geige unterm Arm, sich eine mit einer klaren Flüssigkeit gefüllte Flasche unter die Nase hält. Das Gemälde ist auf das Jahr 1889 datiert und dürfte in Corinths Heimatstadt Königsberg entstanden sein, denn laut Corinths Ehefrau Charlotte handelt es sich bei dem Dargestellten um „den alten Thiele“, ein altbekanntes Königsberger Modell.
Lovis Corinth war zu jenem Zeitpunkt noch stark von Realisten wie Gustave Courbet beeinflusst, deren Werke er während seiner Aufenthalte in Paris kennengelernt hatte. Kurz darauf zog er, nachdem er mit der ebenfalls 1889 entstandenen Pietà einen kleinen Erfolg für sich hatte verbuchen können, nach München und schließlich weiter nach Berlin, wo er als Vertreter der Secession zu einem impressionistischen Stil wechselte, in dem er mit kräftigem Pinselstrich die Formen allmählich auflöste.

Der Strahlenkranz der auf- oder untergehenden Sonne ist ein wiederkehrendes Motiv im Œuvre des Malers Otto Pilny. Als Setting für diese in warme Farben getauchte Landschaftsbilder wählte er die Wüsten Nordafrikas, die er bereits mit 19 Jahren kennengelernt hatte, als er nur in Begleitung eines Hundes auf einer Karawanenstraße von Kairo nach Tripolis gereist war. Die Wüste und ihre Bewohner ließen ihn Zeit seines Lebens nicht mehr los und er wandte sich als Maler dem damals beliebten Orientalismus zu, der die romantischen Vorstellungen der Europäer vom Orient in oftmals erotischen Szenen bediente. Doch auch im Orient selbst konnte Pilny Erfolge feiern. So ernannte ihn Abbas II. Hylmi Pascha, der Vizekönig von Ägypten, zu seinem Hofmaler.
Einen Szenenwechsel von der Wüste Nordafrikas in die Bergwelt Tirols vollziehen wir nun, indem wir uns den Losen der modernen und zeitgenössischen Kunst zuwenden, die ab 16:30 Uhr zum Aufruf kommen.

Hier ist als Top-Los der gesamten Juni-Offerte von Neumeister das Gemälde Schwarzsee bei Kitzbühel zu nennen, das Alfons Walde im Jahr 1933 ausgeführt hat. In seiner typische Manier hat Walde hier die idyllische Landschaft der Tiroler Alpen vor einer in Blautönen gehaltenen, beeindruckenden Bergkulisse, in diesem Fall der Wilde Kaiser, in Szene gesetzt.
Mit den Bildern seiner Tiroler Heimat machte Walde Werbung für die Region rund um Kitzbühel als Touristenregion, wofür er gleichermaßen Sommer- und Wintermotive wählte. Der Schwarzsee taucht häufig auf den Postkarten auf, die Walde mit seinem eigenen Verlag vertrieb. Er zählt zu den Tiroler Moorseen und ist auch heute noch ein beliebtes Erholungsgebiet. Auch zu Waldes Zeiten war das bereits der Fall, wie die kleineren Szenen mit Badegästen, die er vom Schwarzsee schuf, belegen.

Ein deutlich kleineres Gewässer, nämlich eine Blumenvase, wurde 1929 von Václav Spála in Szene gesetzt. Blau ist die dominierende Farbe in dem für den Maler typischen Stillleben und ab 1927 auch generell in seinem Œuvre. Spála gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der tschechischen Avantgarde, dessen Werk von den Fauvisten und vom Kubismus geprägt war.

Last but not least kommt die Serigrafie Banksquiat (Grey) zum Aufruf, die die Juni-Auktionen von Neumeister abschließt. Mit der auf 300 Exemplare limitierten Arbeit von 2019 setzte sich Banksy ein weiteres Mal kritisch mit der Kommerzialisierung der Kunst auseinander, indem er die Krone, ein typisches Symbol Jean-Michel Basquiats, der wie Banksy die zunehmende Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche abgelehnt hatte, verwendete.
Die Versteigerungen finden am 28. und 29. Juni im Kunstauktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 22.-26. Juni möglich.
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