Das lange coronabedingte Warten hat ein Ende: Vom 4.-10. Juni findet endlich die erste Auktionswoche des Dorotheums in Wien statt. Und man kann sagen, das Warten hat sich gelohnt! Denn die vier Auktionen mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, Schmuck und Kunsthandwerk haben so manches Highlight im Angebot.
Zuvorderst muss in der Offerte Alter Meister (9. Juni, 16 Uhr) auf das Andachtsbild Anbetung der Könige des flämischen Meisters Pieter Coecke van Aelst hingewiesen werden, das nicht nur mit seiner Qualität, sondern auch mit seiner Provenienz überzeugt. Das auf Holz gemalte Ölgemälde war ab 1840 für zehn Jahre Teil der Sammlung des niederländischen Königs Wilhelm II. und später im Besitz der Fürsten zu Wied.

Die Anbetung der Könige wurde lange Zeit anderen Meistern zugeschrieben, darunter Lucas van Leyden. Aufgrund von Vergleichen und Untersuchungen wird es mittlerweile dem Œuvre Pieter Coecke van Aelst zugeordnet. Van Aelst malte das herausragend komponierte und ausgeführte Gemälde vermutlich um 1523 als Abschluss seiner Gesellenzeit. Vermutlich war es für eine private Kapelle oder einen Andachtsraum gedacht gewesen.
Mit einem Schätzpreis von 400.000-600.000 Euro könnte der bisherige Rekord Pieter Coecke van Aelst von 549.290 Euro durchaus übertrumpft werden.

Im Gegensatz dazu ist Die Buße des heiligen Dominiks vermutlich dem Spätwerk des Barockmalers Jusepe de Ribera zuzuordnen, der als gereifter Künstler die Ikonografien der Heiligen Dominikus, Franziskus und Hieronymus zu etwas Neuem zusammenzufügen wagte.

So wie Riberas Gemälde stammt auch das Werk Lot und seine Töchter seines neapolitanischen Kollegen Massimo Stanzione wohl aus den 1640er Jahren und ist damit ebenfalls dem Spätwerk des Malers.

Von der erst in Bologna und später in Rom tätigen Porträtistin Lavinia Fontana stammt das Dreiviertelportät des Gerardo Giavarini von 1598. Fontana war das Kunststück gelungen, als Malerin erfolgreich zu sein und dennoch als tugendhafte Frau zu gelten.

Eine herrliche Allegorie auf die Tulipomanie, dem spekulativem Handel mit Tulpenzwiebeln in den Niederlanden, stammt von Jan Brueghel dem Jüngeren. Solche Singerien waren lange Zeit ein beliebtes künstlerisches Mittel, um den Menschen ihre Schwächen aufzuzeigen.
Ebenso abwechslungsreich wie die Alten Meister präsentieren sich am 8. Juni ab 16 Uhr Gemälde des 19. Jahrhunderts.

Orient und Okzident treffen hier in den Gemälden Vor dem Eingang eines Basars von Alberto Pasini und Venedig, Regatta auf dem Canal Grande, im Hintergrund die Rialtobrücke von Giovanni Grubas aufeinander. Von letzterem kommt auch ein nächtliches Gegenstück zum Venedig-Bild in der Auktion zum Aufruf.

Mit Eugen von Blaas ist ein weiterer italienischer Meister des 19. Jahrhunderts in der Auktion vertreten. Das mit 1893 datierte Gemälde Begrüßung am Morgen zeigt eine junge Frau im Nachtgewand auf ihrem Bett sitzend, die von einer schwarzen Katze umschmeichelt wird. Katzen dienten häufig als Symbol der Sünde. vielleicht eine Anspielung auf die Profession der Dargestellten?

Bereits am 4. Juni werden ab 11 Uhr Möbel und dekorative Kunst, Skulpturen und Antiquitäten, Glas und Porzellan aufgerufen. Angeführt wird diese Offerte von einem 227 Teile umfassenden Service der Manufaktur Nymphenburg. Bei der Form Lotos handelt es sich um eine 1932/36 geschaffene Kreation des Designers Wolfgang von Wersin, mit dem die Neue Sachlichkeit in der Manufaktur Einzug hielt.

Mit Die Fertigung des Porzellans kommt eine sehr seltene und historisch bedeutende Figurengruppe der Manufaktur Meissen zum Aufruf. Die Gruppe wurde 1889/90 von Paul Helmig geschaffen und deutet thematisch wie auch stilistisch auf die Frühphase der ersten europäischen Porzellanmanufaktur hin.

Den Abschluss der Auktionswoche bildet am 10. Juni um 11 Uhr eine wunderbar bestückte Juwelen-Auktion. Erwähnt werden müssen hier auf jeden Fall zwei herrliche Kreationen aus dem Hause Cartier.

Da wäre zum einen ein zartes Art déco-Diadem aus Platin, das mit Aquamarinen (zus. ca. 70 ct) und Diamanten (zus. ca. 4. ct) besetzt ist, sowie eine seltene diamantbesetzte Anhängeruhr mit einem Altschliffdiamant im Tropfenschliff von ca.2,20 ct als größten Stein. Beide Pretiosen wurden um 1930/35 ausgeführt.

Die Versteigerungen finden im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Die Ausstellung zur Auktion findet ebenfalls dort statt (Alte Meister erst ab 2. Juni).



