Der aus Aragon stammende Maler und Radierer Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) hielt in seinen Werken die unsichere Zeit, in der er lebte, fest – vor allem die Umbrüche durch die napoleonischen Kriege in Spanien. Mit seinen Porträts – allen voran die kontroverse Nackte Maja – ebnete Goya den Weg für eine neue Art der Kunst. Seine bisweilen gefährliche Verbindung zum spanischen Hof beförderte ihn an die Spitze und trug erheblich zu seiner Bekanntheit bei. Goya führte eine Reihe stilistische Brüche ein, die die Romantik einleiteten und die Anfänge der modernen Malerei bereits ankündigten. Goyas Kunst wird als Vorläufer der künstlerischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts betrachtet. Während Goyas berühmteste Gemälde in den bedeutendsten Museen dieser Welt ausgestellt werden, sind hier jene Werke des Künstlers, die auf dem Auktionsmarkt am teuersten versteigert wurden.
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9. Porträt der Schauspielerin Rita Luna

Es heißt, dass dieses Porträt von Rita Luna, einer der berühmtesten Schauspielerinnen ihrer (und Goyas) Zeit, 1859 von Künstlerenkel Mariano Goya in einer Abstellkammer wiederentdeckt wurde. Angesichts seiner kleinen Maße, wäre es denkbar, dass Goya das Porträt für seine eigene Sammlung angefertigt hatte. Das Porträt unterscheidet sich von Goyas Œuvre insofern, dass er hierbei die menschliche Zerbrechlichkeit durch die Darstellung der alternden Schauspielerin transkribierte. Porträt der Schauspielerin Rita Luna wurde zunächst vom spanischen Maler Valentín Carderera erworben, in dessen Besitz es bis 1877 verblieb. Im Januar 2019 wurde es bei Sotheby's für knapp 2 Millionen Euro verkauft, womit es 74% über dem Schätzpreis lag.
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8. El toro mariposa ("Der Schmetterlingsstier")

1796 begann Goya damit, Notizbücher zu füllen: Er zeichnete alle möglichen Figuren, die meist eine bestimmte Aufgabe ausführten. Doch Goya hielt nicht nur die Dinge, die er sah, also die Aspekte des tägliche Lebens, fest, sondern auch spirituelle Themen, die einen menschlichen Zustand zum Ausdruck brachten. In dreißig Jahren füllte er so acht Notizbücher von unterschiedlicher Größe und Seitenzahl mit beinahe 550 Zeichnungen. Die auf Goya spezialisierte Kunsthistorikerin Eleanor Sayre nummerierte die Bücher von A bis H.
El toro mariposa war auf Seite 53 von Buch G zu finden, eines von zwei Notizbüchern, die Goya ab 1825 offensichtlich parallel verwendete, nachdem er im Jahr zuvor in Bordeaux eingetroffen war. Die Themen in diesen beiden Büchern sind vielfältig und beinhalten Szenen des Wahnsinns und der Verzweiflung genauso wie satirische Szenen und einige französische Themen.
Die Skizze, so wie viele andere Zeichnungen aus Goyas privaten Alben, wurde immer wieder neu interpretiert. Zu sehen sind miteinander verbundene Köpfe, die einen Stier tragen, möglicherweise eine Referenz an die Ballons, die bei Stierkämpfen verkauft wurden. Verkauft 2006 für 2,2 Millionen Euro, ist die Zeichnung Platz 7 auf dieser Liste.
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7. Loco ("Verrückter")

...lautet der Titel der Skizze Nr. 17, die Goya in sein Album G zeichnete. Alle Skizzen in diesem Album sind mit solchen kurzen Titeln versehen. Wie noch zu erkennen ist, wählte Goya zunächst Calabozo ("Kerker") als Bildunterschrift, entschied sich dann aber offensichtlich anders, vielleicht weil die meisterhaft ausgeführte Zeichnung das Universelle der Verzweiflung ausdrückt und keine bestimmte Situation oder einen bestimmten Ort.
Die Skizze eines Mannes mit zerrissener Kleidung und einem an einen Totenschädel erinnerndes Gesicht, der dem Betrachter mit einem über dem Kopf erhobenen Stock droht, dabei aber einfach nur verängstigt wirkt, wurde im Februar 2014 bei Sotheby's für 2,3 Millionen Euro versteigert.
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6. Hutiles trabajos ("Nützliche Arbeit")

Diese mit rauen Federstrichen ausgeführte Tuschzeichnung, verblieb bis 1854 in der Goya-Familie. Danach gelangte sie von 1855 bis 1860 in den Besitz des Malers Federico de Madrazo. 1930 wurde sie in Paris versteigert und befand sich seitdem in Familienbesitz, bis sie 2011 ein weiteres Mal unter den Hammer kam. Dieses Mal bei Christie's, wo 2,5 Millionen Euro dafür erzielt werden konnten.
In der oberen rechten Ecke ist, ausgeführt mit brauner Tinte, der Buchstabe M zu sehen. Diese Beschriftungen, die man hin und wieder auf diesen Seiten finden, zeugen vom intellektuellen Prozess Goyas, der, nicht ohne Ironie, Fragen stellt, berät und tröstet und sogar soweit geht, Drohungen zu notieren. Sein Enkelsohn Mariano nahm die Alben auseinander, um die Zeichnungen einzeln verkaufen zu können, vor allem Federico de Madrazo, der sie wiederum weiterverkaufte, wodurch die ursprüngliche Reihenfolge völlig durcheinander geriet, weshalb er sie neu nummerierte.
5. Bajan riñendo ("Hinabstürzende Kämpfende")

Diese Zeichnung trägt die eigenhändige Beschriftung des Künstlers höchstselbst: Vision de bajan riñendo sowie die Zahl 2, die mit einem Stift ausgeführt wurde und nachträglich eine 1 oder eine 5 korrigierte. Das Werk zeigt zwei Frauen inmitten eines Kampfes, die in eine Leere hinabstürzen.
Die Zeichnungen in Goyas acht Notizbüchern waren keine Studien für Gemälde oder Radierungen – der Künstler pflegte nämlich direkt mit dem Pinsel auf der Leinwand zu malen, ohne vorher irgendwelche Skizzen zu machen. Bajan riñendo, eine Zeichnung von der ersten Seite von Album D, wurde 2008 bei Christie's für 2,9 Millionen Euro verkauft.
4. Reiterporträt des Don Manuel Godoy, Herzog von Alcudia

Dieses Porträt von Don Manuel Godoy, Herzog von Alcudia stammt aus dem Jahr 1794. Godoy war der Liebhaber der spanischen Königin Maria Luisa von Bourbon-Parma und die sowohl politisch als auch militärisch mächtigste Person am Hofe König Karls IV. Von seinen Zeitgenossen wurde er als "Friedens-Prinz" bezeichnet – ein Spitzname, der ihm seine Leben lang begleiten sollte. Zwischen 1792 und 1808 war Godoy Teil eines regierenden Dreigestirns, das Maria Luisa auch als "Dreifaltigkeit auf Erden" zu bezeichnen pflegte, denn obwohl Karl IV. offiziell die Krone auf dem Haupt trug, so war es doch in Wahrheit Godoy, der die Zügel des Staates in der Hand hielt. Das vorliegende Porträt Godoys kam 2009 bei Sotheby's für 3,07 Millionen Euro unter den Hammer.
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3. Stilleben mit toten Hasen

Ähnlich wie Hutiles trabajos verblieb auch dieses Stillleben mit toten Hasen bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Goya. 1877 wurde es in Paris verkauft, danach verlor sich seine Spur. Über 100 Jahre später tauchte es erst wieder auf, als Christie's damit beauftragt wurde, es zu versteigern. Dies geschah am 24. Januar 2003. Der erzielte Preis betrug 4,8 Millionen Euro (153% über dem Schätzpreis), womit es zum bis heute teuersten Werk Francisco de Goyas auf dem Auktionsmarkt wurde.
Laut der Fundación Goya in Aragon leitet das Stilleben das Auge des Betrachters zu den hingestreckten Hasen, deren Körper eine Art Kreuz bilden, das sich vom neutralen Hintergrund abhebt, während man einen Korb am linken Bildrand nur schemenhaft wahrnimmt. Goyas Stillleben zeugen vom großen Talent des Malers auf diesem Gebiet, in dem er, trotz einer reduzierten Farbpalette, Texturen, wie das Fell der Tiere, auf beindruckende Weise hervorzuheben versteht.
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2. Suerte de Varas ("Stierkampf")

Auch in Goyas zweitteuerstem Werk spielt der Tod eine Rolle, jedoch nicht auf stille Weise wie in dem vorherigen Gemälde, sondern inmitten einer von lautstarken Zuschauern umgebenen Arena. Am bekanntesten ist Goyas Auseinandersetzung mit dem Thema in Form des 1816 veröffentlichten Radierungszyklus Tauromaquia.
Das vorliegende Ölgemälde entstand 1824, also vier Jahre vor dem Tod des Künstlers. Nachdem es durch Erbfolge lange in dem Sammlungen spanischer Besitzer gewesen war, kam es am 9. Dezember 1992 bei Sotheby's zum Aufruf. Für 6,7 Millionen Euro durfte es schließlich das J. Paul Getty Museum mit nach Los Angeles nehmen, wo es seitdem ausgestellt wird.
Der 1992 erzielte Preis übertraf den bisherigen Rekordpreis Goyas um das Fünfzehnfache. Wie man an den Plätzen 3 bis 9 dieser Liste erkennen kann, war die Versteigerung des "Stierkampfes" der Auftakt für eine Renaissance für Goyas Werke auf dem Auktionsmarkt.
1. Porträt der Doña María Vicenta Barruso Valdés und Porträt ihrer Mutter Doña Leonora Antonia Valdés de Barruso

Der aktuelle Rekord für Goya wurde Anfang 2023 aufgestellt, als Porträt der Doña María Vicenta Barruso Valdés und Porträt ihrer Mutter Doña Leonora Antonia Valdés de Barruso gemeinsam für rund 15,5 Millionen Euro bei Christie's versteigert wurden. In Auftrag gegeben worden war das Porträt-Paar 1805 von Don Salvador Anselmo Barruso de Ybaretta, der Ehemann bzw. Vater der dargestellten Frauen und wohlhabendes Mitglied der spanischen Bourgeoisie. Dies verdeutlicht die Erweiterung, die Goya ab dem späten 18. Jahrhundert hinsichtlich seiner Förderer erfuhr, die bis dahin vor allem aus Kreisen des Spanischen Hofes und des Adels entstammten. Die Porträts waren insofern selten, als sich nur wenige von Goyas Porträts in Privatbesitz befinden (die meisten in Spanien) und es das einzige Paar mit den Darstellungen von zwei Frauen ist.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 17. August 2020



