Fünf Jahre dauerten die Untersuchungen an, die die Echtheit einer Portraitskizze, das Amedeo Modigliani von seiner Geliebten Jeanne Hébuterne angefertigt hatte, bestätigen oder widerlegen sollten. Nun konnte das zuständige Gericht in Venedig bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen echten Modigliani handelt. Das Expertenteam bestätigte "die zweifelsfreie Urheberschaft Amedeo Modiglianis sowie die Authentizität der Widmung auf der Rückseite von der Hand des Mäzens Leopold Zborowski".
Die Skizze war bereits in den 1970er Jahren für rund 55.000 Lire (ca. 28 Euro) erworben worden und hatte seitdem ihr Dasein in einer Schublade gefristet, bis ihr Besitzer entschied, sich die Echtheit bestätigen zu lassen. Die Portraitskizze sieht einem gemalten Bildnis, das Modigliani von Jeanne Hébuterne schuf und das im Metropolitan Museum of Art ausgestellt wird, verblüffend ähnlich. Zudem trägt sie eine Widmung von Leopold Zborowski, einem Kunsthändler und Förderer des Künstlers, auf der Rückseite: "Werter Freund Durini, diese Skizze wurde von Amedeo Modigliani 1919 angefertigt." Die Expertise konzentrierte sich nun vor allem auf die Handschrift Zborowskis sowie eine genaue chemische und stilistische Untersuchung der Zeichnung.

Der Anwalt, der die Arbeit zur Authentifizierung eingereicht hatte, kommentierte das Ergebnis der Untersuchungen: Das Expertenteam bestätigt sowohl die Authentizität des Werks sowie die Notiz von Zborowski. In Hinblick darauf haben wir es mit zwei Echtheitsbestätigungen zu tun: die aktuelle, die von den Sachverständigen des Gerichtshofs ausgestellt wurde, sowie jene aus der Entstehungszeit, die von einem Förderer und Freund des Künstlers aus Livorno unterschrieben wurde. Das Werk, das Teil einer Privatsammlung ist und nicht zum Verkauf angeboten wird, erscheint noch seltener, da wir es nun als die Skizze eines der bekanntesten Bilder des Meisters betrachten können."
Bei der anderen Entdeckung handelt es sich um eine Zeichnung des österreichischen Malers Egon Schiele, die in einem Second-Hand-Laden im New Yorker Stadtteil Queens entdeckt wurde und deren Wert auf 100.000 USD geschätzt wird.
Die Kreidezeichnung stellt den liegenden Akt eines Mädchens dar. Der neue Besitzer, der lediglich ein paar Dollar dafür bezahlt hatte, wandte sich an Jane Kallir, Leiterin der Galerie St. Etienne in New York, die sie mit 100.000 USD bewertete.

Kallir ist Experten für das Œuvre Egon Schieles, über das sie 1990 als eine der ersten ein vollständiges Verzeichnis der Zeichnungen, Skizzen und Aquarelle veröffentlichte. Zunächst hatte der Besitzer lediglich ein paar Fotos des Skizze übermittelt, die allerdings so verschwommen waren, dass Kallir um weitere Aufnahmen bat, auf die sie jedoch ein Jahr lang warten musste: "Jedes Jahr erhalten wir Hunderte von Fotografien - meistens von Fälschungen oder Kopien oder von Zeichnungen, die fälschlicherweise als Werk Schieles identifiziert wurden."
Nachdem sie die weiteren Fotos erhalten hat, lädt Jane Kallir den Besitzer der Zeichnungen in ihre Galerie ein. Zu jenem Zeitpunkt ist sie bereits zu 90% sicher, dass es sich um eine echte Arbeit Schieles handelt: "Ich wollte die Zeichnung im direkten Vergleich mit anderen sehen. Die Entdeckung fügte sich perfekt ein. Ich konnte sogar fast die Sitzung, in der sie entstanden war, identifizieren, sodass mein anfänglicher Instinkt bestätigt wurde und ich sagen konnte: 'Ja, es ist echt'."
Jane Kallir erzählt weiter, dass Egon Schiele 1918 etwa 20 Zeichnungen von diesem Mädchen und dessen Mutter anfertigte, bevor er an der Spanischen Grippe starb.
Die anderen Zeichnungen dieser Reihe befinden sich in der Sammlung des Metropolitan Museum of Art und des Leopold Museum in Wien.

Die Zeichnung kann ab sofort in der Galerie St. Etienne erworben werden, wo sie aktuell Teil der Ausstellung Der Kunsthändler als Gelehrter ist. Ein Teil des Verkaufserlöses wird Habitat for Humanity New York City zugute kommen, einer Organisation, die sich für die Schaffung von menschenwürdigem Wohnraum in den ärmeren Gemeinden einsetzt. Der Laden, in dem das Werk gekauft wurde, war Teil des Habitat ReStores-Projekts.
Haben Sie vielleicht auch einen Schatz zuhause? Finden Sie es gleich hier heraus (und denken Sie an aussagekräftige Fotos)!



