Gestern war es Raffaels Sixtinische Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, am vergangenen Sonntag die Scrovegni-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert im norditalienischen Padua, die von der Gruppe Ultima Generazione (bzw. deren Ableger Aufstand der letzten Generation in Dresden) für ihre Protestaktionen gegen die Nutzung fossiler Brennstoffe ausgewählt wurden. Mitgliedern der Gruppe war es möglich, 30 Minuten in der mit Fresken von Giotto ausgeschmückten Kapelle zu verbringen, bevor sie von der Polizei in Handschellen abgeführt wurden. Nach der Aktion in der UNESCO-Welterbestätte kommentierte die Gruppe: „Wir fordern die Museumsmitarbeiter auf, mit uns zu streiken und sich klar gegen die Nutzung fossiler Energien zu positionieren und sich auch für unser kulturelles Erbe einzusetzen“, wie The Art Newspaper berichtete.

Die beiden Proteste folgten einer Reihe ähnlicher Interventionen in ganz Italien. In der vergangenen Woche klebten sich Mitglieder der Gruppe an den Sockel der Laokoon-Gruppe in Rom, die um 40 v. Chr. geschaffen wurde und eine der berühmtesten antiken Skulpturen in der Sammlung der Vatikanischen Museen darstellt. Am 5. August klebten sich weitere junge Aktivisten in Mailand an eine Skulptur des Futuristen Umberto Boccioni. „Der Fortschritt, auf den die Futuristen gehofft haben, ist derselbe, der uns jetzt zum Massensterben führt“, erklärte die Gruppe in einem Pressestatement. Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage, nachdem Ultima Generazione das um 1480 von Sandro Botticelli ausgeführte Renaissancegemälde Primavera ins Visier genommen hatte, welches in den Uffizien in Florenz ausgestellt wird. Bei jeder Aktion stellte die Gruppe sicher, dass das jeweilige Kunstwerk nicht beschädigt wird. Im Falle des Botticelli-Werks klebten sich die Demonstranten an die Glasscheibe, die das Gemälde schützt, nachdem sie Restaurateure um Rat gefragt hatten.
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Das Ziel von Ultima Generazione ist es, gewaltfreie Aktionen zivilen Ungehorsams zu inszenieren, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Sie formulieren ihre Forderungen schlicht und einfach und fordern die italienische Regierung auf, „die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kohlekraftwerke sofort zu stoppen und das Projekt neuer Bohrungen für die Erforschung und Gewinnung von Erdgas zu stornieren“ sowie „die Solar- und Windenergie in diesem Jahr um mindestens zu 20 GW zu erhöhen, um Tausende neuer Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien zu schaffen, wodurch den Arbeitern der fossilen Industrie geholfen wird, eine Beschäftigung in nachhaltigeren Jobs zu finden.“
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Ultima Generazione hat sich von einer Reihe ähnlicher Aktionen in ganz Großbritannien inspirieren lassen, die am 29. Juni begannen, als sich zwei Demonstranten im Kelvingrove Museum and Art Gallery in Glasgow an ein Gemälde von Horatio McCulloch aus dem 19. Jahrhundert klebten. Die Aktivisten gehörte der in Großbritannien ansässigen Klimabewegung Just Stop Oil an, die, ähnlich wie Ultima Generazione, die britische Regierung auffordert, die neue Lizenzierung und Produktion fossiler Brennstoffe einzustellen. Nach dem Vorfall in Glasgow wurden ein Gemälde von William Turner in der Manchester Art Gallery, ein Gemälde von Vincent van Gogh in der Londoner Courtauld Gallery sowie das Gemälde The Hay Wain (1821) von John Constable in der Londoner National Gallery ins Visier genommen. Der bislang letzte Protest im Vereinigten Königreich fand am 5. Juli in der Royal Academy in London statt, wo sich Aktivisten an Giampietrinos Das letzte Abendmahl (um 1520) klebten. Im Mai hatte ein Mann im Louvre die Glasabdeckung, die Leonardo da Vincis Mona Lisa schützt, mit Kuchen beschmiert und behauptete später, er habe dies im Namen des Klimawandel-Aktivismus getan.
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Die Proteste mit den Kunstwerken mögen Außenstehenden bizarr erscheinen, doch folgen die Gruppen einer klaren Logik: „So wie wir unser künstlerisches Erbe verteidigen“, sagte Ultima Generazione in einer Online-Erklärung, „sollten wir uns für den Erhalt und den Schutz des Planeten, den wir mit dem Rest der Welt teilen, engagieren. Kunst hatte schon immer einen wichtigen Wert, um Schönheit zu vermitteln, Kulturen zu vereinen und die besten Ausdrucksformen der Menschheit zu bewahren. So sollte es auch jetzt sein.“ Sowohl Ultima Generazione als auch Just Stop Oil sollen vom Climate Emergency Fund finanziert werden, einer in Los Angeles ansässigen Organisation, die Umweltaktivismus „durch Protest, Störung und gewaltfreie direkte Aktionen“ unterstützt, wie ein Sprecher von CEF mitteilte. Die Befürworter haben deutlich gemacht, dass sie nicht aufhören werden, bis die Regierung Maßnahmen ergreift.




