Die Auktionswochen in Frühjahr und Herbst sind die prestigeträchtigsten Events, die das Wiener Dorotheum jedes Jahr präsentiert. In dieser Woche stand die Classic Week auf dem Programm, die erstklassige Werke Alter Meister und des 19. Jahrhunderts sowie Antiquitäten von höchster Qualität umfasste. Hinzu kam als besonderes Highlight die Versteigerung einer bedeutenden Sammlung von Cartier-Schmuckstücken.
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Gleich die erste Auktion der Reihe, „Möbel, Antiquitäten, Glas & Porzellan“ am 20. Oktober, konnte mit einer Sensation aufwarten, als mit der Losnummer 980 die Marmorbüste einer Donna Velata zum Aufruf kam, die erst vor Kurzem dem italienischen Bildhauer Antonio Corradini (1688-1752) zugeschrieben wurde. Geschätzt auf 12.000-16.000 Euro steigerten gleich mehrere Interessenten die Skulptur schließlich auf 1.925.000 Euro (alle Ergebnisse inklusive Aufgeld), was einem neuen Weltrekord für Corradini entspricht. Die anspruchsvolle Darstellung verschleierter Frauenfiguren waren ein Spezialgebiet Corradinis, der in späteren Jahren zum kaiserlichen Hofbildhauer in Wien ernannt wurde.

Auf ein großes internationales Interesse stieß auch die Versteigerung von Gemälden Alter Meister am darauffolgenden Abend. Mit 520.000 Euro erzielte das erst kürzlich wiederentdeckte Gemälde Die Karlskirche, Wien von Bernardo Bellotto den höchsten Preis der Auktion (Schätzpreis 400.000-600.000 Euro). Für jeweils 429.000 Euro wechselten Halbfiguriges Porträt eines Kindes von Frans Pourbus dem Jüngeren (Schätzpreis 200.000-250.000 Euro) sowie das Brustbild eines Mannes in Frauenkleidern, das im 18. Jahrhundert in Frankreich entstanden war (Schätzpreis 12.000-18.000 Euro), den Besitzer.

Bei der dargestellten Person handelt es sich laut Überlieferung um Charles d’Eon de Beaumont, genannt Le Chevalier d’Eon (1728–1810), eine der schillerndsten Figuren des 18. Jahrhunderts. D’Eon arbeitete als Spion für König Ludwig XV. und erhielt von diesem für London geheime Aufträge abseits der offiziellen diplomatischen Beziehungen. Als es zum Konflikt kam, brachte d’Eon nicht nur geheime Staatspapiere an sich, die er teilweise veröffentlichte, sondern begann auch Frauenkleider zu tragen, wobei die Motivation dahinter nicht eindeutig ist. Als es ihm 1777 gestattet wurde, nach Frankreich zurückzukehren, wurde ihm vom neuen König, Ludwig XVI., auferlegt, künftig ausschließlich als Frau aufzutreten.
Als White Glove Sale endete die Auktion „The Art of Luxury“ am Nachmittag des 22. Oktober, nachdem sämtliche der 100 Lose verkauft worden waren. Neben 17 exklusiven Handtaschen von Hermès kamen vor allem Schmuckkreationen von Cartier zum Aufruf, die bis zur Auktion die größte Cartier-Schmucksammlung im deutschsprachigen Raum gebildet hatten.

Mit 221.000 Euro das höchste Ergebnis der Offerte erzielte ein Diamantcollier mit einem unbehandelten Madagaskar-Saphir von 10,16 ct (Schätzpreis 60.000-120.000 Euro). Es folgten ein Ring mit einem unbehandelten Vietnam-Rubin von 5,50 ct (202.500 Euro; Schätzpreis 60.000-120.000 Euro), ein Ring mit einem Fancy Yellow Diamant von 7,02 ct (201.500 Euro; Schätzpreis 60.000-120.000 Euro) sowie ein aus Cartiers Panthère-Kollektion stammender Armreif, der 169.000 Euro erzielte (Schätzpreis 40.000-80.000 Euro).

„Es war ein Privileg, diese außergewöhnliche Sammlung, die über 25 Jahre gewachsen ist und mit großer Sorgfalt dokumentiert wurde, zu betreuen. Die hohen Ansteigerungen zeigen, dass Sammlerinnen und Sammler insbesondere Marktfrische, herausragende Qualität und renommierte Marken zu schätzen wissen“, sagt Philipp Demeter, Leiter der Juwelenabteilung und Auktionator.
Auch die Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“, die die Classic Week am Donnerstagabend abrundete, hatte eine Sensation zu bieten, die einen weiteren Weltrekord mit bemerkenswerter Preissteigerung darstellte.

Vorab der Auktion war Rosiger Traum des kroatischen Malers Vlaho Bukovac (1855-1922) auf 30.000-40.000 Euro geschätzt worden. Das Werk wurde erst kürzlich in einer europäischen Privatsammlung entdeckt und stellt eine kleinere Version von Bukovacs großformatigem Gemälde gleichen Namens dar, welches eines der bekanntesten Motive aus seiner Prager Zeit ist und sich heute im Weißen Palast in Belgrad befindet. Der „kleine Traum“ war einem Bieter im Saal schließlich 475.800 Euro wert.
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