Es gibt die Aktmalerei vor Modigliani und es gibt die Aktmalerei nach Modigliani.
Zwischen 1916 und 1919 malte Amedeo Modigliani eine Reihe weiblicher Akte an, die seinen posthumen Ruhm begründen sollten. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung blickten die Menschen jedoch eher mit gemischten Gefühlen auf diese Werke, die für so manchen Skandal sorgten.
Ein Teil von ihnen, 35 sind heute bekannt, wurde 1917 in der einzigen zu Lebzeiten Modiglianis veranstalteten Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie von Berthe Weill, einer großen Förderin der Pariser Avantgarde, gezeigt. Der zu Werbezwecken im Schaufenster platzierte Akt sorgte für einen solchen Zustrom an Schaulustigen, dass die Polizei einschreiten musste und die so offensichtlich erotischen Werke ganz aus der Ausstellung entfernt wurden.
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Auch für die prüden 1950er Jahre waren Modiglianis Akte noch viel zu freizügig. So entfernte die US-Postbehörde Postkarten mit einem Akt des Künstlers aus dem Angebot des New Yorker Guggenheim Museums, da ihr ein solches Motiv für die amerikanische Post nicht geeignet schien. Mittlerweile sieht man das freilich anders und die bedeutenden Museen, in denen die freizügigen Werke Modiglianis zu bewundern sind, darunter das Solomon R. Guggenheim Museum, das MoMA und das Metropolitan Museum in New York sowie die Courtauld Gallery in London, verkaufen in ihren Museumsshops Erinnerungsstücke mit den weltbekannten Frauenbildnissen.

Nu couché (sur le côté gauche) schuf Modigliani im Jahr 1917 und ist das größte Gemälde aus der berühmten Aktserie. Tatsächlich handelt es sich mit einer Bilddiagonale von 147 cm um das größte Bild, das der Künstler überhaupt jemals gemalt hat. Zudem ist es das einzige der Aktgemälde, in dem das Modell vollständig abgebildet wurde. Für 157,2 Millionen USD (ca. 134,5 Millionen Euro) wurde Nu couché (sur le côté gauche) 14. Mai 2018 bei Sotheby's in New York versteigert.
Der Leiter der Abteilung für Moderne und Impressionismus bei Sotheby's, Simon Shaw, sagte im Vorfeld der Auktion: "Es gibt die Aktmalerei vor Modigliani und es gibt die Aktmalerei nach Modigliani", womit er betonte, dass die Bedeutung von Modiglianis Serie für die moderne Aktmalerei gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Der aktuelle Rekord für ein Werk von Amedeo Modigliani wurde 2015 bei Christie's aufgestellt. Für 170,4 Millionen USD (ca. 158,6 Millionen Euro) wechselte damals das ebenfalls 1917 entstandene Werk Nu couché den Besitzer. Damals war es zudem das zweitteuerste Kunstwerk, das jemals auf dem Auktionsmarkt versteigert wurde. Durch das Sensationsergebnis, das Leonardo da Vincis Salvator mundi Ende letzten Jahres erzielt hat, ist es heute auf Platz 3.
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Zu Lebzeiten sah sich Modigliani zunächst genötigt, seine ersten Aktbilder für 10 oder 20 Francs an seinen Vermieter zu verkaufen, um nicht aus seiner Wohnung geworfen zu werden. Später nahm sich der Kunsthändler Leopold Zborowski seiner an, der Modigliani ein Tagesgehalt zahlte und auch die Modelle für die Aktgemälde entlohnte.
Mit der Aktmalerei begonnen hatte der damals 24-jährige Modigliani 1908, als er bereits seit zwei Jahren versuchte, in Paris sein Glück als Künstler zu finden. Seinen charakteristischen Stil entwickelte er jedoch erst rund sechs Jahre später. Sein Stil war eine Verschmelzung von Einflüssen der italienischen Renaissance und des Manierismus, afrikanischer Volkskunst und der Geometrie des Kubismus. Vor allem ist er jedoch Ausdruck einer stolzen weiblichen Nacktheit, die weit entfernt ist von jeder Art Mythos oder Allegorie.
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Amedeo Modigliani starb nach einem viel zu kurzen, aber intensiv gelebten Leben mit nur 35 Jahren an tuberkulöser Meningitis. Modigliani lebte als Teil der Avantgarde inmitten der Pariser Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts, tauschte sich mit Picasso und Jean Cocteau aus und war mit Maurice Utrillo und Chaim Soutine befreundet, mit denen er fatalerweise eine Alkohol- und Opiumsucht gemein hatte.
Ein Gerücht besagt übrigens, dass Picasso, als er eines Tages dringend einer Leinwand bedurfte, sich einfach eine schnappte, auf der sich bereits ein Gemälde Modiglianis befand. Vielleicht sollte man also die kubistischen Werke Picassos aus jener Zeit einmal genauer unter die Lupe nehmen und ergründen, ob sich unter der sichtbaren Farbschicht nicht vielleicht ein weiterer Nu couché oder Nu assis Modiglinis befindet.
Aktualisierte Version eines Artikels vom 12. Juli 2018










