Pop Art, Polkadots und Kürbisse: Der kreative Geist Yayoi Kusamas steckt hinter einigen der allgegenwärtigsten und Instagram-fähigsten Konzepte der zeitgenössischen Kunst. Die exzentrische japanische Künstlerin mit einer komplexen Persönlichkeit gehört zu den am teuersten gehandelten Vertreterinnen ihrer Zunft, die bereits in der Pop Art-Bewegung der 1960er Jahre Ruhm erlangte und sich dafür weitestgehend von Halluzinationen beeinflussen ließ. Ihr produktives Œuvre, in dem Pop Art-Einflüsse, leuchtende Farben, geometrische Abstraktion und innovative Installation miteinander verschmelzen, hat die zeitgenössische Kultur infiltriert und sie als visuelle Pionierin etabliert.
Yayoi Kusama wurde am 22. März 1929 im japanischen Nagano geboren. Ihre Kindheit war eine Herausforderung und sollte später Einfluss auf ihre Kunst haben. Die Ehe ihrer strengen Eltern war unglücklich, nicht selten verlangte Kusamas Mutter von ihrer Tochter, den Vater bei seinen außerehelichen Aktivitäten hinterher zu spionieren. Dies führte bei dem Mädchen zu einer anhaltenden obsessiven Angst vor Sexualität, die sich später in ihren skulpturalen Installationen manifestierte. Zudem halluzinierte sie von Visionen mit Punktfeldern und hellen Farbblitzen, die die grenzenlosen Muster und unendlichen Räume ihrer Kunst inspirierten.

Im Alter von 19 Jahren begann sie ein Studium an einer Kunstschule in Kyoto und beschäftigte sich mit Nihonga, der Wiederbelebung der traditionellen japanischen Kunst im 20. Jahrhundert. Da sie sich jedoch noch stärker für die europäische und amerikanische Avantgarde interessierte, brach sie ihr Studium vorzeitig ab. Ihre frühen Arbeiten, die sie in den 1950er Jahren in Tokio als Aquarelle, Gouachen und Ölbilder anfertigte, zeigen leuchtende, intensive Farben mit Ansammlungen von Tupfen – eine Aufarbeitung ihrer früheren Träume, deren Unendlichkeit sie nun auf den begrenzten Platz einer Leinwand bannte.

Auf Anregung Georgia O'Keeffes zog Kusama 1957 nach New York City, wo sie enge Freundschaften mit Künstlern wie Donald Judd, Eva Hesse und Joseph Cornell schloss. In der amerikanischen Metropole umfasste ihr Œuvre Gemälde, Installationen und Skulpturen, in denen sie ihre Ängste vor Sexualität, ihre Besessenheit von der Unendlichkeit mit Tupfen und Farben aufarbeitete: In ihrer Serie Accumulation füllte sie Räume mit amorphen, phallischen Objekten, Spiegel nutzte sie als Manifestation der Unendlichkeit, die sie für ihre raumfüllenden Installationen mit den endlosen Licht- und Farbfeldern ihrer jugendlichen Visionen nutzte.
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Zu großer Bekanntheit verhalfen Kusama ihre "Happenings", darunter eines 1969 im Skulpturengarten des MoMA, bei dem sie dort nackte, mit Tupfen bemalte Menschen "installierte". Die Themen, die sie behandelte waren nicht selten kontrovers: So protestierte sie gegen den Vietnamkrieg und kritisierte die geldgetriebene Kunstwelt. 1966 nahm sie inoffiziell an der Biennale in Venedig teil, als sie im Rahmen ihrer Serie Narcissus Bilder von sich selbst auf silbernen Kugeln verkaufte.

Nachhall von Kusamas Œuvre findet sich in Werken von Künstlern wie Andy Warhol und Claes Oldenburg, die sich von ihren sich wiederholenden Darstellungen, ihren Mustern und sanften Skulpturen inspirieren ließen.
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Einige Jahre nach ihrer Rückkehr nach Japan 1972 ging Kusama in eine psychiatrische Klinik, in der sie seitdem lebte. Sie malte mit Acrylfarben auf Leinwand und schrieb in den 1980er Jahren surrealistische Romane und Gedichte, während sie immer wieder von Schüben ihrer psychischen Erkrankung und Selbstmordgedanken herausgefordert wurde.

1993 kehrte sie auf der Biennale in Venedig, auf der sie Japan vertrat, wieder zu großer Anerkennung zurück und stelle erstmals ihre mittlerweile legendären Kürbisse vor, die sie wegen ihrer "humorvollen Form, ihres warmen Gefühls und ihrer menschenähnlichen Eigenschaften" liebte. Seitdem sind ihre Arbeiten ungemein populär geworden, vor allem im letzten Jahrzehnt, in dem sich Selfies aus ihren Infinity Rooms auf Instagram verbreitet haben.

Ihre Motive haben viele Bereiche der Gesellschaft durchdrungen, von der Mode und Wohnkultur bis hin zu Film und Performance. 2012 arbeitete Yayoi Kusama mit Louis Vuitton zusammen, um Taschen, Accessoires und andere Dinge für die Luxusmarke zu entwerfen, wobei sie Mainstream-Mode mit ihren wienerkennbaren Mustern verband. Ihre Kunstwerke werden in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt, darunter das MoMA, das LACMA, das Tate Modern, das Centre Pompidou sowie in Kusamas eigenem Museum in Tokio. 2014 wurde sie zur drittteuersten lebenden Künstlerin, als das 1960 entstandene White No. 28 aus ihrer Infinity Nets-Serie bei Christie's für 7,1 Millionen US-Dollar verkauft wurde.
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Im Jahr 2017 wurde im Hirshhorn Museum in Washington, D.C., eine große 50-Jahre-Kusama-Retrospektive gestartet, wodurch ihre Infinity-Spiegelräume in bedeutenden Museen auf der ganzen Welt installiert wurden. Im selben Jahr wurde das Yayoi Kusama Museum in Tokio eröffnet, das eine Vielzahl ihrer Arbeiten zeigt, von Siebdruck über Acryl bis hin zu ihren berühmten Kürbissen.

Während ihrer viele Jahrzehnte umfassenden Karriere hat Yayoi Kusama die Kunstszene und die Popkultur stark geprägt. Ihre avantgardistische Vision hat eine visuelle Sprache geschaffen, die eindeutig ihre eigene ist: psychedelische Farbschemata, Spiegelräume, in denen Licht und Skulpturen unendlich existieren, und Kunst, die Tupfenmuster und amorphe Formen umfasst. Wie sie selbst sagte: "Ich, Kusama, bin die moderne Alice im Wunderland."
Yayoi Kusama starb am 14. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Tokio.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 19. Juli 2019




