Sie küssten und sie malten sich: Diese Beziehungen vereinten nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei kreative Geister, die einander beflügelten, aber nicht zwangsläufig mit einander auskommen konnten.
Christo (1935-2020) und Jeanne-Claude (1935-2009)

Christo und Jeanne-Claude verband viel: Ihre Liebe, ihre gemeinsame künstlerische Vision und sogar der Tag ihrer Geburt, denn beide erblickten am 13. Juni 1935 das Licht der Welt, er in Bulgarien, sie in Casablanca. Sie trafen sich 1958 in Paris und sofort spürten sie eine große Anziehungskraft. Doch Jeanne-Claude heiratete auf Druck ihrer Familie einen anderen, obwohl sie von Christo ein Kind erwartete. Kurz nach ihrer Hochzeit kehrte sie doch zu ihrer großen Liebe zurück. 1961 führten sie ihr erstes gemeinsames Kunstprojekt aus, das erste von vielen, mit denen sie die Grenzen von Malerei, Skulptur und Architektur überwinden wollten, um die Kunst aus den Ausstellungsräumen in den öffentlichen Raum zu bringen und so für neue Perspektiven zu sorgen. Ihre Installationen fanden in vielen Ländern statt, ihre gemeinsame Heimat war ab 1964 jedoch New York. 2009 zerbrach die Einheit, als Jeanne-Claude im Alter von 74 Jahren starb. Anschließend setzte Christo die Umsetzung der gemeinsamen Vision alleine fort, bis auch er im Mai 2020 die Augen für immer schloss.
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Amedeo Modigliani (1884-1920) und Jeanne Hébuterne (1898-1920)

Der arme Maler Amedeo Modigliani und die junge Kunststudentin Jeanne Hébuterne, die wohl behütet in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen war, lernten sich im Frühjahr 1917 in Paris kennen – und sofort lieben. Für beide war es die erste große Liebe, sogar für den damals 33-jährigen Modigliani, der es bislang vorgezogen hatte, sein Herz nicht dauerhaft zu verschenken. Doch Jeanne hatte das gewisse Etwas, dass den selbst als gutaussehend beschriebenen Maler in den Bann zog. Jeannes Eltern waren außer sich und stellten ihre Tochter vor die Wahl: Weitere Unterstützung durch die Familie oder dieser unmögliche Mann. Wenig überraschend entschied sich Jeanne für die Liebe. Gemeinsam zog das Paar in eine ärmliche Wohnung in Montparnasse. Der anfangs positive Einfluss Jeannes auf Amedeo hielt jedoch nicht lange und der Maler begann wieder zu trinken und Drogen zu konsumieren. Doch sie blieb an seiner Seite, auch als sich sein ohnehin schwacher gesundheitlicher Zustand weiter verschlechterte. Gemeinsam zog man an die warme Côte d’Azur, wo im November die gemeinsame Tochter Jeanne zur Welt. Nach der Rückkehr nach Paris 1919 wird Jeanne erneut schwanger und das Paar verlobt sich. Doch zur Hochzeit kam es nicht mehr, da Modigliani im Januar 1920 an Tuberkulose starb. Die hochschwangere Jeanne Hébuterne beging daraufhin Selbstmord.
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Frida Kahlo (1907-1954) und Diego Rivera (1886-1957)

Die Ehe der mexikanischen Malerin Frida Kahlo und ihres Kollegen und Landsmanns Diego Rivera ist dafür bekannt, eine eher turbulente gewesen zu sein. Frida war des damals bereits etablierten Malers Diego Rivera erstmals 1922 ansichtig geworden, als dieser ein Wandgemälde für ihre Hochschule ausführte. Ihr war sofort klar, dass er der Vater ihrer Kinder sein würde. Sechs Jahre später präsentierte sie ihm zaghaft einige ihrer Malversuche und er biss an. Doch die Ehe nach der Hochzeit im August 1929 war nicht glücklich, denn Rivera betrog seine um 20 Jahre jüngere Frau wiederholt – sogar mit deren eigener Schwester. Nach zehn Jahren wurde die Ehe geschieden. Doch man konnte genauso wenig ohne einander wie miteinander und daher heirateten sie im Dezember 1940 erneut. Jetzt ließ Frida aber auch nichts mehr aus und stützte sich in Affären. Dennoch erkannte Rivera nach Fridas frühem Tod im Jahr 1954, das ihre Liebe das Beste in seinem Leben gewesen war.
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Charles (1907-1978) und Ray Eames (1912-1988)

Als der Architekt und Designer Charles Eames um 1940 an der Cranbrook Academy of Arts als Lehrer für Industriedesign arbeitete, war er seit mehr als zehn Jahren verheiratet und Vater einer Tochter. Doch dann trat Ray Keiser, die ihr Kunststudium der abstrakten Malerei gewidmet hatte, in sein Leben und er lies sich 1941 scheiden. Noch im selben Jahr heiraten Charles und Ray und die überaus erfolgreiche gemeinsame Reise begann. Es war nicht nur die Fusion zweier Menschschen, sondern auch die Fusion zweier Kreativer, deren jeweilige Profession und Auffassung perfekt mi der des jeweils anderen harmonierte. Und sie interessierten sich beide für die Verwendung neuer Materialien auf dem Gebiet des Möbeldesigns. Auch waren sie sich darin einig, dass die Welt des Designs einer Demokratisierung bedurfte, was sich in ihren gemeinsamen Entwürfen für den Massenmarkt widerspiegelte, aber auch bei dem Entwurf eines Fertighauses aus recycelten Materialien, das sie ab 1949 gemeinsam bewohnten. Noch fas dreißig gemeinsame Jahre folgten, bis Charles Eames am 21. August 1978 an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Ray folgte ihrem Mann auf den Tag genau zehn Jahre später.
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Wassily Kandinsky (1866-1944) und Gabriele Münter (1877-1962)

1902 war Wassily Kandinsky Leiter der Malschule der kurzlebigen Münchner Künstlergruppe Phalanx, die gegen sie überholten Richtlinien der Kunstszene eintrat und auch Frauen einen uneingeschränkten Zugang zum Malereistudium bot. Eine dieser Frauen war Gabriele Münter, die im Sommer an Kandinskys Kurs in Freilichtmalerei in Kochel am See teilnahm. Aus einer Lehrer-Schülerinnen-Beziehung wurde Liebe und man verlobte sich, obwohl Kandinsky in seiner Heimat Russland bereits eine Ehe eingegangen war. Doch Münter und Kandinsky versteckten ihre Beziehung nicht und bereiteten gemeinsam Europa und malten in den Sommermonaten gemeinsam in Murnau am Staffelsee, wo Gabriele Münter 1909 ein Haus erwarb. 1911 wurde die erste Ehe von Kandinsky geschieden, doch heirateten er und Münter nicht. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Wassily Kandinsky nach Russland zurückkehren und die Beziehung zerbrach. 1917 heiratete Kandinsky eine andere. Gabriele Münter ging erst zehn Jahre später eine neue Beziehung ein, mit dem Kunsthistoriker Johannes Eichner.
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Alexej von Jawlensky (1865-1941) und Marianne von Werefkin (1860-1938)
Ein anderes Künstlerpaar, dass mit Münter und Kandinsky befreundet war und mit ihnen in Murnau malte, bildeten Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, die noch in ihrer Heimat Russland eine Beziehung eingegangen und gemeinsam nach München gegangen waren. Von Werefkin, die aus einer adeligen Familie stammte und von Privatlehrerin hervorragend in der Malerei ausgebildet worden war, stellte ihr eigenes Talent zugunsten ihres Lebensgefährten zunächst zurück und widmete sich dessen Förderung in der Münchener Kunstszene. Erst 1906 fand sie selbst an die Staffelei zurück. Materiell abgesichert, lehnte Marianne von Werefkin eine Ehe mit Alexej von Jawlensky ab, der ein notorischer Schürzenjäger war. Auch im eigenen Haushalt etablierte sich eine Ménage-à-trois, mit dem Dienstmädchen Helene Nesnakomoff als Dritte im Bunde. Von Jawlensky und Helene hatten auch einen gemeinsamen Sohn, Andreas, der 1902 zur Welt gekommen war. Nachdem es während des Ersten Weltkriegs im Schweizer Exil bereits zu Spannungen gekommen war, trennte sich Alexej von Jawlenksy 1921 von Marianne von Werefkin und heiratete im Jahr darauf Helene Nesnakomoff.
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Alvar (1898-1976) und Aino Aalto (1894-1949)
1923 eröffnete Architekt Alvar Aalto in der finnischen Stadt Jyväskylä sein erstes eigenes Büro. Kurz darauf wurde die Architektin Aino Marsio, die wie Aalto in Helsinki studiert hatte, seine Assistentin. Man verstand sich gut, zunächst als Kollegen, dann als Liebende und schon 1924 folgte die Hochzeit. Die Beziehung zwischen Aino und Alvar war eine auf Augenhöhe, sowohl beruflich, als auch privat. Gemeinsam setzten sie die Projekte um, die beim Architekturbüro Aalto in Auftrag gegeben wurden. Auch überflügelte Aino ihren Mann hin und wieder, so auch 1936 auf der Mailänder Triennale für den Entwurf eines Glases mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Als die Aaltos 1935 das Möbelunternehmen Artek gründeten, wurde Aino die Chefdesignerin. Aino Alto starb im Januar 1949 kurz vor ihrem 55. Geburtstag. Später in jenem Jahr betrat die junge Architektin und Designerin Elissa Mäkiniemi als neue Assistentin das Büro von Alvar Alto, den sie drei Jahre später heiratete.
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Georgia O’Keeffe (1887-1986) und Alfred Stieglitz (1864-1946)

Nachdem sie in Chicago Malerei studiert hatte, ging Georgia O’Keeffe 1916 nach New York, wo sie den 23 Jahre älteren Fotografen Alfred Stieglitz kennenlernte, der eine eigene Galerie in Manhattan besaß und ihr Förderer wurde. Stieglitz war hingerissen von O’Keeffe als Künstlerin und als Frau und heiratete sie im Jahr 1924. Immer wieder fotografierte er sie, vor allem ihre Hände. Georgia gefielen diese Aufnahmen sehr, doch allmählich fühlte sie sich von New York und ihrem Ehemann eingeengt. Immer wieder zog es sie in die Einsamkeit der Wüste New Mexikos, wo sie schließlich ganz hinzog. Trotz der räumlichen und inneren Distanz hielt das Paar den Kontakt aufrecht und wechselte über 25.000 Briefe – bis 1946, dem Jahr von Stieglitz Tod. Als letzten Liebesdienst verbrachte Georgia O’Keeffe die nächsten drei Jahre damit, den umfangreichen (künstlerischen) Nachlass ihres Mannes zu ordnen.
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Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Otto Modersohn (1865-1943)

Bei einem Besuch der Künstlerkolonie Worpswede verliebte sich die junge Malerin Paula Becker in den inspirierenden Ort im Teufelsmoor. 1900 zog sie ganz dorthin und verliebte sich in den ebenfalls dort lebenden Maler Otto Modersohn, den sie im Jahr darauf heiratete. Die Beziehung schien glücklich und der um elf Jahre ältere Otto Modersohn unterstützte seine junge Frau wo es nur ging. Doch Paula haderte mit sich: Einerseits wollte sie ihr Leben ganz und gar der Kunst widmen, andererseits wollte sie gerne Mutter werden. 1906, während eines ihrer Studienaufenthalte in Paris, traf sie ihre Entscheidung: Sie wollte die Trennung von ihrem Mann und ein freies Leben als Malerin führen. Doch als Otto Modersohn ihr nachreiste, gewann die Liebe Oberhand und das Paar fand wieder zusammen. Gekrönt wurde das wiedervereinigte Glück mit der Schwangerschaft Paulas. Im November 1917 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Die Geburt war jedoch schwer gewesen, sodass Paula Modersohn-Becker drei Wochen später an den Folgen starb.
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Lee Krasner (1908-1984) und Jackson Pollock (1912-1956)

Lee Krasner und Jackson Pollock lernten sich 1941 in New York kennen, als Krasner in einer Ausstellung auf den Namen und eine Arbeit des ihr unbekannten Malers stieß. Sie besuchte ihn daraufhin in seinem Atelier und eine Beziehung entstand. Krasner, die selbst im Stil des abstrakten Expressionismus malte, war in der New Yorker Kunstszene gut vernetzt und sorgte dafür, dass auch Pollock es wurde. Allgemein stellte Krasner ihr eigenes Schaffen in den Jahren an Pollocks Seite (1945 heirateten sie) zurück und konzentrierte sich auf die Förderung seiner Karriere. Doch die Beziehung war durch den Alkoholismus und die Affären Pollocks belastet und 1956 beschloss Krasner eine eigentlich gemeinsam geplante Europareise alleine anzutreten. Sie sollten sich nicht wiedersehen, denn Pollock starb während ihrer Abwesenheit an den Folgen eines unter Alkoholeinfluss verursachten Unfalls. Als Alleinerbin ihres Mannes, förderte sie dessen Karriere gewissermaßen auch über dessen Tod hinaus, was sich allgemein positiv auf die Wahrnehmung der zeitgenössischen amerikanischen Kunstszene auswirkte. Auch das Werk Lee Krasners, die lange Zeit im Schatten ihres berühmteren Mannes stand, findet mittlerweile die Anerkennung, die es verdient.
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